{"id":4299,"date":"2015-05-03T20:36:20","date_gmt":"2015-05-03T18:36:20","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/nachtigall-luscinia-megarhynchos\/"},"modified":"2015-05-06T19:49:18","modified_gmt":"2015-05-06T17:49:18","slug":"nachtigall-luscinia-megarhynchos","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/nachtigall-luscinia-megarhynchos\/","title":{"rendered":"Nachtigall (Luscinia megarhynchos)"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>Nachtigall<\/strong> (<em>Luscinia megarhynchos<\/em>) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Sperlingsv\u00f6gel (Passeriformes), Unterordnung Singv\u00f6gel (Passeres). Nach neueren molekularbiologischen Erkenntnissen zur Phylogenese der Singv\u00f6gel wird sie heute meist zur Familie der Fliegenschn\u00e4pper (Muscicapidae) gestellt. Manchmal findet man sie aber auch heute noch bei den Drosseln (Turdidae) eingeordnet. Die nord\u00f6stliche Schwesterart der Nachtigall ist der Sprosser.<\/p>\n<p>In Deutschland war die Nachtigall im Jahre 1995 Vogel des Jahres.<\/p>\n<p>Eine ausgewachsene Nachtigall misst vom Schnabel bis zur Schwanzspitze etwa 16,5 cm, ist also etwa so gro\u00df wie ein Haussperling (<em>Passer domesticus<\/em>) und wiegt 18 bis 27 Gramm. Die K\u00f6rperoberseite der Nachtigall ist heller und w\u00e4rmer braun, die graue Unterseite ist eher gelbbr\u00e4unlich, der Schwanz deutlicher rotbraun, die Brust ungefleckt; die Beine sind gelbrosa. Die Nachtigall kann mit dem Sprosser (<em>Luscinia luscinia<\/em>) verwechselt werden, denn bei beiden sind viele K\u00f6rperteile gleichfarbig. Der Sprosser ist etwas dunkler gef\u00e4rbt und hat eine graubraune Brustfleckung. M\u00e4nnchen und Weibchen sind bei der Nachtigall beide gleichfarbig.<\/p>\n<h2>Nahrung<\/h2>\n<p>Die Nachtigall ern\u00e4hrt sich von Insekten und ihren Larven, W\u00fcrmern oder Raupen, manchmal auch von Spinnen oder anderen wirbellosen Tieren. Im Herbst und auch im Sommer sind Beeren ihre haupts\u00e4chliche Nahrung.<\/p>\n<p>Der Gesang der Nachtigall ist reich, wohlt\u00f6nend und laut und wird von Menschen als sehr angenehm und sch\u00f6n empfunden. Der Gesang ist \u00fcberaus komplex und besteht aus Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppelt\u00f6ne. Im zeitigen Fr\u00fchjahr singen unverpaarte Nachtigallenm\u00e4nnchen ab elf Uhr nachts bis in den Morgen; der Nachtgesang dient wohl vor allem zur Anlockung einer Brutpartnerin und wird nach erfolgter Paarbildung eingestellt.<\/p>\n<p>Ab Mitte Mai singen daher meist nur noch unverpaarte M\u00e4nnchen nachts. W\u00e4hrend der ganzen Brutsaison bis Mitte Juni singen Nachtigallenm\u00e4nnchen aber auch tags\u00fcber. Der Gesang w\u00e4hrend der Morgend\u00e4mmerung dient wohl vor allem zur Verteidigung des Revieres gegen andere M\u00e4nnchen.<\/p>\n<p>Nachtigallenm\u00e4nnchen erlernen ihren Gesang w\u00e4hrend der fr\u00fchen Jugend von benachbarten V\u00f6geln und beherrschen zwischen 120 und 260 unterschiedliche Strophentypen, die meistens zwei bis vier Sekunden lang sind. Das extrem umfangreiche Repertoire ist damit unter den europ\u00e4ischen Singv\u00f6geln fast einzigartig. Der Nachtigallengesang ist vor allem aufgrund seiner Komplexit\u00e4t Gegenstand intensiver verhaltensbiologischer Forschung, unter anderem zur Funktion des Ged\u00e4chtnisses.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher galt der Gesang der Nachtigall als schmerzlindernd und sollte dem Sterbenden einen sanften Tod und dem Kranken eine rasche Genesung bringen. Auch der Name der Nachtigall leitet sich von ihrem Gesang ab \u2212 ahd. <em>gal<\/em> bedeutet \u201eGesang\u201c, die Nachtigall ist also der \u201eNachts\u00e4nger.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8.jpg\" alt=\"Nachtigall (Luscinia megarhynchos)\" width=\"1785\" height=\"1080\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8-150x150.jpg 150w, \/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8-300x182.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8-768x465.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8-1024x620.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8-1536x929.jpg 1536w, \/wp-content\/uploads\/2015\/05\/13_8.jpg 1785w\" sizes=\"auto, 1785px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4295 wt-image\" \/><\/p>\n<p>Nachtigallen sind Zugv\u00f6gel. Sie sind in Asien, Europa und Nordafrika heimisch. Die mitteleurop\u00e4ischen Nachtigallen \u00fcberwintern in Afrika. In Australien wurden die Nachtigallen durch wei\u00dfe Siedler eingef\u00fchrt. Nachtigallen besiedeln dichtes Geb\u00fcsch, oft am Waldrand und in feuchtem Gel\u00e4nde, aber auch in Feldgeh\u00f6lzen (Geb\u00fcschwald).<\/p>\n<p>Die Brutzeit ist in Mitteleuropa von Mitte April bis Mitte Juni. In der Regel gibt es nur eine Brut pro Jahr. Unter g\u00fcnstigen klimatischen Bedingungen wird zweimal gebr\u00fctet. Das Gelege besteht aus vier bis sechs gr\u00fcnlich braunen Eiern. Die Eier werden t\u00e4glich abgelegt und vom Weibchen 13 bis 14 Tage bebr\u00fctet. Die Jungen werden von beiden Eltern gef\u00fcttert. Nach 11 bis 12 Tagen verlassen die Jungen das Nest, werden aber 14 bis 15 Tage weiterhin betreut.<\/p>\n<h2>Nest<\/h2>\n<p>Die Nester werden oft am Buschrand oder an Wegr\u00e4ndern im Krautsaum direkt am Boden gebaut. Der Boden besteht aus Laub, innen befinden sich Moos und Halme. Das Weibchen baut das Nest allein.<\/p>\n<h2>Dichtung<\/h2>\n<p>Die Nachtigall ist unter anderem bekannt durch die Zeile \u201eEs war die Nachtigall und nicht die Lerche\u201c aus Shakespeares <em>Romeo und Julia<\/em>; ebenso durch die berlinerische Redewendung \u201eNachtigall, ick h\u00f6r&#8216; dir trapsen\u201c, die aus <em>Des Knaben Wunderhorn<\/em> stammt. (Parodie der Anfangszeilen der ersten und zweiten Strophe: \u201eNachtigall, ich h\u00f6r dich singen\u201c und \u201eNachtigall, ich seh dich laufen\u201c. Bezeichnet wird damit eine Vorahnung.)<\/p>\n<p>Doch schon im 12. Jahrhundert verband Walther von der Vogelweide im Gedicht <em>Under der linden<\/em> den Gesang der Nachtigall mit den Liebenden (\u201e\/sch\u00f4ne sanc diu nahtegal.\u201c). In der Dichtung wird Philomele metonymisch f\u00fcr die Nachtigall gebraucht. Hans Sachs r\u00fchmte Martin Luther in seinem gleichnamigen Gedicht als die \u201eWittenbergische Nachtigall\u201c.<\/p>\n<p>Sie kommt auch in dem M\u00e4rchen <em>Jorinde und Joringel<\/em> vor. Hans Christian Andersen schrieb das M\u00e4rchen <em>Des Kaisers Nachtigall<\/em>, John Keats die <em>Ode an eine Nachtigall<\/em>. Oscar Wilde erz\u00e4hlte die Geschichte <em>Die Nachtigall und die Rose<\/em>.<\/p>\n<p>Auch Theodor Storm widmete der Nachtigall ein Gedicht, <em>Die Nachtigall<\/em>: \u201eDas macht, es hat die Nachtigall die ganze Nacht gesungen. Da sind von ihrem s\u00fc\u00dfen Schall, Da sind in Hall und Widerhall, Die Rosen aufgesprungen\u201c.<\/p>\n<p>Harper Lees Romantitel <em>To Kill a Mockingbird<\/em> (etwa: \u201eEine Spottdrossel t\u00f6ten\u201c) wurde nur in der deutschen \u00dcbersetzung zu <em>Wer die Nachtigall st\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p>\u201eWas dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall\u201c ist eine niederdeutsche Redewendung; der Gesang beider V\u00f6gel ist unterschiedlich und gef\u00e4llt unterschiedlichen Menschen.<\/p>\n<p>Der irische Dichter Eugene McCabe untermalt in seinem Roman <em>Tod und Nachtigallen<\/em> (Originaltitel: <em>Death and Nightingales<\/em>) die Handlung, die im Jahre 1883 w\u00e4hrend der irischen Nationalbewegung spielt, mit Vogelstimmen.<\/p>\n<h2>Die Nachtigall als Symbol<\/h2>\n<p>In den Volkstraditionen k\u00fcndigt die Nachtigall den Fr\u00fchling an, es ist der Vogel des Monats Mai, aber er ist auch und besonders das Symbol der Liebe. In der persischen Literatur ist die angeblich in die Rose verliebte Nachtigall das Symbol des Liebenden, des Dichters und des Gottsuchers schlechthin (so wie die Rose Symbol alles Sch\u00f6nen ist).<\/p>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto:Mihai Baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachtigall (Luscinia megarhynchos) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Sperlingsv\u00f6gel (Passeriformes), Unterordnung Singv\u00f6gel (Passeres). Nach neueren molekularbiologischen Erkenntnissen zur Phylogenese der Singv\u00f6gel wird sie heute meist zur Familie der Fliegenschn\u00e4pper (Muscicapidae) gestellt. Manchmal findet man sie aber auch heute noch bei den Drosseln (Turdidae) eingeordnet. Die nord\u00f6stliche Schwesterart der Nachtigall ist der Sprosser. 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