{"id":6149,"date":"2019-10-28T17:20:50","date_gmt":"2019-10-28T15:20:50","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/girlitz-serinus-serinus\/"},"modified":"2019-10-28T17:28:18","modified_gmt":"2019-10-28T15:28:18","slug":"girlitz-serinus-serinus","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/girlitz-serinus-serinus\/","title":{"rendered":"Girlitz &#8211; Serinus serinus"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>Girlitz<\/strong> (<em>Serinus serinus<\/em>) ist die kleinste europ\u00e4ische Art aus der Familie der Finken (Fringillidae) und ist nahe mit dem Kanarengirlitz verwandt. Sein etwas hektisch wirkender und klirrender Ruf \u201ezr-r-rilitt\u201c hat dem Vogel den Namen gegeben. Die leicht stereotypen und mehrfach hintereinander wiederkehrenden, zyklischen Gesangsstrophen des Girlitzes sind unter den Stieglitzartigen (Carduelinae) ungew\u00f6hnlich. Der Girlitz besiedelt Nordafrika, Kontinentaleuropa und Kleinasien. Seine Nahrung setzt sich haupts\u00e4chlich aus Knospen und Samen zusammen. Die Art gilt derzeit als nicht gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<h2>Beschreibung<\/h2>\n<p>Der Girlitz ist wie alle Vertreter der Gattung von rundlicher Gestalt mit kurzem Hals. Kennzeichnend sind ein stumpfer Kegelschnabel und ein leuchtend gelber B\u00fcrzel. Der Schwanz ist etwas l\u00e4nger und weniger tief gegabelt als bei Zeisigen. Die mittleren Steuerfedern sind einheitlich dunkel, die F\u00fc\u00dfe r\u00f6tlich bis dunkelbraun, die Iris der Augen braun. Girlitze weisen eine K\u00f6rperl\u00e4nge von gut 11 Zentimetern und eine Fl\u00fcgelspannweite von gut 20 Zentimetern auf. Das K\u00f6rpergewicht liegt bei 11\u201313 Gramm.<\/p>\n<p>Der Girlitz weist einen Geschlechtsdimorphismus auf. Das M\u00e4nnchen tr\u00e4gt ein gelbes, mehr oder weniger intensiv gestreiftes Gefieder. Die Stirn, die Kehle und die Brustmitte sind ungestreift gelb, direkt nach der Jugendmauser im Herbst jedoch durch dunklere Feders\u00e4ume verdeckt. Am Scheitel finden sich undeutliche schw\u00e4rzliche Schaftstreifen und gelblichgr\u00fcne S\u00e4ume. An den Ohrdecken kann er durch ein schmales, gelbes Nackenseitenband begrenzt sein. Der grob schwarz l\u00e4ngsgestreifte R\u00fccken weist an den seitlichen Federr\u00e4ndern meist eine gelbliche F\u00e4rbung auf.<\/p>\n<p>Der lebhaft gelbe B\u00fcrzel zeigt auf den vorderen Federn einzelne schmale, scharf abgesetzte Schaftstriche und eine zwischen die graue Federbasis und den gelben Spitzenabschnitt eingeschaltete wei\u00dfe Querbinde. Der zu einem Drittel graue Schwanz weist im Rest eine gelblichgr\u00fcne mit braunem Schaftbereich und grauem Spitzensaum versehene F\u00e4rbung auf. Die gelben Brustseiten sind nach hinten zunehmend blasser gef\u00e4rbt; die gelblichwei\u00dfen Flanken sind durch schw\u00e4rzliche Schaftstriche gekennzeichnet. Der Bauch ist wei\u00dflich. Die fahlen Unterschwanzdecken sind gr\u00fcnlichgelb oder wei\u00dflich mit gr\u00fcnlichgelbem Anflug.<\/p>\n<p>Die braunen Steuerfedern weisen einen schmalen gelbgr\u00fcnen Au\u00dfen- und hellbeigen Innenfahnen- und Spitzensaum auf, die Schwung- und Deckfedern sind an der Fl\u00fcgeloberseite braun. W\u00e4hrend die Handschwingen einen schmalen gr\u00fcnen, teilweise beigen Au\u00dfenfahnensaum aufweisen, zeigen die Armschwingen einen gr\u00fcnlichbeigen Au\u00dfenfahnen- und Spitzensaum. Die Handdecken und alle gro\u00dfen Armdecken sind (gelb)gr\u00fcnlichbeige gef\u00e4rbt; die Innenfahne an der Spitze ist (gelb)gr\u00fcnlichbeige. Die mittleren Arm- und Randdecken weisen ein intensiveres Gelbgr\u00fcn auf. Die Schwungfedern sind unterseits graubraun gef\u00e4rbt; die gro\u00dfen Unterfl\u00fcgeldecken sind hell graubeige. Die restlichen Deckfedern k\u00f6nnen einen starken gr\u00fcnlichgelben Anflug zeigen.<\/p>\n<p>Das Weibchen hat ein gelbes Gefieder, das blasser als beim M\u00e4nnchen ist. Abgesehen vom meist ungezeichneten intensiv hellgelben B\u00fcrzel ist das Gefieder \u00fcberall schwarzbraun l\u00e4ngsgestreift. Kr\u00e4ftige Streifen finden sich an Brust und R\u00fccken. Durch gelbliche Feders\u00e4ume wird ein Nackenband angedeutet; Scheitel und R\u00fccken sind sonst hellbr\u00e4unlich bis beige. Selten weist es einen ausgepr\u00e4gten Gr\u00fcnton auf. Im Fl\u00fcgel zeigen die beim M\u00e4nnchen gr\u00fcnlichen S\u00e4ume einen beigeren Ton mit gr\u00fcnlichem Anflug.<\/p>\n<p>Jungv\u00f6gel sind bis zur Jugendmauser im Herbst zimtbraun bis rotbr\u00e4unlich mit dunklen L\u00e4ngsstreifen gef\u00e4rbt und haben keinen gelben B\u00fcrzel. Die zimtbraunen Oberkopf-, Hals-, R\u00fccken- und Schulterfedern weisen breite braunschwarze Schaftstreifen auf; Nacken und Wangen sind \u00e4hnlich hell und gelblich wie die Unterseite. Der zimtbraune oder gelbe Hinterr\u00fccken ist durch braunschwarze Schaftstreifen gekennzeichnet. Der Schwanz ist graubraun gef\u00e4rbt und mit einem breiten zimtbraunen Saum versehen. Kinn, Kehle und Vorderbrust sind hell zimtbraun gef\u00e4rbt, an der Vorderbrust gelbwei\u00df bis gelblichbeige.<\/p>\n<p>Auffallend ist der markante schwarze Schaftstreif. W\u00e4hrend der Bauch gelblichrahmfarben gehalten ist, zeigen die hell zimtbraunen Flankenfedern einen markant abgesetzten, dunkel braungrauen Schaftstreif. Die beigen Unterschwanzdecken sind durch einen spitz auslaufenden, dunkel braungrauen Schaftstreif gekennzeichnet. Die Steuerfedern sind braun gef\u00e4rbt und sind durch einen schmalen gr\u00fcnlichgelben Au\u00dfenfahnensaum und beigen Spitzen- und Innenfahnensaum gekennzeichnet. W\u00e4hrend die dunkelbraunen Handschwingen einen schmalen gr\u00fcnlichgelben Au\u00dfenfahnen- und zimtbraunen Spitzensaum aufweisen, sind die Armschwingen in der H\u00e4lfte mit rostbraunem Au\u00dfenfahnen- und Spitzensaum mit gr\u00fcnlichgelbem Anflug versehen.<\/p>\n<p>Die dunkelbraunen Handdecken weisen einen gr\u00fcnlichzimtbraunen Au\u00dfenfahnensaum auf. Die gro\u00dfen und mittleren Armdecken sind dunkelbraun gef\u00e4rbt und zeigen einen markant abgesetzten rostigzimtbraunen Au\u00dfenfahnen- und Spitzensaum. Die Deckfedern der Fl\u00fcgelunterseite sind br\u00e4unlichgrau. Der Schnabel ist horngrau oder hornbraun; die Schnabelw\u00fclste rahmgelb.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Jugendmauser in Mitteleuropa eine Teilmauser darstellt, ist sie auf der Iberischen Halbinsel umfassender, jedoch keine Vollmauser. In der Schweiz geht die Jugendmauser von Mitte Juli bis \u00fcber Ende Oktober hinaus.<\/p>\n<p>Der Flug des Girlitzes ist auffallend wellenf\u00f6rmig und entspricht dem typischen Flugbild der Finken.<\/p>\n<p>Der Name \u201eGirlitz\u201c leitet vom zwei- bis dreisilbigen Stimmf\u00fchlungsruf des Vogels ab, der aus hohen lauten Trillern besteht. Er klingt wie \u201etirrilillit\u201c oder \u201ezirrirrilit\u201c. Der Kontaktaufnahme oder dem Locken dienen Kl\u00e4nge wie \u201etschizick\u201c, \u201etschit-tschittschit\u201c. Um Artgenossen zu warnen, gibt der Girlitz ein einzeln oder mehrmals wiederholtes, etwas gequetschtes \u201en\u00e4tsch\u201c oder nasales \u201ew\u00e4ji\u201c von sich. Diese Rufe werden gegebenenfalls zwischen Gesangsstrophen eingeschoben.<\/p>\n<p>Der Bettelruf der fl\u00fcggen Jungv\u00f6gel setzt sich aus einem zweisilbigen hohen \u201eprrrp\u201c oder \u201ezii\u201c, \u201eziiz\u201c und \u201eziz\u201c (einzeln oder gereiht) zusammen. Bei Erregung klingt er eher wie \u201eziiz-ziiz, ziz-ziz-zii\u201c.<\/p>\n<p>Der klirrend-sirrende Vollgesang setzt sich aus einer dichten und sehr schnellen Folge kurzer, hoher Laute zusammen, die diesem Vogel die Bezeichnungen \u201eGlasschneider\u201c und \u201eHirngrill\u201c eingetragen haben. Die Tonh\u00f6he liegt haupts\u00e4chlich zwischen f\u00fcnf und neun Kilohertz. Das Gesangsrepertoire umfasst \u00fcber 50 komplexe Silben, die in einem sehr schnellen Tempo und einer sehr stereotypen Reihenfolge eigene Lieder bilden. Starke Variationen finden sich im \u00dcbergang von einer Tour (zusammenh\u00e4ngenden Abfolge von Silben, also (Teil-)Strophe) in eine andere (Modulation). Das Gesangsrepertoire ist unter den Stieglitzartigen (Carduelinae) einzigartig. Zudem umfasst es eine variable Menge an Silben, die auch im Gesang anderer V\u00f6geln verwendet werden. Es konnte bewiesen werden, dass die Komposition des Repertoires geographisch variiert.<\/p>\n<p>Der Gesang ist in Zyklen strukturiert (Periodizit\u00e4t), die keine feste zeitliche Struktur aufweisen und jederzeit abrupt gestoppt werden k\u00f6nnen. In einem wiederkehrenden Intervall k\u00f6nnen an einer begrenzten Anzahl von Stellen neue Elemente integriert werden. Die Strukturierung in Phrasen (Phrase: selbst\u00e4ndiger Abschluss eines Musikst\u00fccks) ist jedoch wenig ausgepr\u00e4gt. In den Strophen finden sich sowohl Triller-Touren, die sich aus kurzen Trillern oder schwirrenden \u201erirr\u201c-, \u201esirr\u201c-, \u201esis\u201c-, \u201esii\u201c-Kl\u00e4ngen und \u201ezirr\u201c-, \u201elirr-\u201c, \u201elil\u201c- und \u201elit\u201c-Lauten zusammensetzen, als auch schnelle, wiederholungsfreie Touren mit steilflankigen Elementen (dichte, sehr schnelle Silbenabfolge kurzer, hoher Laute).<\/p>\n<p>Letztere stellen im Sonagramm den wichtigsten Teil des Liedes dar. Beide Gesangselemente weisen Unterschiede in Bezug auf den durchschnittlichen Gebrauch von interelementaren Intervallen (\u00dcbergang von einer Tour in eine andere) auf. Zudem differenzieren sie wahrscheinlich auch in Bezug auf die Atembewegungen. Die Strophendauer schwankt in der Regel erheblich. Dabei verwendet der Girlitz oft kurze Strophen, insbesondere zu Beginn des Gesangs. W\u00e4hrend beim Balz- und Reviergesang zwischen die Strophen manchmal eine klangvollere perlende Tour eingeschoben wird, dominieren insbesondere den Kontergesang fast direkt hintereinander gesetzte Strophen, die in der Regel durch ein \u201ezirrirrilit\u201c voneinander abgetrennt werden.<\/p>\n<p>Der Girlitz tr\u00e4gt die Strophen mit offenem Schnabel und leicht angehobenem Schwanz entweder von einer Singwarte aus oder im Singflug vor. W\u00e4hrend des Singflugs bebt er am ganzen K\u00f6rper und wendet den Kopf immer wieder von einer Seite zur anderen. Oft singt er im Flug von einer Warte zur anderen weiter, h\u00e4ufig macht er auch im Ausdrucksflug langsame und weit ausholende Fl\u00fcgelschl\u00e4ge und wirft sich nach rechts und links.<\/p>\n<p>In der Regel beginnt der Reviergesang in Mitteleuropa im Februar, besonders aber in der zweiten M\u00e4rzh\u00e4lfte. Von Anfang Juli bis Anfang August verringert sich die Zahl der singenden V\u00f6gel zunehmend, auch wenn einzelne Exemplare bis Ende Juli den Vollgesang vortragen und Singfl\u00fcge zeigen. Von Ende August bis in den Januar hinein l\u00e4sst der Girlitz vereinzelt den rauen, kratzigen Herbst- und Wintergesang h\u00f6ren, der dem Jugendgesang entspricht. Sowohl im Winterquartier als auch im April im Brutgebiet steigert er sich bisweilen zum Chorgesang. Auf der Rast w\u00e4hrend des Heimzuges ert\u00f6nt auch h\u00e4ufig Gesang.<\/p>\n<h2>Verbreitung<\/h2>\n<p>Der Girlitz ist in Nordafrika und Kontinentaleuropa sowie in Kleinasien verbreitet. Das urspr\u00fcngliche Verbreitungsgebiet liegt im Mittelmeerraum und reicht von Nordafrika bis nach S\u00fcdeuropa. Im 19. und 20. Jahrhundert begann der Girlitz sein Verbreitungsgebiet nach Mittel- und Westeuropa zu erweitern und den Nahen Osten zu besiedeln. Auch im Baltikum ist der Girlitz zu finden. Im Osten ist er in Wei\u00dfrussland, der Ukraine und bis an die K\u00fcste des Schwarzen Meeres verbreitet. Im S\u00fcden besiedelt er die Balearen, die Kanarischen Inseln, die Inseln der \u00c4g\u00e4is, Zypern, aber auch den Norden Marokkos, Tunesiens und Algeriens sowie \u00c4gyptens.<\/p>\n<h3>Wanderungen<\/h3>\n<p>Girlitze sind in S\u00fcdeuropa und Nordafrika Standv\u00f6gel. In Mitteleuropa und in Kleinasien sind sie Teilzieher und in Teilen D\u00e4nemarks und S\u00fcdschwedens Zugv\u00f6gel. Die von November bis Februar genutzten Winterquartiere liegen in West- und S\u00fcdeuropa, in Nordafrika sowie im Nahen Osten.<\/p>\n<h3>Arealausweitung<\/h3>\n<p>Der Girlitz weitete sein Verbreitungsgebiet vor allem im 20. Jahrhundert wesentlich nach Norden und Nordosten aus. Die Ausbreitung, insbesondere in Gro\u00dfbritannien, wird jedoch widerspr\u00fcchlich beschrieben. W\u00e4hrend die Schweden davon ausgehen, dass der Girlitz in den 1940er bis 1950er Jahren von s\u00fcdlichen Gebieten der Ostsee- und der Kanalk\u00fcste Teile D\u00e4nemarks und S\u00fcdschweden erreichte, legen die Britenden Beginn der Expansion Gro\u00dfbritanniens und S\u00fcdskandinaviens in die 1970er Jahre.<\/p>\n<p>Nach Brown wurde bereits 1852 der erste Girlitz in Gro\u00dfbritannien gesichtet, jedoch erst im Jahre 1967 in Dorset das erste Brutpaar beobachtet. Seitdem erscheinen einer Quelle zufolge j\u00e4hrlich etwa 60 V\u00f6gel, meist im Fr\u00fchjahr, und weniger Exemplare im Herbst. Einer anderen Quelle zufolge wurden bisher nur zwei nachgewiesene Brutpaare festgestellt, obwohl mehrere auf den Britischen Inseln vermutet werden. Dem widerspricht eine weitere Quelle,nach der auf Jersey 20 Paare gez\u00e4hlt und in Devon einige Paare gesichtet wurden. Die erwartete Kolonisation fand bisher jedoch nicht statt. In den letzten Jahren wurden lediglich einige singende M\u00e4nnchen, aber kein weiterer Beweis f\u00fcr das Br\u00fcten gefunden. Schlie\u00dflich ermittelt eine Quellef\u00fcr den Zeitraum von 1958 bis 2003 genau 368 V\u00f6gel in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<h2>Lebensraum<\/h2>\n<p>Der Lebensraum in Mitteleuropa reicht von der Meeresk\u00fcste bis in 2000 m H\u00f6he. Die bevorzugten Habitate des Girlitzes sind offene Landschaften in flachen Regionen oder Hanglagen. Dort bieten B\u00e4ume und B\u00fcsche, die von Krautfl\u00e4chen umgeben sind, Versteckm\u00f6glichkeiten, hohe Singwarten und eine ausreichende Nahrungsgrundlage. Er besiedelt aber auch Moore, Berglandschaften, B\u00fcsche und Dickichte an Fl\u00fcssen und B\u00e4chen, die Randlagen verschiedenster Waldgesellschaften und das Innere lichter W\u00e4lder.<\/p>\n<p>Der Girlitz besiedelt in Mitteleuropa als Kulturfolger kleinr\u00e4umig und abwechslungsreich bewirtschaftete Siedlungsr\u00e4ume. Er weist die gr\u00f6\u00dften Siedlungsdichten in Gro\u00dfstadtvororten und mehr l\u00e4ndlichen Siedlungen mit G\u00e4rten, Alleen, Parks, Friedh\u00f6fen, Baumschulen, Olivenhainen, traditionellen Weinbaugebieten und Obstg\u00e4rten auf, solange diese nicht \u00fcberwiegend aus Niedrigstammkulturen bestehen. Auch Eisenbahnanlagen und Industriegel\u00e4nde mit Lagerfl\u00e4chen k\u00f6nnen als Bruthabitate dienen.<\/p>\n<p>Seltener ist die Art in D\u00f6rfern mit rein l\u00e4ndlichem Charakter oder in der N\u00e4he von Einzelh\u00f6fen zu finden. Randferne Waldzonen werden in der Regel ebenso gemieden wie Gro\u00dfstadtzentren und geschlossene Waldgebiete. \u00dcberwinterer besiedeln \u00fcberwiegend Ruderalfluren mit Beifu\u00df und anderen samentragenden Stauden und Kr\u00e4utern. Sie sind aber auch auf Schutt-, Bau- und Tr\u00fcmmerpl\u00e4tzen sowie an Kl\u00e4ranlagen und Bahnd\u00e4mmen zu finden, wenn B\u00e4ume in der N\u00e4he sind.<\/p>\n<p>In Spanien ist der Girlitz bis in 2500 m H\u00f6he und den Pyren\u00e4en bis in 2080 m H\u00f6he verbreitet. Er bevorzugt dort W\u00e4lder und baumreiche Landschaften. Er besiedelt dort vor allem Auen- und Steineichenw\u00e4lder, aber auch Eschenbest\u00e4nde und Orangenhaine. Bis zur oberen Baumgrenze dienen ihm W\u00e4lder als Habitate. Auf dem Balkan ist der Girlitz nur im (Pirin-)Gebirge bis 2500 m H\u00f6he zu finden. Im S\u00fcden der Halbinsel und in Kleinasien besiedelt er ausschlie\u00dflich Gebirgsnadelw\u00e4lder. In Griechenland sind dies haupts\u00e4chlich Tannenw\u00e4lder, in Anatolien auch W\u00e4lder der Kalabrischen Kiefer und der Libanon-Zeder. Au\u00dferhalb der Brutzeit zieht der Girlitz vor allem Krautfl\u00e4chen und Ruderalfluren vor.<\/p>\n<p>Im Hohen Atlas stellen auch die h\u00f6her gelegenen Weidegebiete und Ginster- und Wacholder-Heiden geeignete Lebensr\u00e4ume dar.<\/p>\n<p>Der Girlitz sucht seine Nahrung normalerweise ganzj\u00e4hrig auf dem Boden und manchmal auf Stauden oder in Birken. Er ern\u00e4hrt sich haupts\u00e4chlich von Knospen und Samen, vor allem im Sommer auch von kleinen Insekten. Der Girlitz frisst bevorzugt Wiesen-L\u00f6wenzahn, Vogelmiere, Vogel-Kn\u00f6terich und Hirtent\u00e4schelkraut. Seine Nahrung besteht ferner aus folgenden Wildkr\u00e4utern: Beifu\u00df, Echtes M\u00e4des\u00fc\u00df, Wiesen-Sauerampfer, Acker-G\u00e4nsedistel, Wei\u00dfer G\u00e4nsefu\u00df und Gew\u00f6hnliches Kn\u00e4uelgras. Er frisst auch Birken-, Erlen-, Ulmen- sowie Sonnenblumensamen. Au\u00dferdem ern\u00e4hrt er sich von Bl\u00fcten, Bl\u00e4ttern und Blattl\u00e4usen.<\/p>\n<h2>Fortpflanzung<\/h2>\n<p>Der Girlitz f\u00fchrt eine monogame Brutehe. Die Brutzeit dauert in Mitteleuropa von Mitte M\u00e4rz bis Mitte Mai. Es gibt Hinweise darauf, dass \u00dcberwinterer ihre Reviere fr\u00fcher beziehen als Heimzieher.<\/p>\n<h3>Balz und Paarung<\/h3>\n<p>Das M\u00e4nnchen leitet die Balz ein. Dazu sitzt es meist in einer zwei bis vier Meter hohen Astgabel in einem Busch oder Baum. Dabei verst\u00e4rkt es den Gesang und l\u00e4sst die Fl\u00fcgel h\u00e4ngen, w\u00e4hrend es sich um die eigene Achse dreht. Sobald es mit seinem Gesang ein Weibchen angelockt hat, str\u00e4ubt es die Kehlfedern, l\u00e4sst die Fl\u00fcgel h\u00e4ngen und breitet die Schwanzfedern aus, wobei es fortw\u00e4hrend seinen K\u00f6rper nach links und rechts dreht.<\/p>\n<p>Dann erhebt es sich unerwartet und fliegt singend in die H\u00f6he. Dabei flattert es mit langsam schlagenden Fl\u00fcgeln in gr\u00f6\u00dferen Kreisen um seinen Standbaum oder von einer Singwarte zur n\u00e4chsten. Ist es dort gelandet, wird das Balzritual fortgesetzt, das das Weibchen zum Nestbau anregen soll. W\u00e4hrend des Werbens l\u00e4sst das Weibchen h\u00e4ufig seinen trillernden Lockruf h\u00f6ren und schl\u00e4gt mit den Fl\u00fcgeln. Es ist st\u00e4ndig in Bewegung und fordert meistens zur Paarung auf.<\/p>\n<p>Nachdem das Weibchen in Begleitung des M\u00e4nnchens m\u00f6gliche Nistpl\u00e4tze gepr\u00fcft hat, beginnt es den Nestbau. Dabei bevorzugt der Girlitz gut versteckte Orte in Verbindung mit einem guten Ausblick. In Mittelgebirgen ist auch der Schutz gegen die Hauptwindrichtung von Bedeutung. Oft w\u00e4hlt der Girlitz einen Nistplatz in Nadelb\u00e4umen oder dichten B\u00e4umen und B\u00fcschen aus. Aber auch Halt und Deckung versprechende \u00c4ste und Astgabeln von Laubb\u00e4umen werden genutzt. In Mittel- und Westeuropa nisten die meisten Girlitze in Lebensb\u00e4umen (<em>Thuja<\/em> spp.), weniger Exemplare in Buchsb\u00e4umen (<em>Buxus<\/em>), im Wacholder (<em>Juniperus<\/em>) oder in Ahornen (<em>Acer<\/em> spp.).<\/p>\n<p>Das kleine napff\u00f6rmige Nest wird vom Weibchen aus feinen Reisern, kleinen Wurzeln, d\u00fcrren Halmen, Blattrippen, Bl\u00fctenrispen von Gr\u00e4sern, Bl\u00fctenk\u00f6pfchen von Kr\u00e4utern, gr\u00fcnem Moos, Pflanzenfasern, Samenhaaren, Tier- und\/oder Pflanzenwolle gebaut. Es werden weiterhin Spinnweben, Wollf\u00e4den, Schn\u00fcre, Papierschnipsel und Stoffreste genutzt. Die Nestmulde wird mit feinen Wurzeln und\/oder Halmen und Grannenhaaren, Fasern, Wollhaaren, Federn, Watte, Wollf\u00e4den gepolstert. Je nach Angebot k\u00f6nnen die Materialien variieren. Der Nestbau beginnt in der Regel Mitte April und dauert etwa drei bis sechs Tage. W\u00e4hrend der Brutzeit bewacht das M\u00e4nnchen das Weibchen und den Brutbaum oder -busch gegen Artgenossen.<\/p>\n<p>Sobald das Weibchen das Nest fertig gestellt hat, legt es das erste Ei und etwa jeden Tag ein neues. Girlitze br\u00fcten erst, wenn das Gelege mit drei bis f\u00fcnf Eiern vollst\u00e4ndig ist. Die Eier haben eine gr\u00fcnliche oder bl\u00e4uliche Grundfarbe und sind braunrot und hellviolett gefleckt. Ihre Gr\u00f6\u00dfe liegt zwischen 14,4 \u00d7 11,0 mm\u00b2 und 17,6 \u00d7 12,5 mm\u00b2. Die Weibchen sind in Europa von April bis August, in Afrika von Februar bis Mai in Brutstimmung. Dementsprechend br\u00fcten sie ein bis zweimal im Jahr.<\/p>\n<p>Charakteristisch ist ein enger Paarzusammenhalt. Das Weibchen br\u00fctet allein und wird nicht vom M\u00e4nnchen abgel\u00f6st. Es verl\u00e4sst das Nest kurz am Morgen und am Abend, um Kot abzusetzen und zu trinken. Die restliche Zeit versorgt das M\u00e4nnchen das Weibchen mit Nahrung aus dem Kropf. Die Weibchen sitzen normalerweise sehr fest und ausdauernd auf den Eiern. Die Brutzeit dauert etwa zw\u00f6lf bis vierzehn Tage.<\/p>\n<p>Der Bruterfolg in Mitteleuropa liegt ohne Ber\u00fccksichtigung der Totalverluste bei etwa 70,5 Prozent. Dabei liegt der Anteil der geschl\u00fcpften Jungv\u00f6gel bei 90,3 Prozent. Im Vergleich dazu sind in Polen nur 42,2 Prozent der Bruten erfolgreich.<\/p>\n<p>Die hohe Erfolgsrate der Bruten kann durch die geringe Gr\u00f6\u00dfe des Nestes, das allein schon guten Sichtschutz gew\u00e4hrt, erkl\u00e4rt werden. H\u00e4ufige Verlustursachen stellen die Predation durch Rabenv\u00f6gel und Katzen, Ameisenbefall sowie starke Winde dar. Dauerregen kann zum Tod nicht mehr gehuderter, \u00e4lterer Nestlinge f\u00fchren. Der Anteil der Predation nimmt im Laufe der Brutperiode zu, dennoch ist der geringe Bruterfolg gegen Ende der Saison vor allem auf hitze- und trockenheitsbedingte Verluste zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigsten Nestr\u00e4uber stellen die Hausratte (<em>Rattus rattus<\/em>), Rabenv\u00f6gel und die Eidechsennatter (<em>Malpolen monspessulanus<\/em>) dar. Im Vergleich zu Mitteleuropa zeigt sich in den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Orangenhainen im Laufe der Brutsaison eine st\u00e4rkere Abnahme der Gelegegr\u00f6\u00dfe. Im Sommer verschlechtern sich die Umweltbedingungen derart, dass sich nur bisher erfolglos br\u00fctende Paare an weiteren Brutversuchen beteiligen.<\/p>\n<h3>Entwicklung der Jungen<\/h3>\n<p>Das Schl\u00fcpfen der Brut kann sich \u00fcber einen Zeitraum von bis zu drei Tagen erstrecken. Am Schlupftag leben die Jungen vom Dottersack. Zur Inspektion des Nestes unterbricht das Weibchen das Hudern regelm\u00e4\u00dfig. Beide Partner f\u00fcttern die Nestlinge ein- bis zweimal pro Tag mit aus dem Kropf hervorgew\u00fcrgter Nahrung. In dieser Phase ben\u00f6tigen die Jungv\u00f6gel zus\u00e4tzlich tierisches Eiwei\u00df, so dass sie auch mit kleinen Insekten, K\u00e4fern, Raupen und Blattl\u00e4usen versorgt werden. Zudem bekommen sie viele Bl\u00e4tter und Knospen zu fressen.<\/p>\n<p>Die Augen der Nestlinge \u00f6ffnen sich am vierten Tag schlitzf\u00f6rmig, die Ohren ab dem f\u00fcnften Tag. Gr\u00f6\u00dfere Nestlinge betteln laut und ausdauernd. Nach etwa einer Woche suchen die Jungen den Nestrand, stemmen sich daran hoch und koten \u00fcber den Rand. Nach dem 14. Lebenstag regt sich der Fluchttrieb, so dass die Jungen bei St\u00f6rungen aus dem Nest springen k\u00f6nnen. Sie haben abgesehen von einem Stummelschwanz und Flaumendaunen am Kopf ein vollst\u00e4ndiges Federkleid. \u00dcber den 16. bis 17. Tag fliegen die Jungen aus und verteilen sich in der Umgebung des Nestbaumes. Sie werden aber bis zum 23. Tag noch von ihren Eltern gef\u00fcttert. Oft versorgt das M\u00e4nnchen die Jungen allein und bringt ihnen bei, auf Nahrungssuche zu gehen und selbstst\u00e4ndig zu fressen. W\u00e4hrenddessen beginnt das Weibchen mit der zweiten Brut.<\/p>\n<p>Nach zwei bis drei Monaten haben die fl\u00fcggen, das hei\u00dft selbstst\u00e4ndigen Jungv\u00f6gel die Jugendmauser, in der nur das Kleingefieder ohne Fl\u00fcgel- und Schwanzfedern ausgetauscht wird, abgeschlossen und sind zum Ausgang des ersten Lebensjahres geschlechtsreif. Gefahr droht ihnen von Katzen, Greifv\u00f6geln und Mardern. Freilebende V\u00f6gel werden maximal acht bis neun Jahre alt.<\/p>\n<p>Nachdem alle Altv\u00f6gel die Mauser im Sp\u00e4tsommer nach sechs bis acht Wochen abgeschlossen haben, schlie\u00dfen sich mitteleurop\u00e4ische Girlitze in gr\u00f6\u00dferen Schw\u00e4rmen zusammen und ziehen im Oktober nach S\u00fcdeuropa. Im M\u00e4rz kehren sie zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>Verhalten<\/h2>\n<p>Girlitze sind tagaktiv. Sie verlassen ihren Schlafast mit Tagesbeginn, mit Sonnenuntergang suchen sie ihn wieder auf. In den fr\u00fchen Morgenstunden ist die Nahrungssuche am intensivsten. Der Girlitz kann sogar im Hochsommer am fr\u00fchen Nachmittag intensiv singen. Die Aktivit\u00e4tsphase wird h\u00e4ufig durch Ruhe- und Putzphasen unterbrochen. H\u00e4ufig geht der Girlitz zum Trinken und Baden an Wasserstellen. Bei den s\u00fcdeurop\u00e4ischen V\u00f6geln beginnt im Winter die Aktivit\u00e4tsphase deutlich sp\u00e4ter und endet fr\u00fcher.<\/p>\n<h3>Sozialverhalten<\/h3>\n<p>Girlitze kommunizieren \u00fcber Rufe und auch Gesang. Sie sind sehr friedliche und vertr\u00e4gliche V\u00f6gel. Sehen sie Fressfeinde, fliegen sie in den Schutz von B\u00fcschen und B\u00e4umen und sto\u00dfen einen Warnruf aus. Verpaarte V\u00f6gel suchen die Nahrung gemeinsam, das M\u00e4nnchen manchmal allein. Bei Streitigkeiten, vor allem um begehrtes Futter, Sitzpl\u00e4tze oder Nistmaterial, beschr\u00e4nken sich die Rivalen auf gegenseitiges Drohen, wonach der Unterlegene aufgibt. Reicht das Abspreizen der Fl\u00fcgel nicht aus, hacken sie aggressiv mit den Schn\u00e4beln und jagen sich manchmal. Ergibt sich einer der Rivalen, streckt er seinen K\u00f6rper und legt sein Gefieder eng an. Auch wenn ein Girlitz stark erschreckt wird, zeigt er dieses Demutsverhalten. Vor allem zur Paarungszeit kommt es zu Schnabelgefechten und Verfolgungsjagden.<\/p>\n<p>Wenn sich Girlitze gro\u00dfe Zuneigung bekunden wollen, schn\u00e4beln sie miteinander. Putzen sie sich auch noch gegenseitig, bekunden sie damit ihre Sympathie f\u00fcreinander. Sie bieten ihrem Partner zur Pflege h\u00e4ufig K\u00f6rperpartien an, die sie beim Putzen mit dem Schnabel nicht erreichen. Als Aufforderung zum Putzen streckt einer dem anderen also Nacken, Kopf oder Kehle entgegen. Der Partner zieht nun an der dargebotenen Stelle eine Feder nach der anderen durch den Schnabel. Ber\u00fchrt er aber einmal andere K\u00f6rperstellen, wird der Geputzte sogleich unruhig, pickt nach ihm oder fliegt fort.<\/p>\n<p>Der Girlitz hat eine ausgepr\u00e4gte K\u00f6rpersprache entwickelt, die teilweise mit der K\u00f6rperpflege verwechselt werden kann. So kann das Abspreizen der Fl\u00fcgel zum Einen der Drohung seinen Artgenossen gegen\u00fcber dienen, um Nahrung, das Revier oder ein Weibchen f\u00fcr sich zu beanspruchen, aber zum Anderen auch nur ein Strecken sein, um sich abzuk\u00fchlen. Ein aufgesperrter Schnabel dient entweder genauso der Drohung oder ist ein Mittel zur Abk\u00fchlung (Hecheln). Auch das Wetzen des Schnabels an einem Ast kann einerseits der Beschwichtigung aggressiver Artgenossen dienen, andererseits aber auch lediglich der Reinigung desselben dienen. H\u00e4lt er seinen Kopf schief, fordert er seinen Partner zum Kraulen auf oder beobachtet seine Umgebung mit einem Auge.<\/p>\n<h3>Territorialverhalten<\/h3>\n<p>Zur Brutzeit verh\u00e4lt sich der Girlitz territorial. In seinem Territorium singt das M\u00e4nnchen gerne auf erh\u00f6hten Singwarten mit uneingeschr\u00e4nkter Sicht \u00fcber das Revier, so dass er bei Gesang und Balzflug von Weibchen und Rivalen gesehen wird. Je nach Habitat enden Auseinandersetzungen zwischen benachbarten M\u00e4nnchen im Laufe von Stunden oder Tagen. W\u00e4hrend anfangs Singfl\u00fcge noch in Verfolgungsjagden enden k\u00f6nnen, beschr\u00e4nken sich Reviernachbarn sp\u00e4ter auf den Kontergesang. Im Herbst entstehen Schlafgemeinschaften von bis zu 150 Exemplaren, die im Winter auch mit Schw\u00e4rmen von Bluth\u00e4nfling, Stieglitz und Gr\u00fcnling vermischt sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Siedlungsdichte des Girlitzes variiert selbst bei fl\u00e4chendeckender Verbreitung sehr stark und h\u00e4ngt wegen des dicht gedr\u00e4ngten Vorkommens in g\u00fcnstigen Habitaten von der Wahl und Gr\u00f6\u00dfe der Kartierungsfl\u00e4chen ab. In bevorzugten Habitaten liegen die Mittelpunkte benachbarter Reviere durchschnittlich etwa 80 m auseinander; benachbarte Nester sind durchschnittlich etwa 25 bis 75 m voneinander entfernt. Singfl\u00fcge k\u00f6nnen \u00fcber Strecken bis zu 500 m f\u00fchren. Die durchschnittliche Siedlungsdichte liegt je nach Habitat zwischen 2 und 14 Brutpaaren auf 10 Hektar.<\/p>\n<p>Die Reviergr\u00f6\u00dfen sind demzufolge ungef\u00e4hr zwischen 0,7 Hektar und 5 Hektar anzunehmen. W\u00e4hrend auf mitteleurop\u00e4ischen Friedh\u00f6fen durchschnittlich 2 Brutpaare auf 10 Hektar registriert werden, leben auf polnischen Friedh\u00f6fen und in Stadtparks im Durchschnitt 5 bis 8 Brutpaare auf 10 Hektar.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Stadtgebieten, die gew\u00f6hnlich eine sehr ungleiche Verteilung mit lokalen Konzentrationen von bis zu 5 Brutpaaren pro Hektar aufweisen, die Siedlungsdichte gro\u00dffl\u00e4chig kaum 2 Brutpaare auf 10 Hektar \u00fcbersteigt, liegt sie in l\u00e4ndlichen Gegenden bei bis zu 2,5 Brutpaaren auf 10 Hektar. Im Zerr-Eichen-Mischwald leben durchschnittlich 13,7 Brutpaare auf 10 Hektar.<\/p>\n<h2>Systematik<\/h2>\n<h3>Externe Systematik<\/h3>\n<p>Durch DNA-Untersuchungen des mitochondrialen Cytochrom b wurde festgestellt, dass die Gattung <em>Serinus<\/em> nah mit der Gattung <em>Carduelis<\/em> verwandt ist. Weitere phylogenetische Untersuchungen mitochondrialen Cytochrom b an 20 Arten der Gattung <em>Serinus<\/em> bezogen die molekulare Uhr mit in ihre Analyse ein. Die DNA-Dendrogramme weisen darauf hin, dass die Gattung <em>Serinus<\/em> vor neun Millionen Jahren im Mioz\u00e4n erstmals aufgetreten ist. Die Herausbildung der Unterarten begann demnach vor zwei Millionen Jahren im Pleistoz\u00e4n.<\/p>\n<p>Im Durchschnitt betr\u00e4gt die Divergenz in der DNA des Zellkerns zwischen den verschiedenen <em>Serinus<\/em>-Arten etwa vier Prozent. Dieser Wert legt eine im Vergleich zu anderen Singv\u00f6gel-Gattungen bemerkenswert z\u00fcgige Ausbreitung der Arten nahe. Im R\u00fcckschluss auf phylogenetische Dendrogramme der meisten <em>Carduelis<\/em>&#8211; und <em>Serinus<\/em>-Arten zeigt sich, dass die Ausbreitungsradien beider Gattungen im Entwicklungszeitraum verschr\u00e4nkt sind und auch nicht monophyletisch sind. Die ersten <em>Serinus<\/em>-Arten traten etwa eine halbe Million Jahre nach den <em>Carduelis<\/em>-Arten auf.<\/p>\n<p>Diese Untersuchungen im Zusammenhang mit geographischen und ph\u00e4notypischen Datens\u00e4tzen der Gattung <em>Serinus<\/em> weisen auf f\u00fcnf Gruppen hin:<\/p>\n<ol>\n<li>mediterrane Girlitze, ohne die isoliert lebenden Arten Zitronengirlitz (<em>Serinus citrinella<\/em>) und korsischer Zitronengirlitz (<em>Serinus corsicanus<\/em>), die der Gattung <em>Carduelis<\/em> zugeordnet werden;<\/li>\n<li>asiatisch-afrikanische mittelgro\u00dfe Girlitze, enth\u00e4lt die Arten Alariogirlitz (<em>Serinus alario<\/em>), Gelbscheitelgirlitz (<em>Serinus canicollis<\/em>) und Rotstirngirlitz (<em>Serinus pusillus<\/em>);<\/li>\n<li>kleine afrikanische Girlitze;<\/li>\n<li>gro\u00dfe afrikanische Girlitze;<\/li>\n<li>ausgestorbene Girlitze.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die n\u00e4chste Verwandtschaft des Girlitzes (<em>Serinus serinus<\/em>) sieht demnach folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <em>Serinus<\/em> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <strong> <em>Serinus serinus<\/em> <\/strong><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <em>Serinus canaria<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <em>Serinus canaria forma domestica<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <em>Serinus canicollis<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <em>Serinus alario<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <em>Serinus pusillus<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> <\/td>\n<td rowspan=\"2\">\n<p> <em>Serinus syriacus<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Abtrennung des Girlitzes vom Kanarengirlitz (<em>Serinus canaria<\/em>) erfolgte vor 3,5 bis 4,3 Millionen Jahren. Die Hybride zwischen beiden V\u00f6geln erweisen sich als unbegrenzt fruchtbar miteinander. Weitere nahe Verwandte sind der Gelbscheitelgirlitz (<em>Serinus canicollis<\/em>), Rotstirngirlitz (<em>Serinus pusillus<\/em>) und der Alariogirlitz (<em>Serinus alario<\/em>).<\/p>\n<p>Aktuelle Untersuchungendes mitochondrialen Cytochrome b der Gattung <em>Serinus sensu lato<\/em> (inkluse der putativen Gattungen <em>Alario<\/em>, <em>Pseudochloroptila<\/em>, <em>Serinops<\/em>, <em>Ochrospiza<\/em>, <em>Dendrospiza<\/em> und <em>Crithagra<\/em>) stellen zwei Gruppen fest:<\/p>\n<ol>\n<li>Palearktische und afrotropische Taxa, enth\u00e4lt <em>Serinus serinus<\/em>, <em>Serinus canaria<\/em>, <em>Alario alario<\/em> (fr\u00fcher: <em>Serinus alario<\/em>) und den <em>Serinus canicollis<\/em>-Komplex (<em>S. c. canicollis<\/em>, <em>S. c. thompsonae<\/em>, <em>S. c. flavivertex<\/em>)<\/li>\n<li>Endemische afrotropische Taxa <em>Pseudochloroptila<\/em>, <em>Serinops<\/em>, <em>Ochrospiza<\/em>, <em>Poliospiza<\/em>, <em>Dendrospiza<\/em> und <em>Crithagra spp<\/em>.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Beide Gruppen werden durch <em>Carduelis<\/em>-Taxa voneinander getrennt, so dass <em>Serinus sensu lato<\/em> als paraphylitisch angesehen wird und heute mehrheitlich als zwei Gattungen (<em>Serinus<\/em> und <em>Crithagra<\/em>) angegeben wird.<\/p>\n<h3>Interne Systematik<\/h3>\n<p>F\u00fcr den Girlitz werden nach ITIS keine Unterarten beschrieben. Andere Quellen gehen jedoch von zwei Unterarten aus:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Serinus serinus serinus<\/em> ist die Nominatform.<\/li>\n<li><em>Serinus serinus flaviserinus<\/em> wird gew\u00f6hnlich als invalid betrachtet.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Bestand und Bestandsentwicklung<\/h2>\n<p>Das weltweite Verbreitungsgebiet des Girlitzes wird auf 4.510.000 km\u00b2 gesch\u00e4tzt. Der gro\u00dfe weltweite Bestand umfasst etwa 30.000.000 bis 80.000.000 Individuen. Daher wird die Art als nicht gef\u00e4hrdet (LC) eingestuft.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Brutpopulation macht mehr als 75 Prozent der weltweiten Verbreitung aus. Sie ist mit mehr als 8.300.000 Paaren sehr gro\u00df und nahm zwischen 1970 und 1990 zu. Obwohl es zwischen 1990 und 2000 R\u00fcckg\u00e4nge in Frankreich und Malta gab, waren die Trends in anderen L\u00e4ndern Europas stabil oder zunehmend, einschlie\u00dflich der Schl\u00fcsselpopulation in Spanien. Da die Population im Ganzen stabil ist, wird der Girlitz konsequenterweise als sicher (Secure) gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>In Deutschland nimmt die Population im Westen zu und verh\u00e4lt sich im Osten konstant. Der ostdeutsche Bestand umfasst etwa ein Drittel bis ein Viertel aller deutschen Individuen, so dass der nach der gesch\u00e4tzten Gesamtpopulation gewichtete Trend f\u00fcr das ganze Land positiv ist. Nach der Neubesiedlung Deutschlands in den 1930er bis 1970er Jahren kam es seit Ende der 1970er Jahre besonders im Nordwesten teilweise wieder zu deutlichen Bestandsr\u00fcckg\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Im Jahre 1766 gab Carl von Linn\u00e9 dem Vogel den lateinischen Namen <em>Fringilla serinus<\/em>. Von der Antike bis ins 15. Jahrhundert hinein war der Girlitz wegen seines Gesanges ein besonders beliebter K\u00e4figvogel. Als in dieser Zeit der Import des Kanarengirlitzes einsetzte, sank jedoch die Nachfrage. Dennoch konnten die Kreuzungen beider Arten zu erschwinglichen Preisen an einen gehobeneren Kundenkreis verkauft werden. Auch heute wird der Girlitz noch als Ziervogel gehalten; doch diese Mischlinge stellen keine Zuchtziele mehr dar.<\/p>\n<p>Bevor Interesse beim Z\u00fcchter ge\u00e4u\u00dfert wird, sollte die notwendige Weiterbildung durch geeignete Literatur vor der Anschaffung dieser V\u00f6gel erfolgen. Die Haltung entspricht weitgehend der des Kanarienvogels. Unterschiede zeigen sich in einer ver\u00e4nderten Nahrungszusammensetzung und einer erh\u00f6hten Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Darmkrankheiten, die durch Kokzidien hervorgerufen werden. Die Vergesellschaftung mit Bluth\u00e4nfling, Stieglitz, Gr\u00fcnling, Birken- und Erlenzeisig sowie Gimpel ist m\u00f6glich, auch wenn die gleichzeitige Zusammenbringung von Gimpel und Stieglitz unbedingt vermieden werden sollte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Deutschland Wildf\u00e4nge nach dem \u00a7 20d BNatSchG illegal sind, darf der Girlitz auf Malta nach dem EG-\u00dcbereinkommen \u00fcber die Erhaltung der europ\u00e4ischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume vom 19. September 1979, dem Malta 1994 beigetreten ist, vom 1. September bis zum 31. Januar legal gefangen werden. Tats\u00e4chlich wird diese Erlaubnis jedoch lediglich auf die Zeit vom 1. Oktober bis 10. April nach maltesischem Recht angewendet. Dabei werden unter anderem Girlitze durch Vogeljagd und Fallenstellen (\u201etrapping\u201c) lebend gefangen, um sp\u00e4ter in kleinen K\u00e4figen privat gehalten oder auf Vogelm\u00e4rkten in Valletta verkauft zu werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4_5.jpg\" alt=\"Girlitz - Serinus serinus\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4_5-150x150.jpg 150w, \/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4_5-300x225.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4_5-768x576.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4_5.jpg 800w\" sizes=\"auto, 800px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6143 wt-image\" \/><\/p>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto : Mihai Baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Girlitz (Serinus serinus) ist die kleinste europ\u00e4ische Art aus der Familie der Finken (Fringillidae) und ist nahe mit dem Kanarengirlitz verwandt. 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