{"id":1770,"date":"2013-01-02T20:26:31","date_gmt":"2013-01-02T18:26:31","guid":{"rendered":"http:\/\/wildtravel.ro\/bird\/schelladler-aquila-clanga\/"},"modified":"2013-01-02T20:40:16","modified_gmt":"2013-01-02T18:40:16","slug":"schelladler-aquila-clanga","status":"publish","type":"bird","link":"https:\/\/wildtravel.ro\/de\/bird\/schelladler-aquila-clanga\/","title":{"rendered":"Schelladler (Aquila clanga)"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>Schelladler<\/strong> (<em>Aquila clanga<\/em>) ist eine Vogelart aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Dieser mittelgro\u00dfe Vertreter der Unterfamilie Aquilinae kommt in Mitteleuropa nur im Osten Polens als Brutvogel vor, nach Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis zum Pazifik. Die Art bewohnt naturnahe, gew\u00e4sserreiche Waldlandschaften und ern\u00e4hrt sich vor allem von kleinen bis mittelgro\u00dfen S\u00e4ugetieren und Wasserv\u00f6geln.<\/p>\n<p>Schelladler sind Mittel- bis Langstreckenzieher, das \u00dcberwinterungsareal umfasst die Subtropen und die Tropen von S\u00fcdeuropa, Asien und Afrika. Der Bestand der Art ist zumindest im westlichen Teil des Verbreitungsgebietes vor allem aufgrund von Lebensraumzerst\u00f6rung und menschlicher Verfolgung r\u00fcckl\u00e4ufig, der Weltbestand gilt daher als gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Schelladler geh\u00f6ren zu den mittelgro\u00dfen Vertretern der Gattung <em>Aquila<\/em>. Sie erreichen eine K\u00f6rperl\u00e4nge von 59 bis 71 cm und eine Fl\u00fcgelspannweite von 1,57 bis 1,79 m und sind damit erheblich gr\u00f6\u00dfer als ein M\u00e4usebussard. Der Geschlechtsdimorphismus ist bez\u00fcglich Gr\u00f6\u00dfe und Gewicht recht deutlich ausgepr\u00e4gt, M\u00e4nnchen erreichen im Mittel etwa 85 % der Gr\u00f6\u00dfe der Weibchen. M\u00e4nnchen wiegen 1,7 bis 1,9 kg und haben eine Fl\u00fcgell\u00e4nge von 477 bis 517 mm, Weibchen erreichen ein Gewicht von 1,8 bis 2,5 kg und eine Fl\u00fcgell\u00e4nge von 507 bis 542 mm. Wie bei allen Vertretern der Gattung <em>Aquila<\/em> sind die Handschwingenspitzen stark gefingert und die Beine sind bis zu den Zehen befiedert. Im Flug wirken die Fl\u00fcgel relativ kurz und auffallend breit, der Schwanz ist an den Au\u00dfenkanten deutlich gerundet.<\/p>\n<p>Adulte V\u00f6gel sind insgesamt fast einfarbig sehr dunkel braun. Der gesamte Rumpf, der Kopf sowie die Oberfl\u00fcgel- und die Unterfl\u00fcgeldecken sind dunkelbraun und bilden beim fliegenden Vogel einen schwachen Kontrast zu den etwas helleren, einfarbig dunkel braungrauen Schwung- und Sto\u00dffedern. Nur die Oberschwanzdecken sind schwach wei\u00df gerandet. Sehr selten tritt eine helle Farbmorphe auf, die in der Literatur h\u00e4ufig als &#8222;fulvescens&#8220;-Variet\u00e4t bezeichnet wird. Bei dieser Morphe sind der Kopf und der gesamte Rumpf sowie alle Fl\u00fcgeldecken hellbeige bis goldfarben. Schwingen und Steuerfedern sind wie bei normal gef\u00e4rbten V\u00f6geln dunkel braungrau.<\/p>\n<p>Die Iris ist braun, die Wachshaut und die Zehen haben eine gelbe F\u00e4rbung. Die Schnabelbasis ist grau gegen den im \u00dcbrigen schwarzen Schnabel abgesetzt.<\/p>\n<p>Im Jugendkleid ist die Grundfarbe des Gefieders noch etwas dunkler als bei den Altv\u00f6geln. Alle Oberfl\u00fcgeldecken sind wei\u00df gerandet, die hellen Spitzen der gro\u00dfen Hand- und Armdecken bilden ein beim fliegenden Vogel gut sichtbares helles Band auf dem Oberfl\u00fcgel. Die inneren Handschwingen, die Armschwingen und die Steuerfedern zeigen eine dichte, dunkle Querb\u00e4nderung und sind ebenfalls wei\u00df gerandet. Die Iris ist braun. Die Jungv\u00f6gel sind nach vier Jahren ausgef\u00e4rbt.<\/p>\n<p>Im Wesentlichen k\u00f6nnen drei Rufe unterschieden werden: Der Balzruf ist ein heiseres &#8222;kr\u00fcch&#8220;, der meist in Verbindung mit Balzfl\u00fcgen eingesetzt wird. Bei Bedrohung, zum Beispiel durch in die Nestn\u00e4he fliegende gro\u00dfe Greifv\u00f6gel, \u00e4u\u00dfern beide Partner ein lang gezogenes &#8222;hi\u00e4h&#8220;. Der auch von Jungv\u00f6geln beim Betteln genutzte Kontaktruf l\u00e4sst sich mit &#8222;kj\u00e4ck, kj\u00e4ck&#8220; umschreiben.<\/p>\n<p>Das Verbreitungsgebiet umfasst gro\u00dfe Teile der Waldzone der mittleren und \u00f6stlichen Pal\u00e4arktis und reicht vom Osten Polens und des Baltikums in einem im Westen breiten und nach Osten immer schmaler werdenden Band bis zur s\u00fcdostrussischen Region Primorje am Pazifik. Das genaue Areal der Art ist im Westen des Verbreitungsgebietes wegen der schwierigen Unterscheidung vom Schreiadler, im asiatischen Teil der Verbreitung wegen der geringen Besiedlung durch Menschen und der abgelegenen Lebensr\u00e4ume vielfach bis heute unklar.<\/p>\n<p>In Nord-S\u00fcdrichtung reicht das Areal von den s\u00fcdlichen Bereichen der Borealen Zone (Nadelwaldzone) bis in die n\u00f6rdlichen Bereiche der Steppenzone. Der Schelladler bewohnt dort offene, feuchte bis nasse W\u00e4lder und Waldr\u00e4nder mit angrenzenden S\u00fcmpfen, Marschen, Mooren oder nassen Wiesen, au\u00dferdem Flussauen. Insgesamt ist die Art sehr an vom Menschen kaum beeinflusste, wasserreiche Waldlandschaften gebunden.<\/p>\n<p>Trotz des riesigen Verbreitungsgebietes wurden f\u00fcr den Schelladler bisher keine Unterarten beschrieben. N\u00e4chster Verwandter ist der sehr \u00e4hnliche Schreiadler, das Schwestertaxon dieses Artpaares ist <em>Aquila hastata<\/em>. Diese auf den Indischen Subkontinent beschr\u00e4nkte Art wurde bis vor einigen Jahren als Unterart des Schreiadlers gef\u00fchrt, aber 2002 aufgrund morphologischer, anatomischer und brutbiologischer Merkmale sowie aufgrund von Verhaltensmerkmalen als eigene Art abgegrenzt. Molekulargenetische Untersuchungen haben diesen Artstatus best\u00e4tigt, demnach ist der Schreiadler mit dem Schelladler sogar n\u00e4her verwandt als mit seiner ehemaligen Unterart <em>A. hastata<\/em>.<\/p>\n<p>Eine weitere molekulargenetische Untersuchung ergab, dass Schreiadler und Schelladler reproduktiv nicht vollst\u00e4ndig voneinander isoliert sind, wobei der Genfluss jedoch offenbar nur in Richtung Schreiadler erfolgt. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Mischpaare \u00fcberwiegend aus Schelladlerweibchen und Schreiadlerm\u00e4nnchen bestehen und dass die Hybridweibchen ihrerseits wiederum mit Schreiadlerm\u00e4nnchen br\u00fcten. Die erste Vermutung stimmt mit den bisher vorliegenden Beobachtungen von Mischpaaren \u00fcberein. Die zweite Vermutung ist plausibel, da nur so der Gr\u00f6\u00dfenunterschied zwischen den Paarpartnern bestehen bleibt, denn Schelladler sind deutlich gr\u00f6\u00dfer als Schreiadler.<\/p>\n<p>Im Detail wiesen etwa 8 % der untersuchten ph\u00e4notypischen Schreiadler in der nur \u00fcber die m\u00fctterliche Linie weitergegebenen mitochondrialen DNA (mtDNA) Haplotypen des Schelladlers auf. Untersuchungen der Zellkern-DNA ergaben jedoch, dass die Schreiadler mit Schelladlerhaplotypen in der mtDNA genetisch zwischen den Stichproben von Individuen beider Arten liegen, bei denen die Haplotypen der mtDNA mit den Ph\u00e4notypen \u00fcbereinstimmten.<\/p>\n<p>Das deutet darauf hin, dass diese Schreiadler mit Schelladler-mtDNA entweder direkte Nachkommen eines Mischpaares aus Schelladlerweibchen und Schreiadlerm\u00e4nnchen (F1-Hybriden) oder Nachkommen eines weiblichen Hybriden mit einem Schreiadlerm\u00e4nnchen sind.<\/p>\n<p>Der relativ hohe Prozentsatz von Schreiadlern mit Schelladlerhaplotypen weist schlie\u00dflich darauf hin, dass zumindest einzelne Schelladler regelm\u00e4\u00dfig weit westlich des geschlossenen Verbreitungsgebietes der Art Mischpaare mit Schreiadlern bilden. Dass dies tats\u00e4chlich so ist, wurde unter anderem durch die Entdeckung eines Mischpaares in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2003 best\u00e4tigt, weiter \u00f6stlich sind einzelne Mischpaare schon seit Anfang der 1990er-Jahre bekannt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie der nah verwandte Schreiadler jagt der Schelladler h\u00e4ufig im Suchflug und zu Fu\u00df, aber seltener als der Schreiadler vom Ansitz aus. Der Suchflug findet in niedriger H\u00f6he, aber auch hoch kreisend statt. Wenn ein geeignetes Beutetier entdeckt ist, l\u00e4sst sich der Adler fallen oder geht zur Attacke im Sturzflug \u00fcber. Trupps von Wasserv\u00f6geln werden durch wiederholte Sturzfl\u00fcge auseinandergetrieben, um dann ein abgesprengtes Individuum gezielt zu erbeuten.<\/p>\n<p>Im Brutgebiet besteht die Nahrung \u00fcberwiegend aus kleinen bis mittelgro\u00dfen S\u00e4ugetieren und V\u00f6geln, daneben werden auch Amphibien und Reptilien h\u00e4ufig erbeutet. Seltener werden kleine Fische, Insekten oder Aas gefressen. Im Winter bilden die Hauptnahrung je nach Lage des Winterquartiers sehr h\u00e4ufig Insekten wie Wanderheuschrecken und schw\u00e4rmende Termiten sowie Aas oder, in Feuchtgebieten, \u00fcberwiegend Wasserv\u00f6gel.<\/p>\n<p>Die Balz beginnt meist unmittelbar nach der Ankunft am Brutplatz. Das M\u00e4nnchen vollf\u00fchrt dabei ausdauernde Wellenfl\u00fcge, wobei es sich am h\u00f6chsten Punkte einer \u201eWelle\u201c mit angelegten Fl\u00fcgeln abw\u00e4rtsbewegt, um dann mit dem gewonnenen Schwung wieder zur n\u00e4chsten Welle aufzusteigen. Dabei wird intensiv gerufen.<\/p>\n<p>Die Nester werden \u00fcberwiegend auf Laubb\u00e4umen im Wald und meist in dessen Randzone errichtet und \u00fcberwiegend selbst gebaut. Der Nestdurchmesser betr\u00e4gt zwischen 70 und 110 cm. Die Nester werden oft mehrfach genutzt und k\u00f6nnen dann H\u00f6hen bis 150 cm erreichen. Die Nestmulde wird mit gr\u00fcnen Zweigen ausgelegt.<\/p>\n<p>Die Eiablage erfolgt selten bereits Ende April, meist jedoch Anfang bis Mitte Mai. Die Gelege bestehen meist aus zwei Eiern, seltener aus nur einem Ei oder drei Eiern. Beispielsweise wurden in Wei\u00dfrussland bei 6 Gelegen einmal 1 Ei und f\u00fcnfmal 2 Eier gefunden. Die Eier sind auf wei\u00dfem Grund schwach br\u00e4unlich oder violett gefleckt. Eier aus Wei\u00dfrussland ma\u00dfen im Mittel 65,8 \u00d7 52 mm.<\/p>\n<p>Die Brutzeit betr\u00e4gt 42 bis 45 Tage. Im Gegensatz zum Schreiadler ist Kainismus beim Schelladler nicht obligatorisch und es werden regelm\u00e4\u00dfig zwei Jungv\u00f6gel fl\u00fcgge. Die Nestlingszeit dauert 63 bis 67 Tage; die Jungv\u00f6gel fliegen meist Mitte Juli bis Anfang August aus.<\/p>\n<p>Schelladler sind Mittelstrecken- bis Langstreckenzieher. Das \u00dcberwinterungsgebiet umfasst ein riesiges Areal in den Subtropen und den Tropen Eurasiens und Afrikas. Die Art wird dort in vielen r\u00e4umlich zum Teil weit auseinander liegenden Gebieten beobachtet, in denen jedoch meist nur einzelne oder maximal einige Dutzend Individuen \u00fcberwintern.<\/p>\n<p>In Europa \u00fcberwintert die Art in kleiner Zahl in S\u00fcd-Frankreich (Camargue), im S\u00fcden und Nordosten Italiens und auf der Balkanhalbinsel, ausnahmsweise auch weiter n\u00f6rdlich, z. B. in der Schweiz. Weiter \u00f6stlich \u00fcberwintert die Art vor allem im Westen der T\u00fcrkei, im Nahen Osten und auf der Arabischen Halbinsel, im Norden des Indischen Subkontinents sowie in S\u00fcdostasien und S\u00fcdchina. Schlie\u00dflich \u00fcberwintert die Art zumindest in kleiner Zahl auch im Nordosten Afrikas und s\u00fcdlich der Sahara. Schelladler scheinen \u00fcberwiegend Breitfrontzieher zu sein; sie werden an den klassischen Konzentrationspunkten des Vogelzuges, zum Beispiel am Bosporus, selten und nur in kleiner Zahl beobachtet.<\/p>\n<p>Die Brutgebiete werden im Westen der Verbreitung bereits Mitte M\u00e4rz erreicht, weiter \u00f6stlich im April. Der Wegzug beginnt ab Ende September.<\/p>\n<p>Die Art ist zumindest in Europa \u00fcberall sehr selten. Der gesamteurop\u00e4ische Bestand wurde 2004 laut IUCN auf etwa 900 Brutpaare gesch\u00e4tzt, der Weltbestand auf maximal 10.000 Individuen. Insbesondere aus dem asiatischen Teil Russlands liegen bisher jedoch kaum verl\u00e4ssliche Bestandszahlen vor. Zumindest in Europa ist der Bestand seit Jahrzehnten r\u00fcckl\u00e4ufig, als Hauptursachen gelten Lebensraumzerst\u00f6rung und menschliche Verfolgung. Die IUCN stuft den Weltbestand daher als \u201evulnerable\u201c (gef\u00e4hrdet) ein.<\/p>\n<p class=\"wt-photo-credit\">foto:mihai baciu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schelladler (Aquila clanga) ist eine Vogelart aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Dieser mittelgro\u00dfe Vertreter der Unterfamilie Aquilinae kommt in Mitteleuropa nur im Osten Polens als Brutvogel vor, nach Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis zum Pazifik. Die Art bewohnt naturnahe, gew\u00e4sserreiche Waldlandschaften und ern\u00e4hrt sich vor allem von kleinen bis mittelgro\u00dfen S\u00e4ugetieren und Wasserv\u00f6geln. 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