{"id":2900,"date":"2013-12-09T17:42:51","date_gmt":"2013-12-09T15:42:51","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/turkentaube-streptopelia-decaocto\/"},"modified":"2013-12-09T17:55:41","modified_gmt":"2013-12-09T15:55:41","slug":"turkentaube-streptopelia-decaocto","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/turkentaube-streptopelia-decaocto\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkentaube (Streptopelia decaocto)"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>T\u00fcrkentaube<\/strong> (<em>Streptopelia decaocto<\/em>) ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae). Sie hat ihren Namen deshalb, weil die Art erst seit den 1930er Jahren aus S\u00fcdosten nach Mittel- und inzwischen auch nach Nord- und Westeuropa eingewandert ist.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkentaube ist 31 bis 33 cm lang und damit etwa so gro\u00df wie die Stadttaube. Sie ist jedoch leichter und langschw\u00e4nziger und wirkt daher schlanker und zierlicher. Ihre Fl\u00fcgelspannweite betr\u00e4gt 47 bis 55 cm und sie wird 150 bis 200 Gramm schwer. Das Gefieder ist einheitlich hell-beigebraun, nur die Fl\u00fcgelspitzen sind etwas dunkler, der Kopf und die Unterseite etwas heller. Das r\u00f6tliche Auge hat einen schmalen wei\u00dfen Augenring. Auff\u00e4lligstes Merkmal ist der schwarze Nackenring. Die Geschlechter sehen gleich aus.<\/p>\n<p>T\u00fcrkentauben sind Kulturfolger. Sie stammen urspr\u00fcnglich aus Asien, aber da sie auch in n\u00f6rdlicheren Bereichen Europas durch Landwirtschafts- und Hausabf\u00e4lle ein immer besseres Nahrungsangebot vorfanden, dehnten sie sich im Laufe des letzten Jahrhunderts \u00fcber ganz Europa aus. Inzwischen dringen sie weiter nach Nordosten vor. Ihr Vordringen in der Mitte des letzten Jahrhunderts konnte detailliert beobachtet und aufgezeichnet werden.<\/p>\n<p>Sie haben sich nun als Standv\u00f6gel etabliert und leben in Parks und G\u00e4rten, immer in der N\u00e4he von Siedlungen, gerne in ruhigen Wohngebieten, in denen es ein paar Nadelb\u00e4ume gibt. Letztere brauchen sie, da sie bevorzugt in Nadelb\u00e4umen br\u00fcten. Sie sind nicht sehr scheu.<\/p>\n<h2>Ausbreitung im 20. Jahrhundert<\/h2>\n<p>Das urspr\u00fcngliche Verbreitungsgebiet der T\u00fcrkentaube reichte von der europ\u00e4ischen T\u00fcrkei bis nach Japan (sie ist das Wappentier der japanischen Pr\u00e4fektur Saitama).<\/p>\n<p>In den 1930er Jahren begann die spektakul\u00e4re Ausbreitung der T\u00fcrkentauben nach Europa. Sie erreichten im Jahr 1947 Wien, 1949 die Niederlande, 1950 Belgien, Schweden und das Elsass. 1956 wurde das erste Paar T\u00fcrkentauben in der britischen Grafschaft Norfolk beobachtet. Bereits 1960 gab es Bruten in Schottland, Wales und Irland und 1966 Bruten in jedem britischen Landkreis.<\/p>\n<p>Sie breiten sich weiter nach Westen und Osten aus, in einigen Bereichen auch noch nach Norden; die Vorsto\u00dfgeschwindigkeit hat sich aber deutlich verlangsamt, viele der suboptimalen Bruthabitate wurden wieder ger\u00e4umt. Da die Taube in einigen Staaten jagdbares Wild ist, spielt auch der Abschuss als bestandslimitierender Faktor eine Rolle. Im Jahr 1970 wurden sie auf den Bahamas zuf\u00e4llig eingef\u00fchrt und besiedelten von dort 1982 Florida. Bis zum Jahr 1999 sind sie in 22 Staaten der USA nachgewiesen worden und sie breiten sich weiter aus.<\/p>\n<h3>Die Nordwestausbreitung<\/h3>\n<figure class=\"wt-figure\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-streptopelia-decaocto-expansion.png\" alt=\"Streptopelia decaocto expansion\" width=\"960\" height=\"949\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-streptopelia-decaocto-expansion-150x150.png 150w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-streptopelia-decaocto-expansion-300x297.png 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-streptopelia-decaocto-expansion-768x759.png 768w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-streptopelia-decaocto-expansion.png 960w\" sizes=\"auto, 960px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42809 wt-image\" \/><figcaption class=\"wt-credit\">Die Ausbreitung der Art seit 1900 \u00b7 NordNordWest \u2014 CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Streptopelia_decaocto_expansion.png\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">source<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der fr\u00fchere Erkl\u00e4rungsansatz einer populationsabh\u00e4ngigen Dismigration der Taube wird heute zunehmend zugunsten einer genetischen Erkl\u00e4rung fallen gelassen. Auswertungen historischer Quellen ergaben f\u00fcr den Beginn der Expansion in den Quellgebieten der Art in Kleinasien eine ziemlich geringe Population, zum Teil wird sogar von einem Populationszusammenbruch gesprochen.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser Population scheint die Veranlagung zu weiter Dismigration vor allem in Nordwestrichtung \u00fcberproportional hoch gewesen zu sein. Diese Eigenschaften etablierten sich in zunehmendem Ma\u00dfe, da sich immer h\u00e4ufiger Tiere mit diesen genetischen Dispositionen paarten. Diese Gendrift-Hypothese wird vor allem durch folgende Fakten unterst\u00fctzt:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Expansion verlief kontinuierlich und nicht in Wellen. Das hei\u00dft, die Expansionsfront schritt voran, bevor alle geeigneten Habitate besiedelt waren und die neuen Populationen eine gewisse Dichte erreicht hatten.<\/li>\n<li>Die Richtung war durchgehend Nordwest und wurde auch nach Erreichen der Nordsee und \u00dcberspringen des \u00c4rmelkanals auf den Britischen Inseln beibehalten.<\/li>\n<li>Dennoch bedeutet das Erreichen der Nordsee (und sp\u00e4ter der Ostsee) f\u00fcr die genetisch determinierten Nordwestmigranten einen Nachteil, was zur relativ raschen Eliminierung der Tr\u00e4ger dieser Disposition, zu ungerichteter Dispersion sowie zu einer Verlangsamung der Ausbreitung f\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Ern\u00e4hrung<\/h2>\n<p>T\u00fcrkentauben ern\u00e4hren sich von Samen, Getreide und Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Ihr Nest ist wie das der meisten Tauben nur d\u00fcrftig, besteht nur aus wenigen Halmen und Zweigen und wird meist hoch oben in B\u00e4umen gebaut. Es werden 1\u20132 Eier ausgebr\u00fctet. Nach 13 oder 14 Tagen schl\u00fcpfen die Jungen. T\u00fcrkentauben br\u00fcten oft mehrmals hintereinander, da sie oft hohe Verlustraten durch Pr\u00e4datoren (Beutegreifer) (Katzen, Elstern, Eichelh\u00e4her oder Eichh\u00f6rnchen) haben. Jungv\u00f6geln fehlt der schwarze Nackenring.<\/p>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto : Mihai Baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkentaube (Streptopelia decaocto) ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae). Sie hat ihren Namen deshalb, weil die Art erst seit den 1930er Jahren aus S\u00fcdosten nach Mittel- und inzwischen auch nach Nord- und Westeuropa eingewandert ist. Die T\u00fcrkentaube ist 31 bis 33 cm lang und damit etwa so gro\u00df wie die Stadttaube. 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