{"id":2625,"date":"2013-11-05T16:06:28","date_gmt":"2013-11-05T14:06:28","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/kuckuck-cuculus-canorus\/"},"modified":"2013-11-05T16:38:24","modified_gmt":"2013-11-05T14:38:24","slug":"kuckuck-cuculus-canorus","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/kuckuck-cuculus-canorus\/","title":{"rendered":"Kuckuck (Cuculus canorus)"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>Kuckuck<\/strong> (<em>Cuculus canorus<\/em>) geh\u00f6rt zur Ordnung der Kuckucksv\u00f6gel (Cuculiformes) und zur Familie der Kuckucke (Cuculidae). Er kommt in Nordafrika und in Eurasien von Portugal und Irland nach Osten bis Japan und Kamtschatka vor. Er ist etwa taubengro\u00df, sein Gefieder ist gr\u00f6\u00dftenteils grau. Die Art ist au\u00dfer durch den charakteristischen \u201egu-kuh\u201c-Ruf durch ihren Brutparasitismus allgemein bekannt. Der Kuckuck legt seine Eier einzeln in Nester kleinerer Singv\u00f6gel und betreibt selbst keine Brutpflege. Er ist Namensgeber f\u00fcr andere Lebewesen, die ebenfalls Brutparasitismus betreiben, wie etwa die Kuckuckshummeln. Ebenso findet er auch in Redewendungen und Musik Erw\u00e4hnung. Der Kuckuck war in der Schweiz Vogel des Jahres 2001 und in Deutschland und \u00d6sterreich Vogel des Jahres 2008.<\/p>\n<p>Seinen Namen verdankt er dem auff\u00e4lligen Ruf des Kuckuckm\u00e4nnchens. Auch in vielen anderen Sprachen, wie im Franz\u00f6sischen (<em>Coucou<\/em>), Italienischen (<em>cuc\u00fa<\/em>), Russischen (<em>Kukuschka<\/em>), Griechisch (<em>koukoula<\/em>), Englischen (<em>Cuckoo<\/em>), Polnischen (<em>Kuku\u0142ka<\/em>) und Lateinischen (<em>cuculus<\/em>) wurde der Ruf lautmalerisch in seinen Namen integriert.<\/p>\n<p>Der Kuckuck ist mit einer Spannweite von 55 bis 60 Zentimetern und 32 bis 34 Zentimetern K\u00f6rperl\u00e4nge und einem Gewicht von 110\u2013140 Gramm (M\u00e4nnchen) und 95\u2013115 Gramm (Weibchen) fast so gro\u00df wie eine Turteltaube, jedoch zierlicher und schlanker. Die Fl\u00fcgel sind spitz und der abgerundete Schwanz ist 13 bis 15 Zentimeter lang. Im Flug sieht er einem Sperber \u00e4hnlich, hat jedoch spitzere Fl\u00fcgelenden. Im Sitzen wirkt er kurzbeinig. Der gestufte Schwanz wird nicht selten gef\u00e4chert und die Fl\u00fcgel werden etwas abgespreizt h\u00e4ngen gelassen.<\/p>\n<p>Ausgewachsene M\u00e4nnchen sind auf der Oberseite schiefergrau. Die Oberschwanzdecken haben hellgraue, sehr d\u00fcnne, schmale Ends\u00e4ume. Das Kinn, die Kehle, die Halsseiten und die Vorderbrust sind einheitlich hellgrau und heller als die Oberseite, die \u00fcbrige Unterseite ist wei\u00df mit breiter graubrauner B\u00e4nderung. Die Unterschwanzdecken sind wei\u00df bis isabellfarben. Der Schwanz ist dunkel schiefergrau mit deutlich abgetrenntem wei\u00dfen Endsaum. Die Iris, der Lidring und die Schnabelbasis sind hellgelb. Neben dieser grauen Morphe kommt auch beim M\u00e4nnchen eine rotbraune vor, die der der Weibchen \u00e4hnlich ist.<\/p>\n<p>Ausgewachsene Weibchen treten in zwei Farbmorphen auf. Die graue Morphe \u00e4hnelt den M\u00e4nnchen sehr, zeigt jedoch auf der Brust eine rostbeige bis gelbliche T\u00f6nung und eine d\u00fcnne dunkle Querb\u00e4nderung. Die braune Morphe ist seltener und auf der Oberseite sowie der Brust rostbraun. Das gesamte Gefieder ist dunkel quergeb\u00e4ndert. Der Schwanz ist braun und dunkel geb\u00e4ndert und hat eine d\u00fcnne wei\u00dfe Endbinde. Die Iris, der Lidring und die Schnabelbasis sind hellbraun.<\/p>\n<p>Die Jungv\u00f6gel sind schiefergrau, teilweise mit rostbrauner T\u00f6nung. Das gesamte Gefieder ist d\u00fcnn dunkel quergeb\u00e4ndert. Die kleinen und gro\u00dfen Fl\u00fcgeldecken haben schmale wei\u00dfe S\u00e4ume. Die Iris ist dunkelbraun, der Lidring ist blassgelb und die Schnabelbasis ist hell. Jungv\u00f6gel k\u00f6nnen am wei\u00dfen Fleck im Nacken erkannt werden.<\/p>\n<p>Bei beiden Morphen und im Jugendkleid sind die Beine gelb und der Schnabel mit Ausnahme der Basis horngrau.<\/p>\n<p>Das Aussehen des Kuckucks \u00e4hnelt dem des Sperbers oder des Turmfalkens und ist eine Form von Mimikry, um den Wirtsv\u00f6geln die Anwesenheit eines Greifvogels vorzut\u00e4uschen und diese so von ihrem Nest zu vertreiben.<\/p>\n<h2>Laut\u00e4u\u00dferunge<\/h2>\n<p>Der Reviergesang des M\u00e4nnchens ist der namensgebende Ruf \u201egu-kuh\u201c, wobei die erste Silbe betont wird. Dieser Kuckucksruf ist weit zu h\u00f6ren und wird von einer hohen Warte von April bis in den Juli hinein vorgetragen.<\/p>\n<p>Die Tonh\u00f6hen der beiden Silben liegen meistens eine kleine Terz auseinander, das Intervall kann aber auch eine Sekunde bis eine Quinte betragen. Die T\u00f6ne liegen zwischen den Halbt\u00f6nen der Tonleiter und entsprechen etwa f2 (678 Hz) und d2 (565 Hz), wie aus den Rufen von sieben Kuckucksm\u00e4nnchen ermittelt wurde. Der Schnabel ist bei der ersten Silbe leicht ge\u00f6ffnet, bei der Zweiten geschlossen. Die Pausen zwischen den Rufen h\u00e4ngen vom Erregungszustand des rufenden M\u00e4nnchens ab. Je erregter, desto k\u00fcrzer die Pausen. Bei sehr hoher Erregung kann es auch zu mehrsilbigen, sich \u00fcberschlagenden \u201ekuckuckuck&#8230;\u201c-Rufen kommen.<\/p>\n<p>Das Weibchen l\u00e4sst bei Erregung zur Brutzeit einen trillerartigen Laut h\u00f6ren, der aus einer hart betonten, schnellen Folge von T\u00f6nen besteht und etwas an den Zwergtaucher erinnert. Seltener \u00e4u\u00dfert es ein lautes Kichern, das etwa wie \u201ehach hachhach\u201c klingt. Jungv\u00f6gel betteln ab dem vierten Tag nach dem Schlupf mit \u201ezisisis\u201c oder \u201esrisrisri&#8230;\u201c. Mit zunehmendem Alter wird dieser Bettelruf zu einem \u201egigigi&#8230;\u201c. Bei Abwesenheit der Wirtseltern wird dann auch der Distanzbettelruf \u201eziii ziii\u201c oder \u201esriii sriii\u201c abgegeben.<\/p>\n<h2>Lebensraum und Verbreitung<\/h2>\n<figure class=\"wt-figure\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-distribution-of-cuculus-canorus.png\" alt=\"distribution of Cuculus canorus\" width=\"960\" height=\"713\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-distribution-of-cuculus-canorus-150x150.png 150w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-distribution-of-cuculus-canorus-300x223.png 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-distribution-of-cuculus-canorus-768x570.png 768w, \/wp-content\/uploads\/2026\/10\/wm-distribution-of-cuculus-canorus.png 960w\" sizes=\"auto, 960px\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42837 wt-image\" \/><figcaption class=\"wt-credit\">Verbreitungskarte des Kuckucks. Dunkelviolett = Brutgebiet, hellviolett = \u00dcberwinterungsgebiet \u00b7 Buteo \u2014 CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Distribution_of_Cuculus_canorus.PNG\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">source<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Kuckuck kommt in allen klimatischen Zonen der westlichen Pal\u00e4arktis vor. Er bewohnt Kulturlandschaften ebenso wie Biotope oberhalb der Baumgrenze, die D\u00fcnen der Meeresk\u00fcsten und fast alle Lebensr\u00e4ume dazwischen: lichte Laub- und Nadelw\u00e4lder, Bruchw\u00e4lder oder auch Hochmoore und Steppen. Er kommt nicht in der arktischen Tundra und in ausgedehnten dichten W\u00e4ldern vor. Dabei ist das Vorkommen der V\u00f6gel, die ihm bei der Fortpflanzung als Wirte dienen, ausschlaggebend. In seinem Lebensraum m\u00fcssen ausreichende Kleinstrukturen wie Str\u00e4ucher, Hecken, vereinzelte B\u00e4ume und Ansitzm\u00f6glichkeiten vorhanden sein. Er ist in der Schweiz bis in etwa 2400 Meter und in Indien in Ausnahmef\u00e4llen in bis zu 5250 Meter H\u00f6he nachgewiesen worden. Er kommt auch in den Randgebieten von St\u00e4dten vor.<\/p>\n<p>Der Kuckuck kommt in Eurasien von Westeuropa und Nordafrika bis Kamtschatka und Japan vor. Die Nominatform <em>Cuculus c. canorus<\/em> ist in ganz Europa mit Ausnahme von Island, dem \u00e4u\u00dfersten Norden Skandinaviens und dem nord\u00f6stlichen Teil des Baltikums fl\u00e4chendeckend verbreitet. Die n\u00f6rdliche Verbreitungsgrenze der Art verl\u00e4uft am Nordrand der Taiga vom Norden Norwegens bis Kamtschatka, ungef\u00e4hr entlang des n\u00f6rdlichen Polarkreises. \u00d6stlich des kaspischen Meeres bis zum Balchaschsee ist der gr\u00f6\u00dfte Teil Kasachstans nicht besiedelt, ebenso ein gro\u00dfer Bereich s\u00fcdwestlich des Baikalsees bis zum Kaschmir. Die s\u00fcdliche Verbreitungsgrenze bis zum Himalaja verl\u00e4uft etwa entlang des 40. Breitengrades.<\/p>\n<h2>Wanderung<\/h2>\n<p>Der Kuckuck ist ein Langstreckenzieher, er zieht \u00fcberwiegend nachts. Sein Winterquartier liegt in Afrika s\u00fcdlich des \u00c4quators. Dort h\u00e4lt er sich bevorzugt in der N\u00e4he von Wasserl\u00e4ufen in tropischen Bereichen oder Savannen mit Akazienbestand auf. Alt- und Jungv\u00f6gel verlassen Deutschland Anfang August und kehren meist in der zweiten Aprilh\u00e4lfte zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Ankunftszeit bei der R\u00fcckkehr h\u00e4ngt von der geographischen Breite ab, so treffen Kuckucke in S\u00fcdeuropa bereits im M\u00e4rz, im S\u00fcden Skandinaviens erst Anfang Mai und im Norden Skandinaviens dagegen erst im Juli im Brutgebiet ein. In Deutschland kommt der Kuckuck Ende April bis Anfang Mai an.<\/p>\n<h2>Nahrung<\/h2>\n<p>Der Kuckuck frisst fast ausschlie\u00dflich Insekten. Gr\u00f6\u00dftenteils werden Schmetterlingsraupen verzehrt, darunter auch behaarte und Warnfarben tragende, die von anderen V\u00f6geln nicht gefressen werden. Zu seiner Nahrung geh\u00f6ren auch K\u00e4fer, seltener werden Libellen, Heuschrecken, Ohrw\u00fcrmer, Wanzen, Fliegen und Hautfl\u00fcgler erbeutet.<\/p>\n<p>Weitere Nahrung sind Spinnen, Tausendf\u00fc\u00dfer, Regenw\u00fcrmer, Schnecken und junge Fr\u00f6sche und Kr\u00f6ten. Weibchen verzehren auch die Eier m\u00f6glicher Wirtsv\u00f6gel. Die Nestlinge werden von den jeweiligen Wirtsv\u00f6geln mit einem breiten Spektrum an Nahrung gef\u00fcttert, je nachdem, womit diese normalerweise ihre eigenen Jungen f\u00fcttern. Diese Nahrung besteht gr\u00f6\u00dftenteils aus Insekten, sie muss in jedem Fall gr\u00f6\u00dftenteils tierisch sein. Es gibt keine Nachweise daf\u00fcr, dass nicht-insektenfressende Sperlingsv\u00f6gel in Europa erfolgreich Jungv\u00f6gel des Kuckucks aufgezogen haben.<\/p>\n<h2>Fortpflanzung<\/h2>\n<p>Die Geschlechtsreife tritt im zweiten Lebensjahr ein. Die Art der Paarbindung ist bisher nicht eindeutig gekl\u00e4rt. Es handelt sich wahrscheinlich um Promiskuit\u00e4t, da es keine Beweise f\u00fcr eine l\u00e4ngere monogame Paarbindung gibt.<\/p>\n<p>Die adulten Kuckucke treffen meist nach den Wirtsv\u00f6geln in den Brutgebieten ein, sodass diese ihre Reviere bereits besetzt haben. Das M\u00e4nnchen ist meist \u00fcber eine Woche vor dem Weibchen im Brutgebiet.<\/p>\n<p>M\u00e4nnliche Kuckucke locken Weibchen mit dem Kuckucksruf. Bei Ann\u00e4herung eines Weibchens werden die Pausen zwischen den Rufen k\u00fcrzer. Das M\u00e4nnchen nickt mit dem Kopf, spreizt die Fl\u00fcgel ab, l\u00e4sst sie h\u00e4ngen und f\u00e4chert den Schwanz auf. Mit zunehmender Erregung und nach Verfolgungsfl\u00fcgen geht das Kopfnicken des M\u00e4nnchens in tiefe Verbeugungen mit dem ganzen K\u00f6rper \u00fcber. Ist das Weibchen sehr nahe, pendelt das M\u00e4nnchen mit dem erhobenen, nicht gef\u00e4cherten Schwanz hin und her. Anschlie\u00dfend wird das Weibchen stumm \u00fcber l\u00e4ngere Zeit verfolgt, wobei erh\u00f6hte Sitzwarten angeflogen werden. Es kann auch zur Pr\u00e4sentation von Gras, kleinen Zweigen oder Raupen durch das M\u00e4nnchen kommen, die jedoch nicht dem Weibchen \u00fcbergeben, sondern vor diesem abgelegt oder fallen gelassen werden. Ist das Weibchen zur Kopulation bereit, neigt es den Vorderk\u00f6rper und bleibt w\u00e4hrend der Kopulation in dieser Haltung.<\/p>\n<h3>Eiablage<\/h3>\n<p>Die Eiablage findet von Ende April bis Mitte Juli statt; sie f\u00e4llt innerhalb dieser Spanne mit dem H\u00f6hepunkt der Eiablage der Wirtsv\u00f6gel zusammen. Das Weibchen legt bis zu 25, im Durchschnitt neun Eier. In der Regel wird pro Wirtsnest nur ein Ei, selten zwei gelegt. Der Gro\u00dfteil bis alle Eier werden in die Nester einer Wirtsvogelart gelegt. Das Weibchen findet die Nester der Wirtsv\u00f6gel durch Beobachtung.<\/p>\n<p>Die Eiablage erfolgt innerhalb von wenigen Sekunden und findet meist vom sp\u00e4ten Nachmittag bis in die D\u00e4mmerung statt. Dabei werden ein bis zwei Eier der Wirtsv\u00f6gel aus dem Nest entfernt und oft gefressen. Etwa jeden zweiten Tag wird ein Ei gelegt. Die Eier sind im Durchschnitt 22,73 mal 16,34 mm gro\u00df, ermittelt an 1117 Eiern der Nominatform des Kuckucks. Damit sind sie meist etwas gr\u00f6\u00dfer als die Eier der Wirtsv\u00f6gel.<\/p>\n<h3>Wirtsvogelarten<\/h3>\n<p>Bevorzugte Wirte sind Rohrs\u00e4nger, Grasm\u00fccken, Pieper, Bachstelzen, Braunellen, Neunt\u00f6ter, Zaunk\u00f6nig und Rotschw\u00e4nze. Insgesamt sind in Mitteleuropa \u00fcber 100 Wirtsvogelarten bekannt, von denen aber nur bei 45 eine erfolgreiche Aufzucht stattfindet, die anderen sind Fehlwirte. In 10 bis 30 % der F\u00e4lle werden parasitierte Gelege von den Wirtsv\u00f6geln aufgegeben. Die F\u00e4rbung der Kuckuckseier ist an die des jeweiligen Wirtes angepasst. Diese Anpassung wird durch die starke Bevorzugung bestimmter Wirtsvogelarten durch die weiblichen Kuckucke aufrechterhalten. Es gibt wirtsspezifische weibliche Linien, jedoch keine wirtsspezifischen Rassen, da es bei den M\u00e4nnchen keine Wirtsspezifit\u00e4t gibt.<\/p>\n<h3>Parasitierungsgrad<\/h3>\n<p>In gr\u00f6\u00dferen Gebieten ist der Anteil der vom Kuckuck parasitierten Nester verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig klein. Nur bei den Hauptwirten betr\u00e4gt er mehr als 1 Prozent. In Gro\u00dfbritannien sind die Hauptwirte Heckenbraunelle, Teichrohrs\u00e4nger und Wiesenpieper. In gro\u00dfen Stichproben mit 14788, 2826 und 2659 Nestern je Art (in der oben genannten Reihenfolge) wurden 2,2; 3,0 und 3,1 Prozent vom Kuckuck parasitiert. Dagegen wurden 513 Nester des Baumpiepers nur zu 1,0 Prozent und 1487 Nester des Gartenrotschwanz nur mit 0,1 Prozent parasitiert.<\/p>\n<p>Teilweise wurden jedoch regional sehr viel gr\u00f6\u00dfere Anteile gefunden, zum Beispiel 49 Prozent bei 88 Nestern des Teichrohrs\u00e4ngers oder 37 Prozent von 1000 Nestern beim Rotkehlchen. Von 1970 bis 1980 wurden in einem Gebiet bei Hamburg im Mittel 16,4 % aller Nester des Sumpfrohrs\u00e4ngers parasitiert, minimal in einem Jahr 5,3 %, maximal 20 %. Sumpfrohrs\u00e4nger sind auch diejenigen Wirtsv\u00f6gel, die am h\u00e4ufigsten ihnen untergeschobene Kuckuckseier als solche erkennen und aus dem Nest entfernen (nach Untersuchungen in S\u00fcdm\u00e4hren hatte der Kuckuck bei dieser Vogelart nur einen Bruterfolg von 4 %).<\/p>\n<h3>Schlupf und Aufzucht der Jungv\u00f6gel<\/h3>\n<p>Nach einer sehr kurzen Brutzeit von etwa zw\u00f6lf Tagen schl\u00fcpft der junge Kuckuck. Meistens schl\u00fcpft er vor den Jungen des Wirtes, selten sind schon einzelne oder weitaus seltener alle Jungen des Wirts geschl\u00fcpft. Etwa acht bis zehn Stunden nach dem Schlupf bewegt sich der junge Kuckuck im Nest hin und her, bis ein Ei oder Jungvogel an eine Seite des Nests geschoben ist. Dies wird durch eine besonders ber\u00fchrungsempfindliche Grube auf dem R\u00fccken zwischen den Schultern und durch ausgestreckte Fl\u00fcgel unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Er spreizt dann die kr\u00e4ftigen Beine und kr\u00fcmmt den Kopf nach vorn, so dass dieser beinahe seinen Bauch ber\u00fchrt, oder st\u00fctzt sich gegen den Innenrand des Nestes ab. Dann schiebt er das Ei oder den Jungvogel langsam \u00fcber den Nestrand. Dabei scheint der junge Kuckuck anzuschwellen, die Venen am Hals und an den Fl\u00fcgeln treten deutlich hervor. Der Kopf zuckt dann ruckartig vor und zur\u00fcck. Der junge Kuckuck macht zwischen diesen Anstrengungen immer wieder kurze Pausen.<\/p>\n<p>Wenn der Nestrand erreicht ist, werden die Fl\u00fcgel auf den Rand gelegt und das Ei oder der Jungvogel des Wirts mit einem kurzen, sch\u00fcttelnden Ruck \u00fcber den Nestrand geschoben. Der ganze Vorgang dauert etwa dreieinhalb Minuten und wird so lange wiederholt, bis der junge Kuckuck schlie\u00dflich alleine im Nest \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n<p>Dieses Verhalten ist auch f\u00fcr den Kuckucksnestling nicht unproblematisch, da bei den meisten Vogeleltern die Menge der herangeschafften Nahrung von der Anzahl der im Nest aufgesperrten Schn\u00e4bel, dem Schl\u00fcsselreiz, der die F\u00fctterung ausl\u00f6st, abh\u00e4ngig ist. Der Kuckucksnestling kann die fehlenden Nestgeschwister durch schnelle Rufe imitieren und erh\u00e4lt so mehr Futter. Diese Rufe setzen ab einem Alter von etwa vier Tagen ein und werden ab dem siebten Tag st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe orangerote Rachen des Kuckucksnestlings \u00fcbt eine starke Reizwirkung aus. Mitunter beteiligen sich weitere V\u00f6gel anderer Arten an der F\u00fctterung. Ab etwa 11 Tagen wird der junge Kuckuck zunehmend aktiver und dreht sich ab dem 16. Tag bei den F\u00fctterungen auch zu den Wirtseltern hin. Nach etwa 20 Tagen wird der Jungvogel fl\u00fcgge, dann fliegt er den Wirtseltern entgegen und wird noch mehrere Wochen au\u00dferhalb des Nests gef\u00fcttert.<\/p>\n<p>Wenn aufgrund tief ausgeformter Nester oder H\u00f6hlennester der Wirtsv\u00f6gel der Jungkuckuck die Wirtsvogeleier bzw. die geschl\u00fcpften Nestlinge nur teilweise oder gar nicht aus dem Nest entfernen kann, wachsen die jungen Kuckucke, wenn sie die Nahrung mit den Stiefgeschwistern teilen m\u00fcssen, auch entsprechend langsamer, fliegen bis zu vier Tage sp\u00e4ter aus und haben ein geringeres Gewicht. Entsprechend h\u00f6her sind in diesen F\u00e4llen auch die Verluste.<\/p>\n<h2>Innere Systematik<\/h2>\n<p>Es gibt vier, nur wenig differenzierte Unterarten:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Cuculus c. canorus<\/em> (Linnaeus, 1758) kommt in der Nordpal\u00e4arktis bis nach Ostsibirien, Kamtschatka und Japan vor, hat eine Fl\u00fcgell\u00e4nge von 218\u2013233 mm (durchschnittlich 224,8 mm)<\/li>\n<li><em>Cuculus c. bangsii<\/em> (Oberholser, 1919) kommt auf der Iberischen Halbinsel, den Balearen und in Nordafrika vor, hat eine kleinere Fl\u00fcgell\u00e4nge (203-217 mm) als <em>C. c. canorus<\/em><\/li>\n<li><em>Cuculus c. subtelephonus<\/em> (Zarudny, 1914) kommt in Zentralasien vom Kaspischen Meer nach Osten bis zur inneren Mongolei vor, hat etwa die gleiche Fl\u00fcgell\u00e4nge wie <em>C. c. canorus<\/em>, jedoch vor allem im Jugendkleid ein blasseres Gefieder<\/li>\n<li><em>Cuculus c. bakeri<\/em> (Hartert, 1912) kommt im S\u00fcdhimalaya von Tibet bis nach Sichuan, Yunnan und Nordvietnam in S\u00fcdostasien vor, ist im Durchschnitt (221,7 mm) etwas kurzfl\u00fcgeliger als <em>C. c. canorus<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Bestand und Bestandsentwicklung<\/h2>\n<p>In Europa wird der Bestand der Nominatform auf 4,2 bis 8,6 Millionen Brutpaare gesch\u00e4tzt. Der Bestand in Mitteleuropa betr\u00e4gt etwa 360.000 bis 550.000 Paare. Zwischen 51.000 und 97.000 Paare leben in Deutschland.<\/p>\n<p>Es sind nur wenige Bestandserfassungen \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume vorhanden, die Bestandsschwankungen h\u00e4ngen jedoch mit denen der Wirtsv\u00f6gel zusammen. Lokale Best\u00e4nde k\u00f6nnen von Jahr zu Jahr um \u00fcber 100 % schwanken.<\/p>\n<p>Nahezu alle L\u00e4nder West- und Mitteleuropas melden seit l\u00e4ngerem r\u00fcckl\u00e4ufige Best\u00e4nde. In England verringerte sich der Bestand in den letzten 30 Jahren um fast 60 Prozent. Auch in einigen Teilen Deutschlands ist der Kuckuck seltener geworden. Lediglich im \u00f6stlichen Europa scheint der Bestand noch stabil zu sein.<\/p>\n<h2>Gef\u00e4hrdung und Schutz<\/h2>\n<p>Der Kuckuck steht in der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutv\u00f6gel Deutschlands. Die IUCN gibt den weltweiten Status mit <em>Least Concern<\/em> (= nicht gef\u00e4hrdet) an.<\/p>\n<p>Die Hauptursache f\u00fcr den R\u00fcckgang des Kuckucks ist die Ausd\u00fcnnung der Best\u00e4nde seiner Wirtsv\u00f6gel. Dies ist eine Folge der Zerst\u00f6rung und des Verlusts der Lebensr\u00e4ume durch Ausr\u00e4umung der Agrarlandschaft. Weiterhin wirkt sich der starke R\u00fcckgang von Schmetterlingen und Maik\u00e4fern durch zunehmenden Einsatz von Pestiziden und der Verlust von Lebensr\u00e4umen und Nahrungspflanzen negativ auf den Kuckucksbestand aus.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Schutzma\u00dfnahmen sind die Extensivierung der Landwirtschaft, Ausgleichsma\u00dfnahmen bei Verbrauch von Lebensr\u00e4umen, der Schutz oder die Wiederherstellung von vielf\u00e4ltigen Randstrukturen und bl\u00fctenreichen S\u00e4umen in der Agrarlandschaft und die Einschr\u00e4nkung des Einsatzes von Bioziden, damit sich die Best\u00e4nde der Wirtsv\u00f6gel und der Nahrungstiere erholen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Klimawandel k\u00f6nnte sich ebenfalls negativ auf die Bestandsentwicklung des Kuckucks auswirken. Einige seiner Wirtsv\u00f6gel, wie z. B. der Hausrotschwanz und das Rotkehlchen, br\u00fcten fr\u00fcher als bisher, da bei diesen Arten der Zeitpunkt des Zuges und vor allem der Brutbeginn von der Temperatur abh\u00e4ngt. Der Kuckuck beh\u00e4lt aber seine Zugzeiten bei, da er sich als Langstreckenzieher vor allem an der Tagesl\u00e4nge orientiert. Dadurch findet er nur schwer Nester, die am Anfang der Brut stehen. Das ist f\u00fcr die Aufzucht seiner Brut aber notwendig. Der junge Kuckuck muss m\u00f6glichst als Erster schl\u00fcpfen, um die anderen Eier seiner Wirtsv\u00f6gel aus dem Nest werfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Kulturgeschichte<\/h2>\n<p>In der griechischen Mythologie ist der Kuckuck mit der G\u00f6ttin Hera verbunden.<\/p>\n<h3>Redensarten und Lieder<\/h3>\n<p>Der Kuckuck ist wegen zwei Eigenheiten sprichw\u00f6rtlich geworden: zum einen, aufgrund seines eigent\u00fcmlichen charakteristischen Balzrufs, des Kontrasts seiner enormen Stimmst\u00e4rke und des unscheinbaren \u00e4u\u00dferen Ansehens, und andererseits durch seine brutschmarotzende Lebensweise.<\/p>\n<dl>\n<dd>\u201eJemandem ein Kuckucksei legen\u201c = jemandem anderen etwas unterschieben<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Der <em>Kuckuck<\/em> und das <em>Kuckucksei<\/em> kommen in vielen Redensarten vor, wobei Kuckuck oft ein Verh\u00fcllungswort f\u00fcr den Teufel darstellt, also als Ersatzwort genutzt wird, wenn der Teufel nicht w\u00f6rtlich genannt werden soll.<\/p>\n<p>Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eScher dich zum Kuckuck!\u201c \u2013 \u201eScher dich zum Teufel!\u201c<\/li>\n<li>\u201eWei\u00df der Kuckuck \u2026\u201c \u2013 \u201eDas wei\u00df allenfalls der Teufel.\u201c (Das wei\u00df niemand.)<\/li>\n<li>\u201eDer Kuckuck ist los!\u201c \u2013 \u201eDer Teufel ist los.\u201c (Es ist reichlich Betrieb.)<\/li>\n<li>\u201eZum Kuckuck nochmal!\u201c \u2013 \u201eZum Teufel!\u201c<\/li>\n<li>\u201eHol\u2019s der Kuckuck!\u201c \u2013 \u201eHol\u2019s der Teufel!\u201c (Mir doch egal.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum anderen weckt der Kuckuck aber auch Fr\u00fchlingsgef\u00fchle, \u00fcblicherweise h\u00f6rt man die ersten Kuckucksrufe Ende M\u00e4rz bis Anfang April, und ist so ein Bote des zu Ende gegangenen Winters, so wie in folgenden Braucht\u00fcmern:<\/p>\n<ul>\n<li>Greif dir in die Tasche, wenn du im Jahr das erste Mal den Kuckuck h\u00f6rst. So viel Geld, wie du dann dabei hast, wirst du das ganze Jahr \u00fcber haben. Hast du nichts dabei, sieht\u2019s f\u00fcr das folgende Jahr finanziell schlecht aus. \u2013 Ebenfalls glaubt man in manchen Gegenden, dass das Portemonnaie das ganze Jahr \u00fcber nicht leer wird, wenn man beim Kuckucksruf darauf klopft.<\/li>\n<li>Entsprechend sagt einem die Zahl der Kuckucksrufe an, wie lange man noch zu leben habe, sobald man die Frage gestellt hat (\u201eKuckuck, Kuckuck, sag mir doch, wie viel\u2019 Jahre leb\u2019 ich noch?\u201c \u2013 niederdeutsch: \u201eKuckuck in Hewen, wo lang schall ik lewen?\u201c).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bekannte Lieder \u00fcber den Kuckuck sind <em>Kuckuck, Kuckuck, ruft\u2019s aus dem Wald<\/em>, sowie die gern als Kanon gesungene Volksweise <em>Auf einem Baum ein Kuckuck<\/em>. Die kleine Terz des Kuckucksrufs fand auch Eingang in die Tonsprache der klassische Musik, wie in Beethovens 6. Sinfonie <em>F-Dur, \u201ePastorale\u201c<\/em> <em>(Szene am Bach)<\/em>, Mozarts <em>Kindersymphonie<\/em>, oder Vivaldis <em>Sommer<\/em>, und vielen anderen Werken der klangredenden Musik insbesondere in Barock und Romantik.<\/p>\n<p>\u00dcber die Art des Kuckucks, zu singen, gibt es auch das Volkslied \u00fcber den Wettstreit des Kuckucks mit der Nachtigall aus <em>Des Knaben Wunderhorn<\/em>, in dem der Esel den Kuckuck zum Sieger erkl\u00e4rt, weil er schulmeisterlich brav nach den Regeln der Tonlehre singt (\u201eDer Kukuk drauf fing an geschwind \u00b7 Sein Sang durch Terz und Quart und Quint.\u201c), w\u00e4hrend das freie Jubilieren der Nachtigall dem Esel zu unverst\u00e4ndlich ist (\u201eDu machst mir\u2019s kraus! I-ja! I-ja! Ich kann&#8217;s in Kopf nicht bringen!\u201c) \u2013 dieses Lied hat Gustav Mahler als <em>Lob des hohen Verstands<\/em> (No. 10 <em>Humoresken\/Lieder aus Des Knaben Wunderhorn<\/em>), aber auch Johann Karl Gottfried Loewe als Kunstlied vertont. In anderer Variante findet sich das Topos bei Fallerslebens <em>Der Kuckuck und der Esel<\/em>, in dem Esel und Kuckuck um die Wette schreien.<\/p>\n<p>Der Kuckuck ist der \u201eHauptdarsteller\u201c in einer Kuckucksuhr, wo diese Tonfolge ebenfalls verwendet wird. Beim Kuckuckspiel ist der Name eher dem regionalen Unterschied zwischen den Verben <em>kucken<\/em> und <em>gucken<\/em> geschuldet.<\/p>\n<h2>Heraldik<\/h2>\n<p>In der Heraldik ist der Kuckuck als gemeine Figur ein seltenes Wappentier. Im Wappen ist er nicht immer eindeutig als Kuckuck zu erkennen. Die Beschreibung ist bindend. Er wird vorrangig mit leicht abgespreizten Fl\u00fcgeln und auf einer Unterlage (Ast, Zweig) sitzend, dargestellt. Die Farbgebung kann alle heraldischen M\u00f6glichkeiten annehmen. Seine Hauptblickrichtung ist heraldisch rechts.<\/p>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto:Mihai Baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kuckuck (Cuculus canorus) geh\u00f6rt zur Ordnung der Kuckucksv\u00f6gel (Cuculiformes) und zur Familie der Kuckucke (Cuculidae). Er kommt in Nordafrika und in Eurasien von Portugal und Irland nach Osten bis Japan und Kamtschatka vor. Er ist etwa taubengro\u00df, sein Gefieder ist gr\u00f6\u00dftenteils grau. 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