{"id":6612,"date":"2022-10-26T14:31:13","date_gmt":"2022-10-26T12:31:13","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/streifengans-anser-indicus\/"},"modified":"2023-01-17T21:43:33","modified_gmt":"2023-01-17T19:43:33","slug":"streifengans-anser-indicus","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/streifengans-anser-indicus\/","title":{"rendered":"Streifengans &#8211; Anser indicus"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>Streifengans<\/strong> (<em>Anser indicus<\/em>) oder <strong>Indische Gans<\/strong> ist eine in Zentral- und S\u00fcdasien einheimische Art der Feldg\u00e4nse (<em>Anser<\/em>) und geh\u00f6rt zu den Echten G\u00e4nsen (Anserini). Sie wird gelegentlich zusammen mit ihren n\u00e4chsten Verwandten, der Kaisergans (<em>Anser canagica<\/em>), der Schneegans (<em>Anser caerulescens<\/em>) und der Zwergschneegans (<em>Anser rossii<\/em>), in eine eigene Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen <em>Chen<\/em> gestellt. Die Art wurde im Jahre 1790 durch John Latham in seinem in London erschienenen Werk <em>Index ornithologicus<\/em> als <em>Anas indicus<\/em> erstbeschrieben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-6597\" src=\"http:\/\/wildtravel.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/c1.JPG\" alt=\"\"><\/p>\n<p>Die Streifengans ist mit einer L\u00e4nge von ungef\u00e4hr 70 bis 75 cm etwa so gro\u00df wie die in Mitteleuropa vertrautere Graugans (<em>Anser anser<\/em>); ihre Fl\u00fcgell\u00e4nge liegt zwischen 40 und 50 cm, das Gewicht bei etwa zwei bis drei Kilogramm. Das Weibchen ist meistens etwas kleiner als das M\u00e4nnchen, unterscheidet sich ansonsten von diesem aber nicht.<\/p>\n<p>Das Erkennungsmerkmal der Streifengans sind zwei namengebende schwarzbraune Querstreifen: Der erste l\u00e4uft bogenf\u00f6rmig vom linken Auge \u00fcber den Hinterkopf zum rechten Auge hin, der zweite befindet sich parallel laufend wenige Zentimeter tiefer im Nacken und ist etwas k\u00fcrzer. Ansonsten sind der Kopf und der vordere Halsbereich hellgrau bis wei\u00df, der Hinterhals dagegen schwarz gef\u00e4rbt; letzterer besitzt zwei l\u00e4ngsseitig verlaufende wei\u00dfe Streifen. Das K\u00f6rpergefieder hat au\u00dfer auf der reinwei\u00dfen Bauchseite im Allgemeinen eine helle silbergraue Farbe, die Flanken sind meistens etwas dunkler, die Fl\u00fcgeldecken dagegen eher aufgehellt, w\u00e4hrend die eigentlichen Flugfedern in tiefschwarz gehalten sind. Der hell- bis orangegelbe Schnabel wird zwischen 4,5 und 6,5 Zentimeter lang, die Augenfarbe ist dunkelbraun, die F\u00fc\u00dfe sind orangefarben.<\/p>\n<p>Frisch geschl\u00fcpfte Streifeng\u00e4nse, die etwa 100 Gramm wiegen, tragen dagegen Tarnfarben: Sie haben einen grauen Schnabel und graue F\u00fc\u00dfe, auch die R\u00fcckenseite ist grau gef\u00e4rbt, w\u00e4hrend die Bauchseite dunkelgelb aussieht. Vor allem um die Augen herum und am Hinterkopf ist das Gefieder zudem mit kleinen braunen Flecken gesprenkelt. Eine von den Augen zum Hinterkopf laufende hellbraune Linie ist ein spezifisches Erkennungsmerkmal.<\/p>\n<p>Im Jugendkleid ist das Mantelgefieder der Streifeng\u00e4nse noch verwaschen br\u00e4unlichgrau. Der Nackenstreifen fehlt, stattdessen verl\u00e4uft die braune Hinterhalszeichnung bis zum Hals. Der Schnabel und die F\u00fc\u00dfe sind noch gelblichgr\u00fcn. Im ersten Jahreskleid sind Jungv\u00f6gel bereits gef\u00e4rbt wie die Altv\u00f6gel. Mit zunehmendem Alter tendiert das Mantelgefieder der G\u00e4nse jedoch vom Br\u00e4unlichen ins Hellgraue.<\/p>\n<h2><span id=\"Verbreitung_und_Lebensraum\" class=\"mw-headline\">Verbreitung und Lebensraum<\/span><\/h2>\n<p>Streifeng\u00e4nse sind Zugv\u00f6gel, die halbj\u00e4hrlich zwischen ihren Brut- und \u00dcberwinterungsgebieten hin- und herziehen. Erstere liegen vor allem in den Hochebenen Zentralasiens, in S\u00fcdostrussland, Tibet, Teilen Nordindiens, der Mongolei und der Volksrepublik China, letztere dagegen haupts\u00e4chlich s\u00fcdlich des Himalaja im Nordwesten und zentralen S\u00fcden Indiens, in Pakistan, Bangladesch, Nepal und Myanmar; manche V\u00f6gel ziehen auch nur aus den Hochlagen Tibets in tiefer liegende Gebiete.<\/p>\n<p>Das Brutgebiet der Streifengans liegt in Seenlandschaften, Flussniederungen oder Mooren, besonders in Zentralasien auch in Steppengebieten oder Heideland. In Tibet halten sich die k\u00e4lteangepassten V\u00f6gel auch auf bis zu 5600 Metern hoch gelegenen Felsabh\u00e4ngen auf. Im \u00dcberwinterungsgebiet bilden dagegen ruhige Seen, Flussauen und niedrig gelegene S\u00fcmpfe ihren Lebensraum.<\/p>\n<p>In Europa kommt die Streifengans meist als Gefangenschaftsfl\u00fcchtling vor; die meisten Tiere sind wahrscheinlich aus Zoos, \u00f6ffentlichen Gartenanlagen mit Ziergefl\u00fcgelteichen oder privaten Zuchtstationen entflohen. In den Niederlanden hat sich dagegen mittlerweile eine selbst erhaltende Population gebildet. Auch in Deutschland kommt es regelm\u00e4\u00dfig zu Freilandbruten von Streifeng\u00e4nsen (Bsp. Englischer Garten in M\u00fcnchen), allerdings gelten diese Populationen noch nicht als dauerhaft etabliert. Ob sich die Streifengans langfristig als Neozoon halten kann, ist ungewiss, da sie recht leicht mit Graug\u00e4nsen verbastardiert und die Nachkommen fruchtbar sind, so dass die immer wieder auftretenden Einzeltiere, Paare oder kleinen Trupps wohl in der Grauganspopulation aufgehen werden.<\/p>\n<h2><span id=\"Flugverm\u00f6gen\" class=\"mw-headline\">Flugverm\u00f6gen<\/span><\/h2>\n<p>Beim Zug zwischen Winter- und Brutgebiet m\u00fcssen viele Streifeng\u00e4nse das Himalaja-Gebirge \u00fcberqueren. Dabei werden teilweise Flugh\u00f6hen von \u00fcber 9000 Metern erreicht, Streifeng\u00e4nse wurden schon beim Flug \u00fcber den Mount Everest beobachtet Den Sauerstoffmangel in diesen H\u00f6hen (der Sauerstoffpartialdruck liegt bei nur etwa 30&nbsp;% des Wertes, der auf Meeresh\u00f6he gemessen wird) \u00fcberstehen sie durch eine spezielle Anpassung: Der rote Blutfarbstoff, das H\u00e4moglobin, ist bei ihnen anders als bei S\u00e4ugetieren oder anderen V\u00f6geln zu einer besonders schnellen Sauerstoffaufnahme bei niedrigem Druck in der Lage. Ausl\u00f6ser ist eine einzige Mutation, durch welche die Aminos\u00e4ure Prolin in der Alpha-Kette des H\u00e4moglobins (\u03b1-Globin) durch Alanin ersetzt ist<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-6601\" src=\"http:\/\/wildtravel.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/c3.JPG\" alt=\"\"><\/p>\n<p>Nahrungsgrundlage der Streifengans sind Teile von Wasserpflanzen sowie Gr\u00e4ser, Wurzeln und Sprosse, die wie beispielsweise Riedgras regelrecht abgeweidet werden. Im Winter werden auch Getreidek\u00f6rner und Wurzelknollen verzehrt; auch Seetang kann in K\u00fcstenn\u00e4he einen wichtigen Nahrungsbestandteil bilden. Diese Grundlage wird erg\u00e4nzt durch Insekten, kleine Krebstiere, Weichtiere wie beispielsweise Schnecken und sogar kleine Fische.<\/p>\n<p>Meistens fressen die G\u00e4nse nachts oder kurz nach Sonnenauf- beziehungsweise vor Sonnenuntergang. Vor allem in ihrem \u00dcberwinterungsgebiet fliegen sie meistens t\u00e4glich in gro\u00dfen Schw\u00e4rmen zwischen den r\u00e4umlich getrennten Ruhe- und Weidepl\u00e4tzen hin und her. Sie sind wie die meisten G\u00e4nsearten sehr soziale, gesellschaftliebende Tiere.<\/p>\n<p>Streifeng\u00e4nse werden in ihrem zweiten bis dritten Lebensjahr geschlechtsreif und verpaaren sich dann auf Lebenszeit. Sie treffen bereits als Paar zwischen Ende M\u00e4rz und Mitte April in ihrem zu diesem Zeitpunkt noch von Schnee bedeckten Brutgebiet ein und beginnen mit der Nistplatzsuche. Es entwickeln sich meistens locker organisierte Brutkolonien, in denen 10 bis 30 Paare auf engem Raum br\u00fcten; oft sind die alleine von den Weibchen gebauten flachen, aber nur selten weich ausgelegten Nester nur zwei bis drei Meter voneinander entfernt. Als Nistplatz dienen meistens kleine grasbewachsene Inseln in den Steppenseen oder S\u00fcmpfen des Brutgebiets, auch nahe am Wasser gelegene flache Schotterb\u00e4nke werden gerne genutzt, in Tibet auch die Felsklippen der Hocht\u00e4ler, oft in unmittelbarer N\u00e4he von Kolkrabennestern oder Greifvogelhorsten. Aus der Mongolei wird berichtet, dass Streifeng\u00e4nse ehemalige in Pappeln gelegene Greifvogelhorste nutzen.<\/p>\n<p>Je nach lokalen Klimaverh\u00e4ltnissen legt das Weibchen zwischen Anfang Mai und Juni zwei bis acht, im Durchschnitt aber meistens vier oder f\u00fcnf wei\u00dfe Eier, die es dann f\u00fcr gute vier Wochen bebr\u00fctet, w\u00e4hrend das M\u00e4nnchen den Brutplatz bewacht. Die Jungen schl\u00fcpfen nahezu gleichzeitig; sie werden kurz danach von ihren Eltern durch Zuruf zum Wasser gelockt, wo sie sicherer vor Fressfeinden sind. Sie m\u00fcssen dabei aus ihren hochgelegenen Nestern oft gro\u00dfe Distanzen \u00fcberwinden: So ist aus Tibet ein 25-Meter-Sprung bezeugt, nach dem das Jungtier nach einer kurzen Phase der Besinnungslosigkeit unversehrt zu seinen rufenden Eltern lief. Flugf\u00e4higkeit erreichen sie aber erst nach sechseinhalb bis siebeneinhalb Wochen; nur ein bis drei Jungtiere pro Familie \u00fcberleben gew\u00f6hnlich bis zu diesem Zeitpunkt. Wenig sp\u00e4ter, etwa acht Wochen nach dem Schl\u00fcpfen, hat sich dann schon das typische Erwachsenengefieder herausgebildet. Bei den Eltern setzt ungef\u00e4hr Mitte Juli, bei nicht-nistenden V\u00f6geln zwei Wochen zuvor, die Mauser ein, bei der sie ihre Flugfedern verlieren. Sie werden etwa zur selben Zeit wie ihr Nachwuchs wieder flugf\u00e4hig und k\u00f6nnen dann gemeinsam mit diesem im September in die Winterquartiere abziehen, wo die Jungen noch bis zum n\u00e4chsten Jahr im Verbund mit ihren Eltern bleiben.<\/p>\n<p>Bei der Partnerwahl sind Streifeng\u00e4nse nicht unbedingt w\u00e4hlerisch: Hybride mit der Graugans (<em>Anser anser<\/em>), aber auch der in einer anderen Gattung stehenden Wei\u00dfwangengans (<em>Branta leucopsis<\/em>) sind bekannt; daneben wurden sogar Paarungen mit der Brandgans (<em>Tadorna tadorna<\/em>), der Paradieskasarka (<em>Tadorna variegata<\/em>) und der Halsbandkasarka (<em>Tadorna tadornoides<\/em>) berichtet, die sogar in eine andere Unterfamilie eingeteilt werden.<\/p>\n<h2><span id=\"Gef\u00e4hrdung\" class=\"mw-headline\">Gef\u00e4hrdung<\/span><\/h2>\n<p>Der Artbestand wird heute auf 52.000 bis 60.000 V\u00f6gel (2004) gesch\u00e4tzt, Tendenz fallend. Vor allem durch Abschuss, Eiraub und Verlust des Lebensraumes gelten sie heute sowohl in Indien als auch in Pakistan und China als gef\u00e4hrdet. Die Gesamtpopulation wird allerdings von der IUCN als ungef\u00e4hrdet gesehen.<\/p>\n<h2><span id=\"Streifengans_und_der_Mensch\" class=\"mw-headline\">Streifengans und der Mensch<\/span><\/h2>\n<p>Streifeng\u00e4nse werden haupts\u00e4chlich in ihren \u00dcberwinterungsgebieten verfolgt und sind dort daher sehr scheu; im Brutgebiet sind sie dagegen sehr zutraulich und haben eine geringe Fluchtdistanz. Sie gelten wegen ihrer geringen Aggressivit\u00e4t als ideale Zuchtv\u00f6gel und k\u00f6nnen leicht in Gefangenschaft gehalten werden.<\/p>\n<p>Bereits in alten indischen Epen taucht die Streifengans unter den Sanskrit-Namen <em>Hamsa<\/em> beziehungsweise <em>Hans<\/em> auf \u2013 beide sind etymologisch mit dem deutschen Wort <em>Gans<\/em> und dem lateinischen <em>Anser<\/em> verwandt und gehen wie letztere auf das protoindogermanische Wort <em>ghans<\/em> zur\u00fcck. Sie gilt noch heute als Symbol f\u00fcr den Gott Brahma, den Sch\u00f6pfer des Alls; auf seinem bedeutendsten Tempel aus dem 14. Jahrhundert im indischen Pushkar ist sie \u00fcber dem Eingangstor abgebildet. Daneben ist sie aber auch das Wahrzeichen der Paramahamsa, der weltabgewandten Weisen, weil sie hoch \u00fcber den niedrigen und kleinlichen Beschwernissen des Alltags in vollendeter Sch\u00f6nheit auf das G\u00f6ttliche zufliegt \u2013 ihre j\u00e4hrliche Wanderung \u00fcber den Himalaja gilt als religi\u00f6se Pilgerfahrt. Ihre Silben <em>ha<\/em> (Ausatmen) und <em>sa<\/em> (Einatmen) werden zudem mit der im Hinduismus wichtigen Erfahrung des Atems in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p><strong>foto : Mihai Baciu<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Streifengans (Anser indicus) oder Indische Gans ist eine in Zentral- und S\u00fcdasien einheimische Art der Feldg\u00e4nse (Anser) und geh\u00f6rt zu den Echten G\u00e4nsen (Anserini). 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