{"id":3886,"date":"2014-10-25T12:42:42","date_gmt":"2014-10-25T10:42:42","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/hoopoe-upupa-epops-2\/"},"modified":"2014-10-25T14:43:18","modified_gmt":"2014-10-25T12:43:18","slug":"hoopoe-upupa-epops-2","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/hoopoe-upupa-epops-2\/","title":{"rendered":"Wiedehopf (Upupa epops)"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>Wiedehopf<\/strong> (<em>Upupa epops<\/em>) ist die einzige Art oder nach anderer Auffassung eine von mehreren Arten aus der Vogelfamilie der Wiedehopfe (<em>Upupidae<\/em>). Die Wiedehopfe werden gemeinsam mit der etwas artenreicheren Familie der Baumhopfe (<em>Phoeniculidae<\/em>) in die Ordnung der Bucerotiformes gestellt. Die Zuordnung zu den Rackenv\u00f6geln (<em>Coraciiformes<\/em>) ist nicht mehr \u00fcblich.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Unterarten schwankt je nach wissenschaftlicher Auffassung zwischen f\u00fcnf und zehn. Bis auf die in \u00c4gypten vorkommende Subspezies <em>U. e. major<\/em> werden zurzeit die fr\u00fcher als Unterarten von <em>U. epops<\/em> aufgefassten afrikanischen Wiedehopfe h\u00e4ufig als selbstst\u00e4ndige Arten betrachtet.<\/p>\n<p>In Mitteleuropa kommt die Nominatform <em>U. e. epops<\/em> vor. Sie ist ein in ihrem Bestand stark zur\u00fcckgehender, seltener, in weiten Teilen ihres fr\u00fcheren Verbreitungsgebietes verschwundener Brutvogel.<\/p>\n<p>Der etwa drosselgro\u00dfe, aber bedeutend gr\u00f6\u00dfer wirkende Vogel (durchschnittlich 28 cm vom Schnabel bis zur Schwanzspitze) ist unverkennbar und auch in Mitteleuropa allgemein bekannt, obgleich ihn hier wohl nur sehr wenige Menschen in freier Natur beobachten konnten. Charakteristisch sind die kontrastreich schwarz-wei\u00df geb\u00e4nderten Fl\u00fcgel mit deutlichen gelben Einschl\u00fcssen, der lange, gebogene Schnabel und die etwa f\u00fcnf bis sechs Zentimeter lange aufrichtbare Federhaube, deren Enden in einem wei\u00df-schwarzen Abschluss auslaufen.<\/p>\n<p>Der Schwanz ist schwarz mit einer breiten wei\u00dfen Binde etwa im letzten Schwanzdrittel und einer wei\u00dfen Zeichnung auf der Schwanzwurzel. Der \u00fcbrige K\u00f6rper ist rostbraunrot. Charakteristisch ist auch der wellenf\u00f6rmige, schmetterlingsartig gaukelnde Flug, bei dem die breiten, tief gefingerten Fl\u00fcgel nach jedem Schlag fast angelegt werden. Auf mehrere lange, durchgezogene Fl\u00fcgelschl\u00e4ge erfolgen einige kurze, flatternde, so dass der Flug instabil und ungleichm\u00e4\u00dfig erscheint. Die Geschlechter sind einander sehr \u00e4hnlich; die Weibchen sind etwas kleiner und eine Spur matter gef\u00e4rbt. W\u00e4hrend der Nahrungssuche und in Erregungssituationen ist das st\u00e4ndige Kopfnicken sehr auffallend.<\/p>\n<h2>Stimme<\/h2>\n<p>Auch der von Singwarten vorgetragene Gesang des M\u00e4nnchens ist unverkennbar. Er besteht aus meistens drei (zwei bis f\u00fcnf) dumpfen, rohrfl\u00f6ten\u00e4hnlichen Elementen auf \u201au\u2019 (auch \u201aup\u2019 oder \u201apu\u2019), die recht weit tragen. Dieser Ruf hat zum wissenschaftlichen Gattungsnamen gef\u00fchrt (Onomatopoesie). Die Intervalle zwischen den Strophen sind nur selten l\u00e4nger als f\u00fcnf Sekunden. Beide Geschlechter rufen bei St\u00f6rung rau \u201ar\u00e4\u00e4h\u2019, was stark an den Warnruf des Eichelh\u00e4hers erinnert. Bei Erregung ist zuweilen Schnabelknappen zu h\u00f6ren.<\/p>\n<h2>Lebensraum<\/h2>\n<p>Der Wiedehopf vermag vielf\u00e4ltige Lebensr\u00e4ume zu besiedeln, immer sind es jedoch w\u00e4rmeexponierte, trockene, nicht zu dicht baumbestandene Gebiete mit nur kurzer oder \u00fcberhaupt sp\u00e4rlicher Vegetation. In Mitteleuropa kommt die Art vor allem in extensiv genutzten Obst- und Weinkulturen, in Gegenden mit Weidetierhaltung sowie auf bebuschten Ruderalfl\u00e4chen vor. Auch sehr lichte W\u00e4lder, insbesondere Kiefernw\u00e4lder, sowie ausgedehnte Lichtungsinseln in geschlossenen Baumbest\u00e4nden dienen gelegentlich als Bruthabitat.<\/p>\n<p>Im mediterranen Bereich ist die Art relativ h\u00e4ufig in Olivenkulturen sowie in Korkeichenbest\u00e4nden anzutreffen; aber auch karge, nur sp\u00e4rlich mit Str\u00e4uchern und B\u00fcschen bestandene Stein- und Ger\u00f6llfluren sowie weitgehend baumlose Steppenlandschaften k\u00f6nnen dem Wiedehopf geeignete Lebensr\u00e4ume bieten. Geschlossene Waldgebiete, Regenwaldgebiete sowie W\u00fcsten werden im gesamten Verbreitungsgebiet der Art nicht beziehungsweise nur in ihren \u00e4u\u00dfersten Randbereichen besiedelt.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen ist der Wiedehopf eher ein Bewohner tieferer Lagen, doch gibt es, zum Beispiel aus dem Altai-Gebirge, Brutnachweise der Nominatform aus H\u00f6hen \u00fcber 3000 Metern; auch in Mitteleuropa br\u00fctet der Wiedehopf zumindest auch in der montanen Stufe, der h\u00f6chstgelegene Brutnachweis in \u00d6sterreich lag in einer H\u00f6he von 1260 Metern.<\/p>\n<h2>Verbreitung und Systematik<\/h2>\n<figure class=\"wt-figure\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-upupa-distribution.png\" alt=\"Upupa distribution\" width=\"960\" height=\"743\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-upupa-distribution-150x150.png 150w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-upupa-distribution-300x232.png 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-upupa-distribution-768x594.png 768w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-upupa-distribution.png 960w\" sizes=\"auto, 960px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42749 wt-image\" \/><figcaption class=\"wt-credit\">orange: Brutvorkommen blau: \u00dcberwinterungsgebiete gr\u00fcn : H\u00e4ufig Jahresv\u00f6gel Die afrikanischen Arten, resp. Unterarten sind bis auf U. e. major nicht ber\u00fccksichtigt. \u00b7 Ulrich Prokop \u2014 CC BY 2.5, via Wikimedia Commons (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Upupa_distribution.png\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">source<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<ul>\n<li>Die Brutgebiete der Nominatform (<em>U. e. epops<\/em>) erstrecken sich von den Kanarischen Inseln und Madeira ostw\u00e4rts \u00fcber das gesamte Europa mit Ausnahme der Britischen Inseln, der Niederlande und Skandinaviens bis \u00f6stlich des Ob und s\u00fcd\u00f6stlich \u00fcber den gesamten Nahen Osten, den Iran, Afghanistan und Pakistan bis nach Nordwestindien. Im S\u00fcden besiedelt diese Unterart weite Teile des Maghrebs sowie einige Oasen in der zentralen Sahara.<\/li>\n<\/ul>\n<p>An dieses gro\u00dfe Verbreitungsgebiet schlie\u00dfen sich im zentralen eurasischen Bereich das von <em>U. e. saturata<\/em>, in den s\u00fcd\u00f6stlichen Bereichen die von <em>U. e. longirostris<\/em> und <em>U. e. ceylonesis<\/em>, sowie in Ostlibyen und \u00c4gypten das von <em>U. e. major<\/em> an.<\/p>\n<ul>\n<li><em>U. e. saturata<\/em>: Das Verbreitungsgebiet dieser insgesamt etwas dunkleren und an der Oberseite leicht grau gef\u00e4rbten Unterart beginnt im Westen etwa im mittleren Abschnitt des Ob und reicht, n\u00f6rdlich vom S\u00fcdrand der Taiga begrenzt, in einem breiten G\u00fcrtel bis zum Pazifik. Auf Sachalin, den Japanischen Inseln sowie dem gr\u00f6\u00dften Teil Koreas br\u00fctet diese Unterart nicht.<\/li>\n<li><em>U. e. longirostris<\/em>: Diese lebhaft r\u00f6tlichbraun gef\u00e4rbte Unterart kommt in weiten Teilen des s\u00fcd\u00f6stlichen Asiens, s\u00fcdostw\u00e4rts bis nach Sumatra vor.<\/li>\n<li>Zentralindien, s\u00fcdw\u00e4rts bis Sri Lanka ist das Verbreitungsgebiet der Unterart <em>U. e. ceylonensis<\/em>. Auch bei dieser ist die Grundf\u00e4rbung des Obergefieders ein intensives R\u00f6tlichbraun; von <em>U. e. longirostris<\/em> unterscheidet sie sich nur unwesentlich.<\/li>\n<li>An die nordafrikanischen Brutgebiete der Nominatform schlie\u00dfen sich nach Osten hin die der gro\u00dfen, fahlgef\u00e4rbten Unterart <em>U. e. major<\/em> an. Sie ist von den \u00fcbrigen Subspezies deutlich durch den insgesamt st\u00e4rkeren und auch etwas l\u00e4ngeren Schnabel zu unterscheiden. Ihre Hauptverbreitungsgebiete liegen im Niltal und reichen s\u00fcdw\u00e4rts bis in den Nordsudan; auch in einigen Oasen Ostlibyens und \u00c4gyptens ist sie Jahresvogel.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Afrika kommen weitere vier Arten (Unterarten) der Gattung <em>Upupa<\/em> vor, die alle bis vor kurzem als Unterarten von <em>Upupa epops<\/em> galten. Zurzeit ist ihr systematischer Rang als Art oder Unterart sehr umstritten. Allein dem auf Madagaskar vorkommenden Madagaskar-Wiedehopf wird ziemlich einhellig Artstatus zuerkannt.<\/p>\n<ul>\n<li><em>U. e. senegalensis<\/em> oder <em>(U. senegalensis)<\/em> ist im Trockeng\u00fcrtel s\u00fcdlich der Sahara von Senegal bis \u00c4thiopien beheimatet. Die Gefiederf\u00e4rbung dieser V\u00f6gel ist insgesamt heller, die Wei\u00dfanteile an den gro\u00dfen Deckfedern sowie an den Handschwingen sind ausgedehnter als bei <em>U. e. epops<\/em>.<\/li>\n<li>S\u00fcd\u00f6stlich davon beginnt das sehr gro\u00dfe Verbreitungsgebiet von <em>U. e. africana<\/em> <em>(U. africana)<\/em>, das sich von \u00c4thiopien und Kenia bis zur Kapprovinz erstreckt.<\/li>\n<li>Am Nordrand des Regenwaldg\u00fcrtels liegen in einem schmalen Streifen die Brutgebiete von <em>U. e. waibeli<\/em>. Diese Unterart ist gr\u00f6\u00dfer und dunkler als die beiden zuvor genannten. Sie besiedelt auch Lichtungen und Rodungsgebiete im geschlossenen Regenwald.<\/li>\n<li><em>U. e. marginata<\/em> kommt nur auf Madagaskar vor. Auch dieser Hopf ist vergleichsweise gro\u00df. Die Wei\u00dfanteile des Gefieders, insbesondere des Schwanzes sind kleiner als bei anderen Unterarten.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Nahrung und Nahrungserwerb<\/h2>\n<p>Der Wiedehopf ern\u00e4hrt sich fast ausschlie\u00dflich von Insekten. Bevorzugt werden gr\u00f6\u00dfere Insektenarten, wie Feldgrillen, Maulwurfsgrillen, Engerlinge sowie verschiedene Raupenarten und K\u00e4fer. Seltener werden Spinnen, Asseln, Tausendf\u00fc\u00dfer oder Regenw\u00fcrmer aufgenommen. Gelegentlich erbeutet er Fr\u00f6sche und kleine Eidechsen. Auch Vogelgelege und Nestlinge geh\u00f6ren zur seltenen Beikost.<\/p>\n<p>Der Wiedehopf erbeutet seine Nahrungstiere am Boden, nur ausnahmsweise f\u00e4ngt er langsam fliegende Insekten auch im Fluge. Die Beutetiere werden meistens visuell, oft aber auch taktil, sowie wahrscheinlich auch akustisch geortet. Auf der Oberfl\u00e4che laufende Beutetiere werden verfolgt, im Boden verborgene durch Stochern ertastet. Dabei werden die Stocherl\u00f6cher (insbesondere beim Fang von Maulwurfsgrillen) oft dadurch erweitert, dass der Wiedehopf mit in den Boden gestecktem Schnabel mehrmals im Kreis heruml\u00e4uft. Oft werden die Beine sowie harte Chitinteile der Beutetiere vor dem Verzehr entfernt. Gr\u00f6\u00dfere Insekten schl\u00e4gt er h\u00e4ufig gegen einen Stein oder bearbeitet sie am Boden; zum Verschlucken wirft er sie oft etwas in die Luft.<\/p>\n<p>Der Wiedehopf f\u00fchrt eine monogame Brutsaisonehe. Seine Balz ist durch laute Rufreihen, die mit aufgestellter Federhaube und gestr\u00e4ubtem Kehlgefieder meistens in guter Deckung vorgetragen werden, gekennzeichnet. Reagiert ein Weibchen, versucht er es mit Futter\u00fcbergaben zu beeindrucken, auf die oft lange Verfolgungsfl\u00fcge folgen. H\u00e4ufig bietet er mit lautem Kr\u00e4chzen Bruth\u00f6hlen an. Schl\u00fcpft das Weibchen in eine solche H\u00f6hle, ist die Paarbildung abgeschlossen. Die Kopulationen finden meistens auf dem Boden statt. Der Wiedehopf nistet in Baum- oder Mauerl\u00f6chern. Meistens gelingt dem Wiedehopf nur eine Brut pro Jahr. Das Weibchen legt dabei zwischen 5 und 7 Eier, die dann 16 bis 19 Tage bebr\u00fctet werden. Die Jungen ben\u00f6tigen nach dem Schl\u00fcpfen noch zwischen 20 und 28 Tage, bis sie das Nest verlassen.<\/p>\n<p>Die Neststandorte sind \u00e4u\u00dferst unterschiedlich und umfassen Ganz- oder Halbh\u00f6hlen jeglicher Art. Nat\u00fcrliche Baumh\u00f6hlen werden ebenso genutzt wie Spechth\u00f6hlen, Halbh\u00f6hlen in Bruchsteinmauern oder Holzst\u00f6\u00dfen, H\u00f6hlungen unter Wurzeln oder andere Erdh\u00f6hlen. Bei Brutb\u00e4umen zeigt die Art eine Bevorzugung von hochst\u00e4mmigen alten Obstb\u00e4umen, insbesondere von Apfelb\u00e4umen. Auch Nistk\u00e4sten werden angenommen, wenn sie eine gen\u00fcgend gro\u00dfe Einschlupf\u00f6ffnung und ein ausreichendes Raumvolumen aufweisen. Die Neststandsh\u00f6he liegt meistens in einem Bereich bis zu f\u00fcnf Metern.<\/p>\n<p>Meistens kommt es nur zu einer Jahresbrut, s\u00fcdlichere Populationen scheinen \u00f6fter (vielleicht sogar regelm\u00e4\u00dfig) zu einer Zweitbrut zu schreiten. Das Gelege besteht aus sechs bis zehn, auffallend l\u00e4ngselliptischen, auf bl\u00e4ulichem oder gr\u00fcnlichem Grund verschiedenfarbig gepunkteten Eiern in der Durchschnittsgr\u00f6\u00dfe von etwa 26 \u00d7 18 Millimetern; es wird ausschlie\u00dflich vom Weibchen bebr\u00fctet, das meistens schon nach Ablage des ersten Eis zu br\u00fcten beginnt. Die Eier werden in den fr\u00fchen Morgenstunden im Tagesabstand gelegt, sodass sich bei einer reinen Brutdauer von 16 Tagen die Brutperiode auf 25 Tage und mehr ausdehnen kann und Junge in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien in einer Brut vereint sind.<\/p>\n<p>Die Nestlingszeit kann bis zu 30 Tage w\u00e4hren. W\u00e4hrend der gesamten Brutzeit sowie mindestens der ersten zehn Tage der Nestlingszeit werden das Weibchen und sp\u00e4ter auch die Jungen ausschlie\u00dflich vom M\u00e4nnchen mit Nahrung versorgt. Erst wenn die Jungen nicht mehr gehudert werden m\u00fcssen, beteiligt sich auch das Weibchen an der Futtersuche. Nach dem Verlassen der Bruth\u00f6hle werden die fl\u00fcggen Jungv\u00f6gel noch etwa f\u00fcnf Tage von den Eltern gef\u00fcttert, ehe sie das Elternrevier verlassen und oft \u00fcber weite Strecken dismigrieren.<\/p>\n<h2>Feindverhalten<\/h2>\n<p>Im Feindverhalten haben die Wiedehopfe und deren Junge einige besondere Verhaltensweisen entwickelt. Beim pl\u00f6tzlichen Auftauchen eines Greifvogels, wenn eine gefahrlose Flucht in ein Versteck nicht mehr m\u00f6glich ist, nehmen Wiedehopfe eine Tarnstellung ein, die untermauert, wie k\u00f6rperkonturaufl\u00f6send das so kontrastreich gef\u00e4rbte Gefieder sein kann. Dabei legt sich der Vogel mit breit gespreizten Fl\u00fcgeln und Schwanz flach auf den Boden; Hals, Kopf und Schnabel sind steil nach oben gerichtet. Meistens wird er in dieser regungslosen Schutzhaltung \u00fcbersehen. V\u00f6llig abweichend von der Interpretation als Tarnstellung sehen neuerdings einige Forscher in dieser K\u00f6rperposition einen Ausdruck des Komfortverhaltens beim Sonnenbaden; auch beim Einemsen wurden Wiedehopfe in dieser K\u00f6rperhaltung beobachtet.<\/p>\n<p>Sich bedroht f\u00fchlende Nestlinge zischen schlangen\u00e4hnlich, etwas \u00e4ltere Nestlinge spritzen als Abwehrreaktion ihren Kot aus der H\u00f6hle. Auch wenn sie gegriffen werden, koten sie intensiv. Besonders wirkungsvoll scheint jedoch das Absondern eines sehr \u00fcbel riechenden Sekretes aus der B\u00fcrzeldr\u00fcse zu sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Brutzeit ist die B\u00fcrzeldr\u00fcse beim Weibchen besonders entwickelt, ebenso bei den Nestlingen. Beide geben offenbar in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden das B\u00fcrzeldr\u00fcsensekret ab, in Erregungssituationen m\u00f6glicherweise verst\u00e4rkt. Von diesem B\u00fcrzeldr\u00fcsensekret r\u00fchrt der strenge Geruch her, der \u00fcblicherweise von Wiedehopfbrutst\u00e4tten ausgeht.<\/p>\n<p>Die Behauptung, dass Wiedehopfe grunds\u00e4tzlich den Kot der Jungen nicht aus dem Nest bef\u00f6rdern, ist nicht richtig. Zwar wurden Nestlinge gefunden, die auf einer bereits hohen Kotschicht sa\u00dfen, doch handelte es sich in solchen F\u00e4llen meist um Bruth\u00f6hlen, die auf Grund ihrer Enge eine systematische S\u00e4uberung nicht zulie\u00dfen. H\u00e4ufig stammen die festgestellten Kotschichten auch von einem Vorbesitzer der H\u00f6hle, zum Beispiel der Hohltaube, die tats\u00e4chlich den Kot der Jungen nicht aus dem Nest bef\u00f6rdert.<\/p>\n<h2>Wanderungen<\/h2>\n<p>Die Nominatform ist fast in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet Zugvogel, ihre Haupt\u00fcberwinterungsgebiete liegen im Savanneng\u00fcrtel s\u00fcdlich der Sahara. In Ostafrika \u00fcberwintert die Art in H\u00f6henstufen bis zu 3500 Metern. Kleine, vor allem s\u00fcdwesteurop\u00e4ische Populationen (S\u00fcdspanien, Balearen sowie Sizilien) \u00fcberwintern im Brutgebiet. Zum Teil erfolgreiche \u00dcberwinterungen werden in S\u00fcdengland regelm\u00e4\u00dfig, in S\u00fcdschweden sowie in Mitteleuropa gelegentlich festgestellt.<\/p>\n<p>In Mitteleuropa beginnt der Abzug bereits Ende Juli mit einem Wegzugsgipfel Mitte August. Wiedehopfe ziehen meistens einzeln und w\u00e4hrend der Nachtstunden. Offenbar werden die Alpen, das Mittelmeer und zumindest gelegentlich auch die Sahara in ihrer gesamten Breite ohne Umgehungsstrategien \u00fcberflogen. Im Himalayagebiet wurden ziehende Wiedehopfe in H\u00f6hen von ann\u00e4hernd 7000 Metern beobachtet.<\/p>\n<p>Die ersten Heimzieher erreichen ihre europ\u00e4ischen Brutpl\u00e4tze Mitte M\u00e4rz, im letzten Aprildrittel sind die europ\u00e4ischen Brutpl\u00e4tze in der Regel besetzt. Relativ h\u00e4ufig wurde bei Heimziehern Zugprolongation festgestellt, sodass auch im Fr\u00fchjahr \u00e4hnlich der nachbrutlichen Dismigration der Jungv\u00f6gel einzelne Individuen in hochnordischen Gebieten erscheinen. Die Weibchen weisen eine bedeutend ausgepr\u00e4gtere Brutplatztreue als die M\u00e4nnchen auf.<\/p>\n<p>\u00dcber die Zuggewohnheiten der au\u00dfereurop\u00e4ischen, insbesondere der asiatischen Populationen sind keine genauen Daten bekannt. (2007\/08 \u00fcberwinterte ein Irrgast nahe Lachendorf in der L\u00fcneburger Heide.) Die n\u00f6rdlicheren Populationen der Unterart <em>U. e. longirostris<\/em> \u00fcberwintern in S\u00fcdindien und in Sri Lanka. Die afrikanischen Unterarten sind Standv\u00f6gel, streichen jedoch au\u00dferhalb der Brutzeit weitr\u00e4umig umher.<\/p>\n<p>Die Dismigrationsfl\u00fcge junger Wiedehopfe k\u00f6nnen \u00fcber weite Distanzen erfolgen. So gelangen junge Wiedehopfe regelm\u00e4\u00dfig nach Finnland, Schottland und auf die Orkneys. Auch von Island gibt es eine Reihe von Nachweisen.<\/p>\n<h2>Bestand und Bestandsentwicklung<\/h2>\n<p>In Europa war der Wiedehopf bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts ein in manchen Gebieten h\u00e4ufiger Brutvogel. Verschiedene Faktoren (st\u00e4rker atlantisch beeinflusstes Klima, Biotopzerst\u00f6rung und zunehmender Pestizideintrag) l\u00f6sten einen starken Areal- und Bestandsr\u00fcckgang aus. Viele fr\u00fcher regelm\u00e4\u00dfig besetzte Brutgebiete in Gro\u00dfbritannien, S\u00fcdskandinavien, Belgien und den Niederlanden sowie im gesamten Mitteleuropa wurden aufgegeben. In den letzten Jahren ist ein besonders deutlicher Bestandsr\u00fcckgang in Ostgriechenland und in der T\u00fcrkei feststellbar.<\/p>\n<p>Zurzeit scheinen sich einige Kleinpopulationen in S\u00fcdengland und S\u00fcdschweden wieder etwas zu erholen. In manchen Gebieten Mitteleuropas d\u00fcrfte die Art von der intensivierten Pferdehaltung profitieren. In Gesamteuropa wird der Bestand, der insgesamt als gesichert gilt, auf fast eine Million Brutpaare gesch\u00e4tzt. In den Niederlanden, Belgien und Luxemburg gilt der Wiedehopf als ausgestorben, in Deutschland, der Schweiz, in Tschechien sowie in \u00d6sterreich erscheint er auf den Roten Listen, meistens in den h\u00f6chsten Gef\u00e4hrdungsstufen. In Deutschland wurden 2005 nur 380 bis 450 Brutpaare gez\u00e4hlt. In der Schweiz wurden 2007 nur noch 185 Paare nachgewiesen.<\/p>\n<p>Die dichtesten Best\u00e4nde dieser Art in Mitteleuropa werden heute in sogenannten Sekund\u00e4rlebensr\u00e4umen, insbesondere auf Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen beziehungsweise ehemals milit\u00e4risch genutztem Gel\u00e4nde verzeichnet. In Deutschland laufen intensive Schutzma\u00dfnahmen zum Beispiel auf den ehemaligen Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen J\u00fcterbog und Lieberose.<\/p>\n<h2>Namensherleitung<\/h2>\n<p>Der deutsche Name hat weder mit <em>Wiede<\/em> noch mit <em>h\u00fcpfen<\/em> oder, wie trivialetymologisch ebenfalls oft vermutet wird, mit <em>Schopf<\/em> etwas zu tun. Am wahrscheinlichsten ist ein althochdeutsches, lautmalerisches <em>w\u016bth\u016bp<\/em> als Ursprung anzunehmen. Die ahd. Bezeichnung ist jedoch bereits <em>wituhopfa<\/em> (mhd. <em>wit(e)hopfe, widhopfe<\/em>, as. <em>widohoppa<\/em>), in dem ein altes Wort f\u00fcr \u201eHolz, Baum\u201c (vgl. ae. <em>widu, wudu<\/em>, anord. <em>vi\u00f0r<\/em>, air. <em>fid<\/em>) enthalten ist, m\u00f6glicherweise schon in dieser Zeit volksetymologisch.<\/p>\n<p>Der wissenschaftliche Gattungsname ist ebenfalls onomatopoetischer Natur; <em>epops<\/em> ist der altgriechische Name des Vogels, <em>upupa<\/em> der lateinische. Weitere etymologisch anschlie\u00dfbare deutsche Namen sind <em>Hoppevogel<\/em>, <em>Puvogel<\/em> sowie das schlesisch\/ostpreu\u00dfische <em>Huppup<\/em> (vgl.a. ndl. <em>hop<\/em>, afr. <em>hoephoep<\/em>, engl. <em>hoopoe<\/em> und frz. <em>huppe<\/em>) und das niedersorbische <em>Hubbatz\/hupac<\/em>. Die Herleitung der Schlachtrufe \u201eHipp hipp\u201c bzw. \u201eHup hup\u201c oder \u201eHopp hopp\u201c (im englischen, niederl\u00e4ndischen und deutschen Sprachraum) aus dem Ruf des Wiedehopfes ist zwar weit verbreitet, aber m\u00f6glicherweise ebenso volksetymologisch.<\/p>\n<p>In den <em>Metamorphosen<\/em> des Ovid verwandelt sich der Thrakerk\u00f6nig Tereus in einen Wiedehopf. Diese Erz\u00e4hlung, die sich im 6. Buch der Metamorphosen findet, gilt als eine der grausamsten. Hier wird auch auf die Form des Schnabels hingewiesen, die einem Schwert gleicht: \u201e<em>facies armata videtur<\/em>\u201c (6. Buch, Vers 674).<\/p>\n<p>Der Wiedehopf ist K\u00f6nig der V\u00f6gel in Aristophanes&#8216; <em>Die V\u00f6gel<\/em> und ihr Anf\u00fchrer in Fariduddin Attars Epos <em>Mantiq ut-tair<\/em> (\u201eDie Vogelgespr\u00e4che\u201c). Letzteres wurde dadurch inspiriert, dass der Koran den Wiedehopf als Bote zwischen Sulaim\u0101n (Salomon) und der K\u00f6nigin von Saba erw\u00e4hnt (Koran 27:20+28). Dies hat ihm in islamischen L\u00e4ndern Wertsch\u00e4tzung und im Persischen unter anderem den Namen &#8222;Salomonvogel&#8220; (persisch <em>morgh-e Soleym\u0101n<\/em>) eingebracht.<\/p>\n<p>Der mittelalterliche Dichter Heinrich von dem T\u00fcrlin stellt in seinem Roman <em>Diu Cr\u00f4ne<\/em> den Wiedehopf als b\u00f6se der guten Lerche gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Otto von Loeben l\u00e4sst in seiner Parodie <em>Reise zum Parna\u00df<\/em> einen Gegner der Romantik (bei dem es sich wohl um Christian Friedrich Vo\u00df handeln soll) in Gestalt eines \u201eWiedehopf auf stolzen Beinen\u201c auftreten.<\/p>\n<p>Ber\u00fchmt ist auch das Gedicht \u00fcber den Hoppevogel in Joseph von Eichendorffs <em>Aus dem Leben eines Taugenichts<\/em>:<\/p>\n<dl>\n<dd><em>Wenn der Hoppevogel schreit,<\/em><\/dd>\n<dd><em>Ist der Tag nicht mehr weit.<\/em><\/dd>\n<dd><em>Wenn die Sonne sich aufthut,<\/em><\/dd>\n<dd><em>Schmeckt der Schlaf noch so gut! \u2013<\/em><\/dd>\n<\/dl>\n<p>Er versinnbildlicht hier die von Eichendorff mehrfach kritisierte gottferne Dichtung. Der Wiedehopf galt ja gleich in zweierlei Hinsicht als s\u00fcndhaft: wegen seines unsauberen Nestes und des unangenehmen Geruchs versinnbildlicht er falschen Glauben und Unzucht, wegen seines pr\u00e4chtigen Federkleides hingegen besonderen Hochmut. In Eichendorffs Werken finden sich mehrfach Gestalten, die eine schlechte oder falsche Dichtung verk\u00f6rpern, die den Schlachtruf \u201eHup Hup\u201c aussto\u00dfen.<\/p>\n<p>In Achim von Arnims \u201eDie Kronenw\u00e4chter\u201c beschimpft Anton die religi\u00f6sen Schw\u00e4rmer, die die alte Stadtkirche verw\u00fcsten wollen, mit den Worten: \u201eIhr Wiedehopfe, die ihr euer eignes Nest besudelt\u201c.<\/p>\n<p>Der Wiedehopf ist zudem Titelheld einer Oper von Hans Werner Henze, <em>L&#8217;Upupa und der Triumph der Sohnesliebe<\/em> (2000\u201303, UA 2003).<\/p>\n<p><em>Wiedehopf im Mai<\/em> (1967) war die deutsche Version des Liedes <em>Puppet on a string<\/em> von Sandie Shaw. Darin hei\u00dft es: <em>Wenn du wieder kommst, dann sing&#8216; ich, dann spring&#8216; ich zur T\u00fcr wie ein Wiedehopf im Mai.<\/em><\/p>\n<p>Siehe auch das alte Volkslied <em>Die Vogelhochzeit<\/em>: &#8222;Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der bringt der Braut nen Blumentopf&#8220;.<\/p>\n<p>Der Wiedehopf ist als gemeine Figur ein Wappentier in der Heraldik. Er wird in der Seitenansicht gezeigt und die Hauptblickrichtung ist nach heraldisch rechts. Oft erfolgt die Darstellung leicht stilisiert in den nat\u00fcrlichen Farben, aber auch gelb oder Gold ist m\u00f6glich. Wichtig ist die Hervorhebung der Fl\u00fcgel und des Federkammes, um ihn eindeutig zu erkennen. Der Vogel wird auf einer Sitzgelegenheit (Zweig, Ast) abgebildet.<\/p>\n<p>Auf dem Brechtener Wappen ist ein Wiedehopf abgebildet. \u00dcber dem nur unten in blau-rot gespaltenen Wappen von Brechten sind im oberen goldenen Teil zwei Wiedehopfe in naturnaher Farbe dargestellt. Sie werden als Sinnbild der beiden Ortsteile Unter- und Oberdorf angesehen. Unten sind zwei goldene Strohgarben. Auch das Wappen der Gemeinde Armstedt f\u00fchrt in Rot einen auf einem goldenen Ast sitzenden goldenen Wiedehopf. Auf goldenem Grund einen stehenden schwarz-roten Wiedehopf mit leicht ge\u00f6ffnetem silbernem Schnabel, silbernen F\u00fc\u00dfen, gestr\u00e4ubter Haube und erhobenen Fl\u00fcgeln zeigt das Ortswappen von Kukti\u0161k\u0117s (Litauen).<\/p>\n<h2>Sonstiges<\/h2>\n<ul>\n<li>Wiedehopfe gelten in einigen Kulturkreisen als eine unreine, stinkende Vogelart (siehe oben: <em>Feindverhalten<\/em>). Die im Deutschen gebr\u00e4uchlichen Redewendungen \u201e<em>stinken wie ein Wiedehopf<\/em>\u201c bzw. \u201e<em>Das riecht wie Hubbatz!<\/em>\u201c weisen darauf hin.<\/li>\n<li>Der Wiedehopf wurde in Deutschland Vogel des Jahres 1976.<\/li>\n<li>Am 29. Mai 2008 wurde der Wiedehopf in Israel zum Nationalvogel gew\u00e4hlt.<\/li>\n<li>Der Name des Zyklon Hudhud, der im Oktober 2014 auf Indien traf, leitet sich von dem Vogel ab<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto:Mihai Baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wiedehopf (Upupa epops) ist die einzige Art oder nach anderer Auffassung eine von mehreren Arten aus der Vogelfamilie der Wiedehopfe (Upupidae). Die Wiedehopfe werden gemeinsam mit der etwas artenreicheren Familie der Baumhopfe (Phoeniculidae) in die Ordnung der Bucerotiformes gestellt. Die Zuordnung zu den Rackenv\u00f6geln (Coraciiformes) ist nicht mehr \u00fcblich. 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