{"id":642,"date":"2012-03-11T19:36:54","date_gmt":"2012-03-11T17:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/kampflaufer-philomachus-pugnax\/"},"modified":"2012-03-11T19:36:54","modified_gmt":"2012-03-11T17:36:54","slug":"kampflaufer-philomachus-pugnax","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/kampflaufer-philomachus-pugnax\/","title":{"rendered":"Kampfl\u00e4ufer (Philomachus pugnax)"},"content":{"rendered":"<p>Der Kampfl\u00e4ufer (Philomachus pugnax) ist ein streng gesch\u00fctzter, knapp 30 cm gro\u00dfer Schnepfenvogel der Pal\u00e4arktis, der in der n\u00f6rdlichen Tundra, aber auch in feuchten Niederungswiesen und Mooren in ganz Eurasien br\u00fctet. Kampfl\u00e4ufer sind Zugv\u00f6gel. Brutv\u00f6gel aus Nordwesteuropa \u00fcberwintern zumeist im westafrikanischen Binnenland, z. B. im inneren Nigerdelta in Mali. Auf dem Durchzug in die Brutgebiete kann man Kampfl\u00e4ufer auf feuchten Niederungen oder auch auf Schlammfl\u00e4chen beobachten. Die M\u00e4nnchen der Kampfl\u00e4ufer erreichen eine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 26 bis 32 Zentimeter und wiegen zwischen 130 und 230 Gramm. Die Fl\u00fcgelspannweite betr\u00e4gt 55 bis 60 Zentimeter. Im Brutkleid haben die meisten M\u00e4nnchen einen schwarzen, orangen, kastanienbraunen oder wei\u00dfen Kragen, der ihnen den englischen Namen ruff (Kragen) eingetragen hat. Weibchen sind auffallend kleiner als die meisten M\u00e4nnchen. Sie erreichen eine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 20 bis 25 Zentimeter und wiegen zwischen 70 und 150 Gramm. Ihre Fl\u00fcgelspannweite betr\u00e4gt 47 bis 52 Zentimeter. Sie k\u00f6nnen daher auch im Schlichtkleid durch die Gr\u00f6\u00dfe von den M\u00e4nnchen unterschieden werden. Verbreitung Das Brutareal des Kampfl\u00e4ufers erstreckt sich vom Nordwesten Europas \u00fcber die k\u00fcstennahen Tiefl\u00e4nder Nordmitteleuropas und die feuchte Taiga Osteuropas bis in die Tundren Ostsibiriens, wo sie bis zur Tschuktschenhalbinsel vorkommen. Verbreitungsschwerpunkte sind Russland und Fennoskandinavien. Sie fehlen auf Island und den allen arktischen Inseln Russlands. In den Niederlanden, Deutschland und Polen kommen nur noch Restbest\u00e4nde vor, in Ungarn ist der Kampfl\u00e4ufer nur noch unregelm\u00e4\u00dfig ein Brutvogel. Kampfl\u00e4ufer sind Langstreckenzieher. Ihre wichtigsten Winterquartiere finden sich in Afrika s\u00fcdlich der Sahara und im S\u00fcden Asiens. In kleiner Zahl \u00fcberwintern sie auch in Vorderasien und im Mittelmeergebiet sowie selten im atlantischen Westeuropa. Die Winterbest\u00e4nde in Afrika k\u00f6nnen sehr gro\u00df sein. So wurden im Februar 1972 im Senegal mehr als eine Million Kampfl\u00e4ufer beobachtet und im Gebiet des Tschadsees im M\u00e4rz 1957 mehr als 500.000 Individuen. Lebensraum Der Kampfl\u00e4ufer ist ein Brutvogel feuchter Niederungswiesen, Moore, Seggenwiesen und feuchter Tundra. In Mitteleuropa ist er vor allem k\u00fcstennah verbreitet und kommt dort in mit T\u00fcmpeln und Gr\u00e4ben durchsetzten Wiesen vor, die extensiv genutzt werden. Die Neststandorte sind relativ trocken. Die Nahrungspl\u00e4tze befinden sich entweder am Wasser oder auf feuchtem Untergrund. F\u00fcr die Fortbewegung der K\u00fcken ist generell eine sehr kurze Vegetation notwendig. W\u00e4hrend des Durchzugs halten sie sich auf Schlammfl\u00e4chen, feuchten Wiesen und auf \u00c4ckern auf. Im Winterquartier nutzen sie S\u00fc\u00df- und Brackwasser sowie Reisfelder. Fortpflanzung Bei den Kampfl\u00e4ufer erreichen die Weibchen die Geschlechtsreife bereits im 1. Lebensjahr, sie br\u00fcten aber gew\u00f6hnlich erstmals im zweiten Lebensjahr. Bei den M\u00e4nnchen haben einj\u00e4hrige V\u00f6gel nur sehr geringe Kopulationschancen, da sich die Schmuckfedern erst relativ sp\u00e4t entwickeln. Kampfl\u00e4ufer haben ein sehr kompliziertes Paarungssystem, die englische Bezeichnung ist lekking behaviour, was mit Arena-Balzverhalten \u00fcbersetzt werden kann. Balzarenen von Kampfl\u00e4ufern sind normalerweise kleine, 1&#215;1 m gro\u00dfe Schlammfl\u00e4chen nahe kleinen Gew\u00e4ssern in der N\u00e4he des Brutgebietes. Es gibt jedoch auch Arenen im Zuggebiet. Dieselben Balzarenen werden traditionell jedes Jahr wieder benutzt. M\u00e4nnchen pr\u00e4sentieren sich in ihren Balzarenen den Weibchen, die dann das M\u00e4nnchen w\u00e4hlen, mit dem sie sich paaren wollen. Es gibt drei Arten von m\u00e4nnlichen Paarungsstrategien, wovon zumindest zwei durch einen genetischen Polymorphismus festgelegt sind. Die M\u00e4nnchen, die die verschiedenen Strategien verfolgen, k\u00f6nnen sowohl durch Merkmale des Gefieders, der Gr\u00f6\u00dfe als auch durch das Verhalten voneinander unterschieden werden. Die am h\u00e4ufigsten vorkommende Strategie des \u201eresidenten M\u00e4nnchens\u201c (84 %) hat im Brutkleid einen tief schwarzen oder kastanienbraunen bis orangeroten Kragen. Diese M\u00e4nnchen verteidigen kleine, etwa 1&#215;1 m gro\u00dfe Arenen, wobei sie ein aggressives Verhalten vor allem gegen\u00fcber den M\u00e4nnchen zeigen die einen dunklen Kragen tragen. Hier balzen sie aktiv um Weibchen, die zur Paarungszeit zu diesen Arenen kommen, um M\u00e4nnchen auszuw\u00e4hlen. Satelliten-M\u00e4nnchen sind weniger h\u00e4ufig (16%). Sie sind marginal kleiner als residente M\u00e4nnchen und haben einen wei\u00dfen oder zumindest sehr hellen Kragen. Sie verteidigen keine eigenen Arenen, stattdessen halten sie sich in der N\u00e4he von residenten M\u00e4nnchen am Rande von deren Arenen auf. Auf diese Weise k\u00f6nnen sie ab und zu Paarungen ergattern. Die Satelliten werden von den Residenten geduldet, weil bei Anwesenheit eines Satelliten sich die Weibchen auch h\u00e4ufiger mit Residenten paaren. Beobachtet wurde sogar ein spezifisches Anwerbeverhalten der M\u00e4nnchen mit einem dunklen Kragen. Verteidigt ein dunkelkragiger Vogel seine Arena alleine und ein hellkragiges M\u00e4nnchen taucht am Rand der Arena auf, dann knickt der dunkelkragige Vogel seine Beine in den Kniegelenken ein und weist mit dem Schnabel senkrecht zum Erdboden. Dies wird als Aufforderung verstanden, sich dem dunkelkragigen Vogel in der Arena anzuschlie\u00dfen. Aus welchem Grund Weibchen Arenen, die von zwei solchen M\u00e4nnchen besetzt sind, attraktiver findet, ist bislang nicht gekl\u00e4rt. Diese beiden Fortpflanzungsstrategien werden autosomal vererbt. Eine dritte Strategie wurde von einem aufmerksamen friesischen Vogelberinger entdeckt: Ihm fiel auf, dass die Fl\u00fcgell\u00e4ngen eine dreigipfelige Verteilung hatten, und nicht, wie bei sexuellem Gr\u00f6\u00dfendimorphismus, eine zweigipfelige. Die V\u00f6gel der mittleren Klasse, die sehr selten vorkamen (&lt;1 %), sahen aus wie Weibchen. Sowohl durch Sektionen von toten Tieren als auch durch DNA-Tests wurde festgestellt, dass es sich bei diesen V\u00f6geln ebenfalls um M\u00e4nnchen handelt. Diese M\u00e4nnchen, Faeder genannt, mausern nicht ins Brutkleid, sondern behalten ihr schlichtes Federkleid auch zur Paarungszeit. Es wird vermutet, dass Faeder sich Paarungen erschleichen, indem sie vorgeben, weiblich zu sein, und so den Aggressionen der Residenten aus dem Weg gehen k\u00f6nnen. Man wei\u00df nicht, ob diese Strategie erblich ist, es steht jedoch fest, dass solche V\u00f6gel ein Leben lang ein Faeder bleiben. Die Bezeichnung Faeder stammt aus dem Friesischen und bedeutet Urahn. Das Paarungsverhalten der Kampfl\u00e4ufer ist nicht ausschlie\u00dflich auf Arenen begrenzt. M\u00e4nnchen werben auch au\u00dferhalb der Arenen um die Weibchen, die dann allerdings meistens mit Nahrungsaufnahme besch\u00e4ftigt sind. Innerhalb einer Arena paaren sich die M\u00e4nnchen deswegen etwa f\u00fcnf Mal h\u00e4ufiger als au\u00dferhalb von Arenen. Aufzucht der Jungv\u00f6gel Von der Wahl des Nestanortes bis zum Fl\u00fcggewerden der Jungv\u00f6gel ist die Brutpflege ausschlie\u00dflich Sache der Weibchen. Das Nest ist meist gut in der Vegetation versteckt und die Vegetation kann \u00fcber dem Nest haubenartig zusammengezogen sein. Es findet sich meist auf Wiesen am Rand von \u00dcberschwemmungszonen oder nassen Stellen. Der Legebeginn ist ab Mai bis Anfang Juni, in Fennoskandinavien legen Kampfl\u00e4ufer ihre Eier erst ab Ende Mai. Das Gelege umfasst gew\u00f6hnlich vier Eier. Diese sind kreiself\u00f6rmig und haben eine graue bis olivgr\u00fcne Grundfarbe. Sie sind aschgrau und dunkelbrau gefleckt, wobei die Fleckung am stumpfen Pol besonders dicht ist. Das Legeintervall betr\u00e4gt 24 bis 36 Stunden, die Weibchen beginnen erst nach der Ablage des letzten Eis zu br\u00fcten. Die Brutdauer betr\u00e4gt 20 bis 23 Tage. W\u00e4hrend der ersten sieben bis zw\u00f6lf Lebenstagen hudert das Weibchen die Jungen. Gef\u00fcttert werden sie nur eine kurze Zeit nach dem Schlupf. Die Jungv\u00f6gel picken bereits nach wenigen Tagen selbst\u00e4ndig nach Nahrung. Sie werden mit 25 bis 28 Tagen fl\u00fcgge. Der Kampfl\u00e4ufer war in Mitteleuropa noch bis ins 19. Jahrhundert weit verbreitet. Entw\u00e4sserungsma\u00dfnahmen und eine ver\u00e4nderte Landwirtschaft f\u00fchrte zu Lebensraumverlusten, die zur Folge hatten, dass es seit 150 Jahren sowohl in Mitteleuropas als auch in anderen Regionen Europas eine anhaltende und dramatische Bestandseinbu\u00dfe und aufgabe von Brutarealen gibt. Die Aufgabe von Brutarealen begann in den peripheren, mittelgebirgsnahen Brutgebieten. In Baden-W\u00fcrttemberg, Hessen und in Sachsenanhalt gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine Brutbest\u00e4nde mehr. In Bayern, Ungarn und \u00d6sterreich erloschen die Populationen zwischen den 1930er und 1950er Jahren. Im Norden Mitteleuropas hielten sich kleine Binnenlandvorkommen noch bis in die 1940er und 1950er Jahre, zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es gr\u00f6\u00dfere Binnenlandvorkommen nur noch in den Niederlanden und Polen. Der Bestand in Belgien erlosch 1977, in der deutschen Elbniederung 1988. Seit 1999 gibt es auch keine Brutnachweise f\u00fcr die Elbmarschen mehr.Auch an der Nordseek\u00fcste gab es dramatische R\u00fcckg\u00e4nge. So gab es in den Niederlanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch etwa 10.000 Kampfl\u00e4uferweibchen, in den 1950er Jahren noch 6.000 und gegen Ende des 20. Jahrhunderts nur noch 100 bis 140. Gebietsweise sind Kampfl\u00e4ufer heute vollst\u00e4ndig auf Schutzgebiete beschr\u00e4nkt. Hauptursache f\u00fcr die dramatischen Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge ist eine Lebensraumzerst\u00f6rung durch Melioration, Gr\u00fcnlandumbruch, Eindeichung, Entw\u00e4sserung und Grundwasserabsenkung sowie eine Aufforstung von Mooren, Torfabbau und eine Aufgabe der Beweidung. Zahlreiche Gelege und Jungv\u00f6gel gehen durch eine fr\u00fche Mahd und Ernte zur\u00fcck. Vereinzelte Bruten kommen noch in Deutschland (2005: 20\u201340 Brutpaare) und den Niederlanden vor, die urspr\u00fcngliche Brutpopulation in dieser Gegend gilt jedoch als ausgestorben. Zu den Schutzma\u00dfnahmen z\u00e4hlten ein intensiver Schutz oder eine Neuanlage von extensiv genutztem Feuchtgr\u00fcnland, Flussniederungen und feuchten Moorwiesen sowie der Schutz und Erhalt von Salzgrasland und Salzweiden. Bestandsprognosen Der Kampfl\u00e4ufer gilt als eine der Arten, bei der sich die Klimaerw\u00e4rmung besonders deutlich auswirken wird. Ein Forschungsteam, das im Auftrag der britischen Umweltbeh\u00f6rde und der RSPB die zuk\u00fcnftige Verbreitungsentwicklung von europ\u00e4ischen Brutv\u00f6geln auf Basis von Klimamodellen untersuchte, geht davon aus, dass 58 Prozent des heutigen Verbreitungsgebietes dieser Art bis zum Ende des 21. Jahrhunderts keinen geeigneten Lebensraum mehr bieten werden. In Folge der Klimaerw\u00e4rmung ist der Kampfl\u00e4ufer m\u00f6glicherweise in der Lage, Novaya Zemlya und Teile von Svalbard zu besiedeln. Die Arealgewinne k\u00f6nnen die Arealverlust weiter im S\u00fcden und Westen nicht ausgleichen. Das potentielle zuk\u00fcnftige Verbreitungsgebiet wird nach diesen Prognosen nur noch zu 48 Prozent der Gr\u00f6\u00dfe des heutigen Verbreitungsareals entsprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kampfl\u00e4ufer (Philomachus pugnax) ist ein streng gesch\u00fctzter, knapp 30 cm gro\u00dfer Schnepfenvogel der Pal\u00e4arktis, der in der n\u00f6rdlichen Tundra, aber auch in feuchten Niederungswiesen und Mooren in ganz Eurasien br\u00fctet. Kampfl\u00e4ufer sind Zugv\u00f6gel. Brutv\u00f6gel aus Nordwesteuropa \u00fcberwintern zumeist im westafrikanischen Binnenland, z. B. im inneren Nigerdelta in Mali. 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