{"id":2782,"date":"2013-12-04T09:29:28","date_gmt":"2013-12-04T07:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/schwarzmilan-milvus-migrans\/"},"modified":"2013-12-04T13:13:47","modified_gmt":"2013-12-04T11:13:47","slug":"schwarzmilan-milvus-migrans","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/schwarzmilan-milvus-migrans\/","title":{"rendered":"Schwarzmilan (Milvus migrans)"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>Schwarzmilan<\/strong> oder <strong>Schwarzer Milan<\/strong> (<em>Milvus migrans<\/em>) ist ein etwa m\u00e4usebussardgro\u00dfer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (<em>Accipitridae<\/em>). Im Gegensatz zum nahe verwandten Rotmilan (<em>Milvus milvus<\/em>), dessen Brutgebiet sich im Wesentlichen auf Europa beschr\u00e4nkt, hat der Schwarzmilan ein riesiges Verbreitungsgebiet, das neben gro\u00dfen Teilen der Pal\u00e4arktis weite Bereiche des indomalaiischen Faunengebietes sowie Australasien einschlie\u00dft. Entsprechend dieser weitr\u00e4umigen Verbreitung werden bis zu zw\u00f6lf Unterarten beschrieben, von denen nunmehr vier als allgemein anerkannt gelten.<\/p>\n<p>Die beiden gelbschnabeligen, in Afrika beheimateten Unterarten <em>Milvus migrans aegyptius<\/em> und <em>Milvus migrans parasitus<\/em> wurden k\u00fcrzlich als eigenst\u00e4ndige Art <em>Milvus aegyptius<\/em> von <em>Milvus migrans<\/em> abgetrennt.<\/p>\n<p>Schwarzmilane sind wenig kontrastreiche, ziemlich einheitlich dunkelbraun gef\u00e4rbte, mittelgro\u00dfe Greifv\u00f6gel, bei denen sich nur die helleren Kopf-, Kehl- und Nackenpartien sowie ein helles Band auf dem Oberfl\u00fcgel deutlich von der \u00fcbrigen Gefiederf\u00e4rbung absetzen.<\/p>\n<p>Schwarzmilane sind fr\u00fchestens im f\u00fcnften Lebensjahr ausgef\u00e4rbt. Kopf- und Halspartien sind dann hellgrau, zuweilen, insbesondere bei V\u00f6geln im letzten \u00dcbergangskleid, auch leicht gelblich \u00fcberhaucht. Deutlich ist eine dunkle Strichelung des Kopfgefieders zu erkennen, die sich im Hals- und oberen Brustbereich verst\u00e4rkt. Der R\u00fccken ist einheitlich matt dunkelbraun. Das Brust- und Bauchgefieder ist etwas heller, h\u00e4ufig auch deutlich rostbraun gef\u00e4rbt. Die Steuerfedern sind oberseits graubraun und unterseits br\u00e4unlich bis zimtfarben.<\/p>\n<figure class=\"wt-figure\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schwanz-milane.jpg\" alt=\"Schwanz-Milane\" width=\"559\" height=\"300\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schwanz-milane-150x150.jpg 150w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schwanz-milane-300x161.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schwanz-milane.jpg 559w\" sizes=\"auto, 559px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42769 wt-image\" \/><figcaption class=\"wt-credit\">Halbgef\u00e4cherter Schwanz: Schwarzmilan (links) und Rotmilan (rechts) \u00b7 Unknown author \u2014 CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Schwanz-Milane.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">source<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Schwanz ist nur schwach gegabelt, ausgef\u00e4chert wirkt er dreieckig. Eine dunkle B\u00e4nderung ist nur angedeutet und lediglich aus der N\u00e4he zu erkennen. Die gro\u00dfen und kleinen Armdecken weisen meist die F\u00e4rbung des Brustgefieders auf und kontrastieren recht deutlich mit den dunklen, fast schwarzen Arm- und Handschwingen. Die Beine ausgef\u00e4rbter V\u00f6gel sind gelb, die Krallen schwarz. Der Oberschnabel ist ebenfalls schwarz, der Unterschnabel gelblich. Die Wachshaut ist leuchtend gelb. Fr\u00fchestens mit sieben Jahren wechselt die Irisfarbe der Schwarzmilane von Braun ins alterstypische Gelb.<\/p>\n<p>Die langen und schmalen, im Carpalgelenk auff\u00e4llig gewinkelten Fl\u00fcgel enden in sechs (bei manchen Jungv\u00f6geln f\u00fcnf) deutlich erkennbaren, tief gefingerten Handschwingen. Eine dunkle Zeichnung im Bereich des Carpalgelenks ist bei einigen Unterarten recht deutlich vorhanden, fehlt bei anderen aber fast v\u00f6llig. Der Schwarzmilan fliegt sehr elegant mit flachen, relativ schnellen Fl\u00fcgelschl\u00e4gen. Er segelt und gleitet oft, wobei die Fl\u00fcgel im Gegensatz zu denen des Rotmilans in derselben Flugposition nicht \u00fcber der Horizontalen geknickt, sondern leicht abw\u00e4rts gerundet sind. Auff\u00e4llig ist auch das andauernde Verwinden, F\u00e4chern und Falten des Schwanzes, das nur beim Rotmilan noch st\u00e4rker ins Auge f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Frisch ausgeflogene Jungv\u00f6gel weisen zwar wie ausgef\u00e4rbte einen deutlich helleren Kopf- und Brustbereich auf, doch \u00fcberwiegen bei Jungv\u00f6geln helle Zimt- oder Beiget\u00f6ne im Gegensatz zu der wei\u00dfgrauen F\u00e4rbung dieser K\u00f6rperpartien bei den Altv\u00f6geln. Die Iris ist noch mittelbraun, die Krallen sind schiefergrau. Insgesamt ist das Jugendgefieder etwas heller und vor allem auf der K\u00f6rperoberseite kontrastreicher gef\u00e4rbt.<\/p>\n<p>Die Geschlechter unterscheiden sich in der F\u00e4rbung nicht. Auch der bei vielen Greifv\u00f6geln deutliche reverse Geschlechtsdimorphismus ist nur schwach ausgepr\u00e4gt. Weibchen sind maximal 6 % gr\u00f6\u00dfer und bis zu 17 % schwerer als M\u00e4nnchen.<\/p>\n<h2>Ma\u00dfe und K\u00f6rpermasse <\/h2>\n<p>Die K\u00f6rperl\u00e4nge ausgewachsener V\u00f6gel variiert je nach Unterart und Geschlecht zwischen 46 und 66 Zentimetern, die Spannweite zwischen 120 und 153 Zentimetern. M\u00e4nnchen der kleinsten und auch leichtesten Unterart <em>M. m. affinis<\/em> wiegen etwa 500 Gramm, die der gr\u00f6\u00dften Unterart <em>M. m. lineatus<\/em> etwa 850 Gramm. Die schwersten <em>Lineatus<\/em>-Weibchen k\u00f6nnen \u00fcber 1000 Gramm wiegen.<\/p>\n<h2>Stimme<\/h2>\n<p>Schwarzmilane sind sehr stimmbegabt und auch au\u00dferhalb der Balzzeit akustisch auff\u00e4llig. Die Hauptrufe sind in Tonlage und Ausdruck \u00e4u\u00dferst variabel, so dass sie sich kaum transkribieren lassen. Je nach Stimmung kann es sich um sanfte, melodi\u00f6se Triller, um ein m\u00f6wenartiges, leicht verdrie\u00dflich klingendes Miauen oder sogar um wiehernde Rufe handeln. H\u00e4ufig singen Schwarzmilane im Duett.<\/p>\n<ul>\n<li><a class=\"external text\" href=\"http:\/\/ibc.lynxeds.com\/sound\/black-kite-milvus-migrans\/typical-call-chilll\" rel=\"nofollow\">Stimmbeispiel<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Systematik<\/h2>\n<p>Die Anzahl der Unterarten schwankt je nach Lehrmeinung betr\u00e4chtlich. Insgesamt wurden bisher zw\u00f6lf Unterarten beschrieben, von denen sechs allgemeine Anerkennung finden. Gelegentlich wird die Unterart <em>M. m. lineatus<\/em> als eigenst\u00e4ndige Art <em>Milvus lineatus<\/em>, Schwarzohrmilan, klassifiziert, doch wird diese systematische Einsch\u00e4tzung durch neuere DNA-Analysen nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu zeigen die afrotropischen Unterarten eine vergleichsweise gro\u00dfe verwandtschaftliche Entfernung zu den Subspecies der Pal\u00e4arktis, sodass ihre Stellung als Art <em>Milvus aegyptius<\/em> ssp. molekularbiologisch best\u00e4tigt zu werden scheint. Diese Abtrennung wurde k\u00fcrzlich vollzogen, sodass die beiden afrikanischen Unterarten nun als <em>Milvus aegyptius<\/em> Artstatus haben. F\u00fcr sie scheint sich der englische Trivialname Yellow-billed Kite durchzusetzen; ein entsprechender deutscher Name (Gelbschnabelmilan?) ist noch nicht etabliert.<\/p>\n<p>In den Kontaktzonen hybridisieren offenbar alle Unterarten und bringen intermedi\u00e4r gef\u00e4rbte Nachkommen hervor, die verschiedentlich als Unterarten (<em>tienschanicus<\/em>, <em>ferghanensis<\/em>, <em>formosanus<\/em> u. a.) gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3>Verbreitung der Unterarten<\/h3>\n<figure class=\"wt-figure\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-milvus-migrans-distr-new.png\" alt=\"Milvus migrans distribution new\" width=\"960\" height=\"761\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-milvus-migrans-distr-new-150x150.png 150w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-milvus-migrans-distr-new-300x238.png 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-milvus-migrans-distr-new-768x609.png 768w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-milvus-migrans-distr-new.png 960w\" sizes=\"auto, 960px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42905 wt-image\" \/><figcaption class=\"wt-credit\">Verbreitung:SommervogelJahresvogelAusschlie\u00dflich WinterquartiereMilvus aegyptiusIn Afrika, Indien und S\u00fcdostasien \u00fcberlappen die Brutgebiete der dort residenten Arten\/Unterarten mit den Winterquartieren weiter n\u00f6rdlich br\u00fctender Unterarten. Dies wurde nicht dargestellt. \u00b7 Ulrich prokop \u2014 CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Milvus_migrans_distr_new.png\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">source<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Milvus migrans migrans<\/em> (BODDAERT 1783): Die Nominatform br\u00fctet im gr\u00f6\u00dften Teil Europas. Die Nordwestgrenze der geschlossenen Verbreitung verl\u00e4uft durch Nordfrankreich, Nordbelgien und Nordwestdeutschland. Westlich und n\u00f6rdlich dieser Linie sind Brutvorkommen selten und unstet. Einzelbruten wurden in den Niederlanden (1984 und 1996) und in Norwegen festgestellt. In Nordschweden besteht unregelm\u00e4\u00dfig ein kleines isoliertes Brutvorkommen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4rlich und in den \u00f6stlichen Landesteilen r\u00fcckl\u00e4ufig sind die Vorkommen in \u00d6sterreich sowie in Tschechien, auch in Polen, der Ukraine sowie auf dem Balkan ist der Schwarzmilan nur l\u00fcckenhaft vertreten. Auch auf Zypern und Sizilien kommt <em>M. m. migrans<\/em> als Brutvogel vor, fehlt aber auf den anderen Mittelmeerinseln.<\/p>\n<p>In Asien f\u00e4llt die Nordgrenze der Verbreitung etwa mit der Grenze des geschlossenen Nadelwaldg\u00fcrtels zusammen. Nach Osten reichen die Vorkommen \u00fcber den Ural hinaus, wo eine breite Kontaktzone zu <em>M. m. lineatus<\/em> besteht. Die s\u00fcdliche Verbreitungsgrenze liegt im Atlasgebiet und zieht sich nach Westen \u00fcber die T\u00fcrkei, den Nahen Osten, Iran und Afghanistan bis ins Himalayagebiet fort, wo die Nominatform mit <em>M. m. govinda<\/em> in Kontakt kommt. Im Norden der Arabischen Halbinsel besteht eine Kontaktzone zu <em>M. m. aegyptius<\/em>.<\/p>\n<p><em>M. m. lineatus<\/em> (GREY 1831): Dies ist die gr\u00f6\u00dfte und auch die schwerste Unterart. Die bei <em>M. m. migrans<\/em> grauwei\u00dfen Kopf- und Halspartien sind bei dieser Unterart hellbraun, der Schwanz ist leicht rostbraun. Auffallend ist ein schwarzer Fleck im Ohrbereich, nach dem diese Unterart im Deutschen auch \u201eSchwarzohrmilan\u201c genannt wird. Im Bereich des Carpalgelenks ist ein deutlicher heller, fast wei\u00dfer Fleck erkennbar. Die F\u00e4rbung der Iris scheint von Braun im h\u00f6heren Alter nicht nach Gelb zu wechseln. Diese Unterart ist dem Rotmilan am \u00e4hnlichsten. Einige Wissenschaftler f\u00fchren sie als eigene Art <em>Milvus lineatus<\/em>.<\/p>\n<p>Die Brutvorkommen von <em>M. m. lineatus<\/em> schlie\u00dfen \u00f6stlich des Ural an die der Nominatform an und reichen bis an die pazifische K\u00fcste. Die Nordgrenze der Brutverbreitung pendelt um 65 Grad Nord, \u00fcberschreitet aber am Mittellauf der Jana deutlich den N\u00f6rdlichen Polarkreis. Im Osten br\u00fctet die Unterart bis auf Sachalin auf fast allen Inseln in den Randmeeren des nordwestlichen Pazifiks, einschlie\u00dflich der Japanischen Inselgruppe. Nach S\u00fcden ist <em>M. m. lineatus<\/em> bis an den n\u00f6rdlichen Rand des Himalayas verbreitet, weiter ostw\u00e4rts liegen die Kontaktzonen zu <em>M. m. govinda<\/em> im n\u00f6rdlichen Indochina. Auch S\u00fcdostchina, einschlie\u00dflich der Insel Hainan geh\u00f6rt zum Brutgebiet dieser Unterart, wo er weitgehend Standvogel ist.<\/p>\n<p><em>M. m. govinda<\/em> (SYKES 1832): Diese Unterart ist kleiner als die Nominatform und insgesamt kontrastarm graubraun, manchmal auch schmutzig sandfarben gef\u00e4rbt. Das Kopfgefieder hat einen r\u00f6tlichbraunen Anflug, die schwarzen Schaftzeichnungen sind meistens deutlich erkennbar. Auch die Wei\u00dfzeichnung der Fl\u00fcgelunterseite im Bereich der Handschwingenbasen ist markant.<\/p>\n<p><em>M. m. govinda<\/em> kommt in weiten Bereichen Pakistans, auf dem Indischen Subkontinent, im Nordteil Sri Lankas, ostw\u00e4rts \u00fcber Myanmar und Thailand bis nach Malaysia vor.<\/p>\n<p><em>M. m. affinis<\/em> (GOULD 1838). Die kleinste Unterart weist ein relativ einheitliches dunkelbraunes Erscheinungsbild auf. Im Schulterbereich ist die Gefiederf\u00e4rbung heller, sodass sich auf der Fl\u00fcgeloberseite ein deutlicher Diagonalstreifen abzeichnet.<\/p>\n<p>Diese Unterart br\u00fctet auf Sulawesi und vielen der Kleinen Sundainseln, wie auf Lombok, Sumba und Timor. Weiters kommt sie im Nordostteil Neuguineas sowie weitr\u00e4umig in Australien vor.<\/p>\n<p><em>M. m. aegyptius<\/em> (GMELIN 1788): Die V\u00f6gel dieser Subspezies sind etwas kleiner als europ\u00e4ische Exemplare der Nominatform. Das Gefieder ist r\u00f6tlichbraun, auf dem zimtfarbenen Schwanz k\u00f6nnen sich einige schmale hellere Binden abzeichnen. Das wei\u00dfe Fl\u00fcgelfeld im Bereich des Handgelenks ist relativ deutlich. Der Schnabel der unterseits gefleckten Jungv\u00f6gel ist bis zum dritten Lebensjahr schwarz und wechselt dann in das f\u00fcr die beiden afrikanischen Unterarten typische Gelb.<\/p>\n<p>Die Vorkommen beginnen auf dem Sinai und ziehen sich entlang des Niltals und der \u00f6stlichen K\u00fcstenbereiche des Roten Meeres nach S\u00fcden. Auch in Somalia, \u00c4thiopien sowie wahrscheinlich in einigen K\u00fcstenabschnitten Kenias ist diese Unterart Brutvogel. Die Brutv\u00f6gel auf der s\u00fcdlichen Arabischen Halbinsel (gelegentlich als <em>M. m. arabicus<\/em> klassifiziert) haben k\u00fcrzere Fl\u00fcgel und individuell schwarze oder gelbe Schn\u00e4bel.<\/p>\n<p><em>M. m. parasitus<\/em> (DAUDIN 1800): Diese Unterart ist etwas kleiner als die zuvor beschriebene und relativ kontrastarm mattbraun gef\u00e4rbt. Die Unterseite ist heller und weist einen dunklen Zimtton auf. Der Schwanz ist deutlich geb\u00e4ndert, der Schnabel adulter V\u00f6gel ist immer leuchtend gelb. Die Unterart ist s\u00fcdlich der Sahara \u00fcber ganz Afrika verbreitet und br\u00fctet auch auf den Komoren und auf Madagaskar.<\/p>\n<h2>Lebensraum<\/h2>\n<p>Der Schwarzmilan gilt, wie seine deutschsprachigen Trivialnamen <em>Wassermilan<\/em> oder <em>Seemilan<\/em> belegen, als stark wassergebundene Art. Die Bevorzugung von Lebensr\u00e4umen in Wassern\u00e4he, insbesondere von baumbestandenen Seeuferabschnitten, von Aulandschaften oder von Baumreihen entlang langsam flie\u00dfender Fl\u00fcsse, ist jedoch nur bei V\u00f6geln, die in der n\u00f6rdlichen Pal\u00e4arktis br\u00fcten, stark ausgepr\u00e4gt. Die Nominatform erreicht in solchen Habitaten die gr\u00f6\u00dften Bestandsdichten und die prozentual h\u00f6chste Vermehrungsrate. Doch auch in diesen Regionen kann der Schwarzmilan wasserferne, sogar ausgesprochen trockene Regionen besiedeln, sofern ein ausreichendes Angebot an potentiellen Beutetieren sowie Baumgruppen als Niststandorte zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Bei den anderen Unterarten ist eine latente Affinit\u00e4t zu wasserreichen Lebensr\u00e4umen weniger deutlich oder gar nicht erkennbar. Allein Nahrungsangebot und geeignete Brutm\u00f6glichkeiten scheinen f\u00fcr eine erfolgreiche Ansiedlung ausschlaggebend zu sein.<\/p>\n<p>Entsprechend vielf\u00e4ltig k\u00f6nnen die besiedelten Lebensr\u00e4ume sein: Mangrovens\u00fcmpfe an Flussm\u00fcndungen werden ebenso genutzt wie Kulturlandschaften oder hochgelegene trockene Gebirgssteppen wie etwa im Altai. Einige Unterarten, insbesondere die beiden in Afrika vorkommenden, zeigen eine nahrungs\u00f6kologisch enge Bindung an den Menschen. Der Schwarzmilan siedelt dort am Rande von St\u00e4dten und ist zusammen mit einer Reihe von Vogelarten, zum Beispiel dem Kappengeier (<em>Necrosyrtes monachus<\/em>), ein Nutzer menschlicher Abf\u00e4lle. Ein weitgehend nomadisierendes Leben mit unregelm\u00e4\u00dfigen Brutzyklen in den unterschiedlichsten Lebensr\u00e4umen, die auch Randgebiete von W\u00fcsten mit einschlie\u00dfen, f\u00fchrt die australasiatische Unterart <em>M. m. affinis<\/em>.<\/p>\n<p>Der Schwarzmilan hat als Nahrungsgeneralist und Nahrungsopportunist ein weitgef\u00e4chertes Nahrungsspektrum. Er jagt lebende Beutetiere, ern\u00e4hrt sich jedoch ebenso von Aas und verschiedenen Abf\u00e4llen, wie sie etwa in Schlachth\u00e4usern oder Fischfabriken anfallen. Auch M\u00fclldeponien werden nach verwertbaren Resten abgesucht. Er kann lebende Beute bis zur Gr\u00f6\u00dfe eines kleinen Hasen und lebende Fische fast bis zu seinem Eigengewicht erbeuten und davontragen, meistens sind seine Beutetiere jedoch kleiner.<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung der Beute h\u00e4ngt vom Lebensraum der Unterart ab. In Wassern\u00e4he br\u00fctende Schwarzmilane erbeuten vor allem lebende und tote Fische. In Mittel- und Osteuropa \u00fcberwiegen dabei sehr auff\u00e4llig die Pl\u00f6tze (<em>Rutilus rutilus<\/em>) und der Brachsen (<em>Abramis brama<\/em>). Fischnahrung kann in solchen Populationen 80 Prozent des Gesamtnahrungsgewichtes erreichen.<\/p>\n<p>Daneben werden verschiedene V\u00f6gel bis zur Rebhuhngr\u00f6\u00dfe und S\u00e4ugetiere, wie Kaninchen, kleine Hasen, Ratten und M\u00e4use, erbeutet. In Trockengebieten erbeutet die Art an Lebendbeute vor allem V\u00f6gel, Reptilien, Amphibien und kleinere S\u00e4ugetiere (wie zum Beispiel Igel (Erinaceidae) und Springm\u00e4use (Dipodidae)). Tauben (Columbidae) und Kr\u00e4hen (Corvidae) k\u00f6nnen in Trockenhabitaten einen gro\u00dfen Anteil der Beutetiere ausmachen.<\/p>\n<p>Aber auch verschiedene Gro\u00dfinsekten, Regenw\u00fcrmer und Schnecken werden regelm\u00e4\u00dfig verzehrt. Vegetarische Nahrung wird im Zuge der Nutzung menschlicher Abf\u00e4lle aufgenommen. In West- und Zentralafrika bilden die Fruchtgeh\u00e4use der \u00d6lpalme (<em>Elaeis guineensis<\/em>) f\u00fcr die \u00fcberwinternden europ\u00e4ischen Schwarzmilane ebenso wie f\u00fcr die dort residenten Milane der Unterart <em>M. m. parasitus<\/em> eine wichtige vegetarische Beikost.<\/p>\n<h3>Nahrungserwerb<\/h3>\n<p>Schwarzmilane sind Suchflugj\u00e4ger. In einem langsamen, meist recht niedrigen Suchflug werden Beutetiere oder Aas ersp\u00e4ht und oft im Dar\u00fcberfliegen mitgenommen. Lebende oder tote Fische werden so von der Wasseroberfl\u00e4che aufgenommen und an einem geeigneten Ort gekr\u00f6pft. Auch V\u00f6gel wie Kr\u00e4hen, Wachteln oder Rebh\u00fchner \u00fcberrascht der Schwarzmilan meistens am Boden und tr\u00e4gt sie davon. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei Reptilien und Amphibien. Erfolgreiche Flugjagden auf V\u00f6gel wurden nur selten beobachtet, kommen aber vor.<\/p>\n<p>Am Aas erscheint der Schwarzmilan oft als erste Vogelart. Er verwertet sowohl \u00fcberfahrene Kleintiere auf Stra\u00dfen und Autobahnen als auch gemeinsam mit gro\u00dfen Greifv\u00f6geln gro\u00dfe Kadaver. <em>M. m. parasitus<\/em> und <em>M. m. govinda<\/em> haben sich zum Teil stark auf die Nutzung menschlicher Abf\u00e4lle spezialisiert und erscheinen in gro\u00dfer Zahl auf M\u00fclldeponien, auf Marktpl\u00e4tzen, in der N\u00e4he von Schlachth\u00e4usern oder Fischfabriken, also \u00fcberall dort, wo nutzbarer Abfall zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Auch Fischerboote im K\u00fcstenbereich werden von Schwarzmilanschw\u00e4rmen verfolgt. Nicht selten werden Fleischst\u00fccke oder Fische von Marktst\u00e4nden weggetragen, es wurde sogar beobachtet, dass Schwarzmilane Menschen das Sandwich aus der Hand raubten oder sich Grillfleisch vom Grill griffen. Wie andere Greifv\u00f6gel folgen Schwarzmilane den Brandfronten von Wald- und Steppenbr\u00e4nden, um die fliehenden oder bereits verendeten Tiere aufzusammeln. Auch Schw\u00e4rmen wandernder Feldheuschrecken folgen Scharen von Schwarzmilanen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig versuchen Schwarzmilane anderen V\u00f6geln ihre Beutetiere abzujagen. Insbesondere betroffen davon sind M\u00f6wen und Bussarde. M\u00f6wen, Reiher, Ibisse, St\u00f6rche und gro\u00dfe Eisv\u00f6gel werden zuweilen solange bel\u00e4stigt, bis sie bereits verschluckte Nahrung wieder ausw\u00fcrgen.<\/p>\n<h3>Allgemein- und Sozialverhalten<\/h3>\n<p>Schwarzmilane sind tagaktiv. Die ersten Beutefl\u00fcge beginnen kurz vor Sonnenaufgang. Meist schon vor Sonnenuntergang suchen sie ihre Ruhepl\u00e4tze auf. Nur bei besonders g\u00fcnstigem Nahrungsangebot, zum Beispiel bei Massenauftreten des Maik\u00e4fers, bleiben sie bis in die sp\u00e4te D\u00e4mmerung aktiv. Die Mittagsstunden werden meist zur Gefiederpflege genutzt oder d\u00f6send verbracht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Brutzeit \u00fcbernachtet das Weibchen am Horst und das M\u00e4nnchen in dessen N\u00e4he. Au\u00dferhalb der Brutsaison suchen die Milane Schlafb\u00e4ume auf, wo sich Gesellschaften bis zu mehreren hundert V\u00f6geln versammeln k\u00f6nnen. Schwarzmilane sind weitgehend gesellig und verteidigen nur die n\u00e4here Horstumgebung. Im Winterquartier sind die Zieher in der Regel nicht mit den dort residenten Unterarten vergesellschaftet, sondern bilden eigene Trupps, die weitr\u00e4umig umherstreifen.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen, zentral- und nordasiatischen V\u00f6gel verhalten sich gegen\u00fcber Menschen \u00e4u\u00dferst scheu und vorsichtig. Schon bei geringen St\u00f6rungen streichen sie vom Horst ab und kreisen in gr\u00f6\u00dferer Entfernung von ihm. S\u00fcd-, s\u00fcdostasiatische und afrikanische Milane, die nahrungs\u00f6kologisch eng an den Menschen gebunden sind, haben dort, wo sie nicht verfolgt werden, ihre Fluchtdistanzen vor Menschen bis auf wenige Meter reduziert und nisten, br\u00fcten und schlafen in seiner unmittelbaren Umgebung. Verschiedene geschichtliche Quellen berichten von stadtbr\u00fctenden Greifv\u00f6geln in europ\u00e4ischen St\u00e4dten. Es k\u00f6nnte sich dabei um Schwarzmilane gehandelt haben. Heute besteht nur mehr eine Stadtkolonie der Nominatform in Istanbul.<\/p>\n<h3>Wanderungen<\/h3>\n<p>Die Schwarzmilane der n\u00f6rdlichen Pal\u00e4arktis sind Langstreckenzieher, die der s\u00fcdlichen Pal\u00e4arktis, der Afrotropis und Ostasiens meist Standv\u00f6gel oder Kurzstreckenzieher. Die australische Unterart <em>M. m. affinis<\/em> f\u00fchrt ein nomadisches Leben ohne feste Brutzyklen und ohne festes Brutrevier. Schwarzmilane sind Thermiksegler und ziehen daher bei Tag und fast immer in gro\u00dfen Gruppen.<\/p>\n<figure class=\"wt-figure\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schleifenzug-westziehender-milvus-migrans.png\" alt=\"Schleifenzug westziehender Milvus migrans\" width=\"593\" height=\"798\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schleifenzug-westziehender-milvus-migrans-150x150.png 150w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schleifenzug-westziehender-milvus-migrans-223x300.png 223w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-schleifenzug-westziehender-milvus-migrans.png 593w\" sizes=\"auto, 593px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42773 wt-image\" \/><figcaption class=\"wt-credit\">Schleifenzug in der Schweiz beringter Milvus migrans migrans \u00b7 Unknown author \u2014 CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Schleifenzug_westziehender_Milvus_migrans.png\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">source<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Europ\u00e4ische Schwarzmilane \u00fcberwintern s\u00fcdlich der Sahara, s\u00fcdw\u00e4rts bis zur Kapprovinz, die meisten jedoch in West- und Zentralafrika n\u00f6rdlich des \u00c4quators. Die Zugdistanzen europ\u00e4ischer V\u00f6gel \u00fcberschreiten nur selten 5000 Kilometer, k\u00f6nnen aber in Einzelf\u00e4llen \u00fcber 8000 Kilometer betragen. Einzelne Schwarzmilane \u00fcberwintern auch bereits in S\u00fcdwest- und in S\u00fcdosteuropa sowie auf Sizilien. Das Mittelmeer wird in der Regel an den Meerengen \u00fcberquert, nur wenige Individuen w\u00e4hlen die Schmalstelle Sizilien-Cap Bon oder ziehen entlang der Balkanroute \u00fcber die \u00e4g\u00e4ische Inselbr\u00fccke. Die Sahara wird in breiter Front \u00fcberflogen.<\/p>\n<p>Westasiatische <em>M. m. migrans<\/em> und <em>M. m. lineatus<\/em> gelangen \u00fcber die Arabische Halbinsel und das Rote Meer ins ost- bis s\u00fcdafrikanische \u00dcberwinterungsgebiet. Die zentralasiatischen Schwarzmilane \u00fcberwintern im s\u00fcdlichen Iran, in S\u00fcdpakistan sowie in Mittel- und S\u00fcdindien, die ostsibirischen in S\u00fcdchina und S\u00fcdostasien. Die Hauptwegzugszeit der mittel- und nordpal\u00e4arktischen Milane liegt zwischen Ende Juli und Mitte September, wobei die Schweizer und s\u00fcddeutschen V\u00f6gel etwa um zwei bis drei Wochen fr\u00fcher ihr Brutgebiet verlassen als nordostdeutsche oder polnische.<\/p>\n<p>Das Hauptzuggeschehen \u00fcber Gibraltar ist bereits Ende August weitgehend abgeschlossen, w\u00e4hrend es \u00fcber dem Bosporus zu dieser Zeit seinen H\u00f6hepunkt erreicht. Entlang der \u00f6stlichen Schwarzmeerk\u00fcste h\u00e4lt der intensive Schwarzmilanzug den ganzen September \u00fcber an und ebbt erst in der ersten Oktoberdekade ab. In Mitteleuropa k\u00f6nnen einzelne Schwarzmilane im Brutgebiet bei milder Witterung noch bis in den Oktober und November hinein angetroffen werden. Meldungen \u00fcber in Mitteleuropa \u00fcberwinternde Schwarzmilane d\u00fcrften meist auf Verwechslungen mit dem Rotmilan zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. In der Schweiz wurde allerdings 2003 eine erfolgreiche \u00dcberwinterung eines Schwarzmilans im Stadtgebiet von Genf best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Der Heimzug beginnt Anfang Februar und erfolgt im Wesentlichen auf den gleichen Routen wie der Wegzug, allerdings scheinen Westzieher auf dem Heimzug die Strecke Cap Bon\u2013Sizilien wesentlich h\u00e4ufiger zu w\u00e4hlen. Im Brutgebiet erscheinen mittel- und nordpal\u00e4arktische V\u00f6gel fr\u00fchestens Anfang M\u00e4rz, in der Regel aber nicht vor Ende M\u00e4rz oder Anfang April.<\/p>\n<p>Erstziehende Schwarzmilane \u00fcbersommern meist im Winterquartier. Mit zunehmendem Alter n\u00e4hern sich die heimziehenden Milane dem Gebiet ihrer Geburt, kehren aber erst mit Eintritt der Geschlechtsreife in die N\u00e4he ihres Geburtsortes zur\u00fcck.<\/p>\n<h3>\u00dcberblick<\/h3>\n<p>Schwarzmilane br\u00fcten fr\u00fchestens im vierten Lebensjahr zum ersten Mal. Gelegentlich wurden bei j\u00fcngeren Milanen Kopulationen und Nestbauaktivit\u00e4ten festgestellt, erfolgreiche Bruten wurden bisher nicht bekannt. Die Dauer der Paarbindung ist nicht ersch\u00f6pfend erforscht, jedenfalls kommen sowohl Brutsaisonehen wie langj\u00e4hrige Paarbindungen vor. Ob die letzteren durch die gro\u00dfe Brutortstreue der Art bedingt sind oder ob ein Paarzusammenhalt auch im Winterquartier besteht, ist noch Gegenstand der Forschung. Offensichtlich kehren einzelne V\u00f6gel bereits verpaart aus dem Winterquartier zur\u00fcck.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Balz bis zur fr\u00fchen Jungenaufzucht werden in die unmittelbare Nestumgebung einfliegende Artgenossen konsequent, meist durch Rufreihen, oft auch durch Entgegenfliegen vertrieben. K\u00f6rperliche Auseinandersetzungen wurden jedoch bislang nicht beobachtet. Artfremde Greifv\u00f6gel sowie potentielle Nestr\u00e4uber wie Kr\u00e4hen oder Marder, in einigen Verbreitungsgebieten auch Schlangen, werden sofort und heftig angegriffen. Territoriale Verhaltensweisen koloniebr\u00fctender Schwarzmilane sind bislang wenig erforscht. Koloniebr\u00fctende Paare verteidigen nur die unmittelbare Nestumgebung, die Nahrungsreviere werden offenbar konfliktfrei mit Artgenossen geteilt.<\/p>\n<h3>Horstbau und Balz<\/h3>\n<p>Sofort nach Ankunft am Niststandort beginnt der zuerst ankommende Vogel (h\u00e4ufiger das M\u00e4nnchen als das Weibchen) mit dem Horstbau oder mit Instandsetzungsarbeiten an einem alten Horst. Die Horstgr\u00f6\u00dfe und auch sein Aufbau sind \u00e4u\u00dferst variabel, sodass von einem typischen Schwarzmilanhorst nicht gesprochen werden kann. Schwarzmilanhorste k\u00f6nnen auffallend kleine, eher schlampig zusammengef\u00fcgte Gebilde von Kr\u00e4hennestgr\u00f6\u00dfe, aber auch stattliche, solide Bauten von einem Meter Durchmesser und mehr sein. Die Grundstruktur wird aus \u00c4sten und Zweigen gebildet, f\u00fcr die Innenauspolsterung werden die verschiedensten Materialien, sehr h\u00e4ufig auch Abf\u00e4lle, daneben aber auch Gr\u00e4ser, Moose, Laub, Tierhaare und Vogelfedern verwendet.<\/p>\n<p>Immer tragen Schwarzmilane relativ gro\u00dfe Erd- oder Lehmklumpen zur Horstauskleidung ein. Als problematisch f\u00fcr die Jungenaufzucht hat sich die Neigung des Schwarzmilans, Plastikmaterialien zur Horstauskleidung zu verwenden, erwiesen, da sich dadurch im Horst Pf\u00fctzen bilden k\u00f6nnen, die zur Unterk\u00fchlung sowohl des Geleges als auch der K\u00fcken f\u00fchren. Am Horstbau beteiligen sich beide Partner, das M\u00e4nnchen allerdings wesentlich intensiver als das Weibchen.<\/p>\n<p>Die Baumart scheint nur eine untergeordnete Rolle f\u00fcr die Wahl des Horststandortes zu spielen, wichtiger ist ein von oben ungehinderter Anflug. H\u00e4ufig werden deshalb \u00dcberh\u00e4lter oder Randb\u00e4ume als Horstb\u00e4ume gew\u00e4hlt. Meist befinden sich die Horste im Kronenbereich in einer starken Astgabelung, seltener in Gabelungen von starken Seiten\u00e4sten, gelegentlich einige Meter vom Stamm entfernt. Neben Baumhorsten wurden auch Horste auf Gittermasten und in Felsnischen festgestellt. Einige Populationen, zum Beispiel im Atlasgebirge und auf den Kapverden, sind reine Felsbr\u00fcter. \u00c4u\u00dferst selten wurden Bodenbruten festgestellt. Horststandorte auf Geb\u00e4uden hingegen sind f\u00fcr die afrikanischen Unterarten durchaus gew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Schwarzmilane \u00fcbernehmen gelegentlich Horste anderer Vogelarten, wie die von Kormoranen, Kr\u00e4hen, Rotmilanen und verschiedenen anderen Greifv\u00f6geln, wie umgekehrt auch Schwarzmilanhorste von anderen Greifvogelarten benutzt werden.<\/p>\n<p>Innerhalb der eigenen Art k\u00f6nnen die Horstabst\u00e4nde nur wenige Meter betragen. Nicht selten werden Horste auch weniger als 100 Meter von anderen beflogenen Greifvogelhorsten entfernt errichtet, gelegentlich auch mitten in Reiher- oder Kormorankolonien.<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend des Horstbaus kommt es zu Begattungen, zu denen das Weibchen durch die greifvogeltypische waagrechte K\u00f6rperhaltung und durch ein leises Wimmern auffordert. Zwei Begattungen k\u00f6nnen in wenigen Minuten aufeinander folgen. Bei sch\u00f6nem Wetter zeigen Schwarzmilane Schaufl\u00fcge \u00fcber ihrem Horstgebiet, in die eindrucksvolle Flugakrobatik, wie Girlandenfl\u00fcge, Abtrudeln mit gegenseitigem Verhaken oder Fliegen mit dem R\u00fccken zum Boden, eingebettet sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit der Entwicklung des ersten Eies h\u00f6ren diese Aktivit\u00e4ten auf. Das Weibchen stellt zu diesem Zeitpunkt auch das selbstst\u00e4ndige Jagen ein und wird w\u00e4hrend der Brutzeit und der ersten Aufzuchtphase der K\u00fcken vom M\u00e4nnchen versorgt.<\/p>\n<p>Schwarzmilane beginnen relativ sp\u00e4t im Jahr mit der Brut, die fr\u00fchesten Eiablagen in Mitteleuropa erfolgen Anfang April, die Hauptbrutzeit beginnt erst in der letzten Aprildekade. Bei fr\u00fchem Gelegeverlust kann es zu einem Nachgelege kommen.<\/p>\n<p>Die Gelege bestehen meist aus zwei bis drei, seltener aus vier und in Ausnahmef\u00e4llen aus f\u00fcnf Eiern. Nachgelege umfassen auch oft nur ein Ei. Die glanzlosen Eier sind in der Regel kurzoval, seltener langoval und weisen auf blasswei\u00dfem, isabellfarbigem oder gr\u00fcnlichem Grund oft sepiafarbene Flecken auf, die sie von den insgesamt sehr \u00e4hnlichen Eiern des M\u00e4usebussards mit r\u00f6tlichtonigen Flecken unterscheidet. Sie entsprechen in Gr\u00f6\u00dfe, Form und Masse etwa mittelgro\u00dfen H\u00fchnereiern.<\/p>\n<p>Die Eier werden in Abstand von zwei bis drei Tagen gelegt, und sofort, in der Regel aber noch nicht fest, bebr\u00fctet. Die meiste Zeit verbringt das Weibchen auf dem Gelege, nur gelegentlich wird es kurz vom M\u00e4nnchen abgel\u00f6st. Nach einer Brutdauer von etwa 32 Tagen schl\u00fcpfen die Jungen, zwischen denen, entsprechend der Eiablage, betr\u00e4chtliche Entwicklungsunterschiede bestehen k\u00f6nnen. Die \u00e4lteren Geschwister dr\u00e4ngen h\u00e4ufig das j\u00fcngste von der Beute ab, manchmal attackieren sie es auch direkt. H\u00e4ufig werden verendete K\u00fcken zerteilt und verf\u00fcttert.<\/p>\n<p>In den ersten beiden Wochen schafft das M\u00e4nnchen allein die Nahrung heran, die das am Horst weilende Weibchen \u00fcbernimmt, zerteilt und an die Jungen verf\u00fcttert. Nestlingsnahrung besteht zum Gro\u00dfteil aus Lebendbeute, vornehmlich aus Kleins\u00e4ugern und V\u00f6geln. Fische werden w\u00e4hrend der ersten beiden Wochen nicht verf\u00fcttert. Wenn die Jungen nicht mehr dauernd gehudert oder beschattet werden m\u00fcssen, beteiligt sich auch das Weibchen an den Beutefl\u00fcgen. Gelegentlich wurden nichtbr\u00fctende Schwarzmilane, ganz selten auch Rotmilane als Bruthelfer beobachtet.<\/p>\n<p>Mit etwa 32 Tagen beginnen die Jungv\u00f6gel mit den ersten Flug\u00fcbungen und k\u00f6nnen sich mit 40 Tagen schon etwas vom Horst entfernen. Insgesamt ist die Entwicklungsdauer von Nestlingen individuell aber sehr verschieden. Bis zum Ausfliegen k\u00f6nnen mehr als 50 Tage vergehen. Es wurden aber auch schon fl\u00fcgge Jungv\u00f6gel mit weniger als 45 Tagen beobachtet.<\/p>\n<p>Auch nach dem Ausfliegen der Jungv\u00f6gel bleibt der Horst noch f\u00fcr mindestens drei bis vier Wochen Zentrum der Schwarzmilanfamilie. Auf ihm wird die von den Eltern herangetragene Beute \u00fcbergeben, zu ihm oder in dessen unmittelbare N\u00e4he kehren die Jungen zum Schlafen zur\u00fcck. Junge Schwarzmilane werden relativ sp\u00e4t im Alter von 80 bis 90 Tagen selbstst\u00e4ndig. Etwa sechs Wochen nach dem Ausfliegen haben sie das selbstst\u00e4ndige Schlagen von Beute erlernt und verlassen nach und nach das Elternrevier.<\/p>\n<h3>Mischbruten<\/h3>\n<p>In freier Natur wurden gelegentlich Mischbruten zwischen Rot- und Schwarzmilan festgestellt. Der Schwarzmilan war meist der weibliche Vogel. Auch erfolgreiche Bruten zwischen einem Schwarzmilanm\u00e4nnchen und einem Hybridweibchen wurden bekannt. In Gefangenschaft kommen solche Mischbruten h\u00e4ufiger vor. Im Naturpark Aukrug in Mittelholstein br\u00fctete ein Mischpaar 6 Jahre hindurch erfolgreich. Nach Ausbleiben des Rotmilans trat offenbar eine Hybride aus einer vorangegangenen Brut an seine Stelle.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig kommt es auf den Kapverden zu Mischbruten zwischen dem heimischen Kapverdemilan und den vor etwa hundert Jahren eingewanderten Schwarzmilanen. Der Kapverdemilan wird entweder als Unterart des Rotmilans (<em>Milvus milvus fasciicauda<\/em>) oder als eigenst\u00e4ndige Art (<em>Milvus fasciicauda<\/em>) aufgefasst. Aus diesen Mischbruten entstehen fruchtbare Nachkommen, die sich weiterverpaaren. Daher ist es fraglich, ob reinerbige Kapverdemilane \u00fcberhaupt noch existieren.<\/p>\n<h2>Bestand und Gef\u00e4hrdung<\/h2>\n<p>Der Schwarzmilan gilt als die weltweit h\u00e4ufigste Greifvogelart. Seine Best\u00e4nde sind nach Einsch\u00e4tzung der IUCN gegenw\u00e4rtig nicht bedroht, obwohl es Hinweise f\u00fcr einen leichten Bestandsr\u00fcckgang gibt. Die Populationen in Europa werden auf 130.000 bis 200.000 Tiere gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Genaue Zahlen \u00fcber Populationsgr\u00f6\u00dfen und exakte Einsch\u00e4tzungen der Bestandstrends au\u00dferhalb Europas liegen jedoch nur f\u00fcr Teilgebiete des riesigen Verbreitungsraumes vor, die f\u00fcr einige Populationen des asiatischen Russlands stark negative Bestandsentwicklungen bef\u00fcrchten lassen. In Europa hingegen wird die Art mit <em>VU<\/em> (= vulnerable) eingestuft. Daf\u00fcr sind vor allem die Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge in Spanien und in gro\u00dfen Teilen Ost- und S\u00fcdosteuropas verantwortlich.<\/p>\n<p>In Mitteleuropa blieben die Best\u00e4nde w\u00e4hrend der letzten zehn Jahre weitgehend stabil oder nahmen leicht, in Zentral- und S\u00fcdostfrankreich sogar erheblich zu.<\/p>\n<p>Uneinheitlich waren bis gegen Ende der 1990er Jahre die Bestandsverh\u00e4ltnisse auch in Deutschland: starken und m\u00e4\u00dfig starken Zunahmen in Niedersachsen, Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg, Th\u00fcringen und Sachsen standen zum Teil nicht unbetr\u00e4chtliche Bestands- und Arealeinbu\u00dfen in Schleswig-Holstein, Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gegen\u00fcber. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch in fast allen Bundesl\u00e4ndern ein durchgehend positiver Trend. In einigen deutschen Bundesl\u00e4ndern waren sogar erhebliche Bestandszunahmen und Arealausweitungen zu verzeichnen.<\/p>\n<p>In der Schweiz, die mit bis zu 1500 Brutpaaren &#8211; verglichen mit der Landesgr\u00f6\u00dfe &#8211; eine gro\u00dfe Anzahl von Schwarzmilanen beherbergt, ist die Bestandsentwicklung unklar. Kolonieartiges Br\u00fcten an einigen gro\u00dfen Schweizer Seen, wie am Neuenburgersee, am Bielersee oder am Ostteil des Genfersees ist stark zur\u00fcckgegangen oder hat bereits aufgeh\u00f6rt. Daf\u00fcr wanderte die Art verst\u00e4rkt in Viehzuchtgebiete ein und br\u00fctet jetzt dort auch in H\u00f6hen von <span>1000 <abbr title=\"Meter \u00fcber Normalnull\">m \u00fc. NN<\/abbr><\/span> und mehr. In Ost\u00f6sterreich nehmen die ohnehin kleinen Best\u00e4nde des Schwarzmilans kontinuierlich ab.<\/p>\n<p>Hauptursache der Bestandsr\u00fcckg\u00e4nge sind nach wie vor Biotopzerst\u00f6rung, insbesondere Trockenlegungen von Feuchtgebieten, Umwandlung von Mischw\u00e4ldern in reine Fichtenkulturen sowie Flussregulierungen und die damit einhergehende Vernichtung von Auwaldgebieten. Auch die direkte Verfolgung durch Abschuss und Vergiftung spielt f\u00fcr die negative Bestandsentwicklung eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Besonders an den Engstellen der Zugstra\u00dfen, wie an einigen Pyren\u00e4enp\u00e4ssen, auf Malta, im Libanon und entlang des Niltals werden j\u00e4hrlich Tausende Milane erlegt. \u00c4hnliche topografische Fallen mit gewaltigem Jagddruck bestehen f\u00fcr asiatische S\u00fcdwestzieher im Kaukasus. Ung\u00fcnstig auf die Best\u00e4nde scheint sich auch die zur\u00fcckgehende Eutrophierung vieler (mittel)europ\u00e4ischer Seen sowie das h\u00e4ufig fr\u00fchzeitigere Abdecken von M\u00fclldeponien auszuwirken.<\/p>\n<h2>Lebenserwartung<\/h2>\n<p>Der \u00e4lteste in freier Natur wiedergefundene Ringvogel war 24 Jahre alt. Einige Wiederfunde \u00e4hnlich alter Schwarzmilane belegen, dass die Art unter g\u00fcnstigen Bedingungen ein recht hohes Alter erreichen kann. Die tats\u00e4chliche Lebenserwartung ist f\u00fcr diesen Weitstreckenzieher jedoch bedeutend geringer. Etwa 40 Prozent der Schwarzmilane \u00fcberlebt das erste Lebensjahr nicht. Mit zunehmendem Alter verringert sich diese Mortalit\u00e4tsrate sehr deutlich. Wie hoch der durchschnittliche Prozentsatz eines Jahrgangs ist, der die Brutreife erreicht, ist nicht bekannt. Wenn R\u00fcckschl\u00fcsse vom Rotmilan angestellt werden d\u00fcrfen, wird er jedoch nicht weit \u00fcber 30 Prozent liegen.<\/p>\n<h2>Namensherleitung<\/h2>\n<p>Das lateinische Nomen <em>miluus<\/em>, sp\u00e4ter <em>milvus<\/em> bezeichnet einen gr\u00f6\u00dferen Greifvogel. Es kann Bussard, Habicht, Weihe oder Milan bedeuten. <em>Migrans<\/em> kommt vom lateinischen Verb <em>migrare<\/em> und bedeutet <em>wandernd<\/em>. <em>Schwarzmilan<\/em> ist eigentlich nicht korrekt, <em>Braunmilan<\/em> w\u00fcrde dem Aussehen dieses Greifvogels eher entsprechen. Der schwedische (<em>Brun glada<\/em>) und der italienische (<em>Nibbio bruno<\/em>) Artname tragen dem Erscheinungsbild besser Rechnung.<\/p>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto:Mihai Baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schwarzmilan oder Schwarzer Milan (Milvus migrans) ist ein etwa m\u00e4usebussardgro\u00dfer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). 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